ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Inflationssorgen schicken Dax auf Talfahrt

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Inflationssorgen haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch wieder fest im Griff gehabt. Der Dax <DE0008469008>, der tags zuvor noch ein Rekordhoch erreicht hatte, verlor nun 1,77 Prozent auf 15 113,56 Punkte. Zeitweise war er sogar wieder unter 15 000 Zähler gerutscht.

Bereits zum dritten Mal in diesem Monat sei der der deutsche Leitindex nun schon "in rasantem Tempo" unter diese psychologisch wichtige Marke gesackt und "ebenso schnell auch wieder darüber" gestiegen, kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Wohin die Reise letztlich gehen werde und ob doch noch ein "größerer Ausverkauf" bevorstehe, sei im Moment noch nicht absehbar. Das Rekordhoch vom Dienstag jedenfalls sei aber doch nur ein weiterer Fehlausbruch gewesen.

Für Unruhe sorgten die Verbraucherpreisdaten aus der Eurozone für den Monat April. Sie zeigten im Jahresvergleich einen Anstieg von 1,6 Prozent. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von mittelfristig knapp zwei Prozent rückt damit zunehmend in Reichweite. Analysten gehen davon aus, dass es in den kommenden Monaten sogar merklich übertroffen wird.

Auch auf die USA wird besorgt geschaut, da das Thema Inflation dort ebenfalls in aller Munde ist und daher ein früheres geldpolitisches Eingreifen der US-Notenbank befürchtet wird. Sobald diese dem Inflationsdruck doch rascher als avisiert mit höheren Zinsen entgegentreten, dürften Aktien an Attraktivität verlieren. Sie erhielten dann wachsende Konkurrenz durch festverzinsliche Wertpapiere.

Für den MDax <DE0008467416> ging es zur Wochenmitte um 1,19 Prozent auf 31 899,33 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> büßte 1,71 Prozent auf 3936,74 Punkte ein, und auch in Paris und London ging es deutlich abwärts. In den USA fiel der Dow Jones Industrial <US2605661048> zum europäischen Handelsschluss um 1,2 Prozent und auch die technologielastigen Nasdaq-Börsen zeigten sich schwächer.

Unter den Einzelwerten hielten sich die in schwachen Marktzeiten als defensiv - weil weniger konjunkturanfällig - geltenden Branchen wie Pharma- oder Konsumgüter mit am besten. Merck KGaA <DE0006599905> gewannen an der Dax-Spitze 1,1 Prozent. Adidas <DE000A1EWWW0> legten um 0,3 Prozent zu und Puma <DE0006969603> hielten sich im MDax mit minus 0,3 Prozent vergleichsweise stabil. Die US-Bank Morgan Stanley hatte sich angesichts der Geschäftsentwicklung der beiden Sportartikelhersteller in den USA positiv zu diesen Aktien geäußert und sie hochgestuft.

Wacker Chemie <DE000WCH8881> waren Spitzenwert im Index der mittelgroßen Werte mit plus 1,3 Prozent. Sie profitierten von Aussagen der chinesischen Daqo, dass die Aussichten für Polysilizium weiter gut bleiben dürften. Zudem gehe der Trend in Richtung einer höheren Materialqualität von Polysilizium, wie der chinesische Hersteller von Silizium und Polysilizium für den Einsatz in Photovoltaik-Anlagen laut der britischen Bank Barclays gesagt hat. Für Wacker Chemie sei dies positiv, da die Münchener aktuell der wichtigste Anbieter für besonders reines Polysilizium seien.

Im SDax <DE0009653386> gaben die Papiere von Auto1 <DE000A2LQ884> nach einem soliden Handelsauftakt um 1,0 Prozent nach. Der Online-Gebrauchtwagenhändler hatte Geschäftszahlen vorgelegt. Börsianer sprachen von einem umsatzseitig zwar starken ersten Quartal, verwiesen aber auf die weiter roten Zahlen im operativen Geschäft.

Die Aktien von Eckert & Ziegler <DE0005659700> waren der Favorit unter den Nebenwerten mit plus 11,8 Prozent auf 81,85 Euro. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hatte das Kursziel für die Papiere des Strahlen- und Medizintechnikunternehmens von 80,00 auf 120,50 Euro angehoben. Analyst Aliaksandr Halitsa bekräftigte nach den am Montag vorgestellten Quartalszahlen zudem seine Kaufempfehlung.

Einen turbulenten Börsenstart legten die Aktien von Suse <LU2333210958> hin. Die Papiere des Linux-Software-Anbieters sackten im frühen Xetra-Geschäft unter die 27-Euro-Marke und schlossen dann letztlich mit exakt 30 Euro auf dem Kurs, zu dem die Papiere ausgegeben worden waren.

Der Euro <EU0009652759> hielt sich über der Marke von 1,22 US-Dollar und wurde am frühen Abend mit 1,2215 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,2212 (Dienstag: 1,2222) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8189 (0,8182) Euro. Am Anleihemarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,19 Prozent am Vortag auf minus 0,16 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> fiel um 0,08 Prozent auf 143,70 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> stieg zuletzt um 0,06 Prozent auf 168,88 Zähler./ck/he

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---