ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Erholter Dax knapp unter 14 000 Punkten

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt hat sich am Donnerstag die zaghafte Erholung vom Vortag dynamisch fortgesetzt. Nach dem jüngsten Rücksetzer des Dax <DE0008469008> habe dieser zumindest auf kurze Sicht nun Erholungspotenzial, schrieb die Landesbank Helaba. Die Marke von 14 000 Punkten, unter die der Leitindex in der vergangenen Woche gefallen war, konnte das deutsche Börsenbarometer aber letztlich nicht zurückerobern.

Nach schwachen US-Konjunkturdaten - die weltgrößte Volkswirtschaft schrumpfte im ersten Quartal überraschend - gab der Dax zeitweise den Großteil seiner Tagesgewinne ab. Er beendete den Handel aber dennoch versöhnlich mit plus 1,35 Prozent auf 13 979,84 Punkten.

"Der Schock vom Dienstag nach der Meldung, dass Russland mit Polen und Bulgarien den ersten Ländern den Gashahn zudreht, scheint zunächst verdaut", schrieb Marktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets. Gleiches gelte für die "ausverkaufsgeplagten US-Technologieaktien", die sich am Vortag an der Nasdaq stabilisiert hatten und nun weiter erholten.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Börsentitel beendete den Tag mit plus 0,88 Prozent auf 30 077,24 Zähler und auch europaweit wurden überwiegend Gewinne verbucht.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> stieg um 1,13 Prozent auf 3777,02 Zähler. Auch in Paris und London gab es deutliche Gewinne. In den USA legte der Dow Jones Industrial <US2605661048> am frühen Abend um 0,4 Prozent zu, der Nasdaq-Auswahlindex 100 <US6311011026> rückte um 1,0 Prozent vor.

Die sehr hohe Inflation in Deutschland belastete die Aktienkurse kaum. Die Verbraucherpreise stiegen im April laut einer ersten Schätzung um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Analysten hatten mit einem etwas geringeren Anstieg gerechnet. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht seit einiger Zeit erheblich unter Druck, dem Beispiel der US-Notenbank Fed zu folgen und die Zinsen anzuheben. Dies zusammen mit Rezessionssorgen hatte die Aktienmärkte zuletzt belastet.

Größter Gewinner im Dax waren nach heftigem Auf und Ab die Aktien des Essenslieferanten Delivery Hero <DE000A2E4K43>, der am Morgen Quartalszahlen vorgelegt hatte. Nach einem Höhenflug zum Handelsstart brachen die seit November extrem schwer gebeutelten Papiere erneut ein und fielen auf den tiefsten Stand seit 2017, bevor es letztlich um knapp sechs Prozent nach oben ging. Im Auftaktquartal 2022 konnte Delivery Hero Bruttowarenwert und Umsatz deutlich steigern, im operativen Geschäft rechnet der Vorstand aber auch in diesem Jahr mit einem Verlust. Einem Händler zufolge will der Lieferdienst nun offenbar keine Bestellzahlen mehr veröffentlichen, was am Markt nicht gut ankam.

Die Aktien von Hellofresh <DE000A161408>, nach Delivery Hero ebenfalls einer der größten Kursverlierer in diesem Börsenjahr, legten um knapp fünf Prozent zu. Der Quartalsbericht des Versenders von Kochboxen sorgte für etwas Erleichterung unter den Anlegern.

Linde <IE00BZ12WP82> gewannen nach vorgelegten Quartalszahlen und angehobenem Jahresgewinnziel und positiven Experten-Kommentaren 0,7 Prozent. Gelobt wurde vor allem die hohe Qualität und das starke operative Geschäft des Industriegasherstellers und Anlagenbauers. Darüber hinaus sei Linde im Zukunftsmarkt Wasserstoff bereits hervorragend positioniert und investiere zunehmend auch in grüne Wasserstoff-Aktivitäten, hieß es.

Im MDax und SDax <DE0009653386> gab es anlässlich zahlreicher Quartalsberichte Licht und Schatten unter den Einzelwerten. So büßten die Papiere von Kion <DE000KGX8881>, Wacker Chemie <DE000WCH8881> und Fielmann <DE0005772206> zwischen 2,5 Prozent bis knapp 7 Prozent ein.

Die Aktien des Bausoftware-Entwicklers Nemetschek <DE0006452907> legten nach überraschend starken Quartalszahlen um 7,3 Prozent zu. Die Anteile von LPKF <DE0006450000> sprangen im SDax um knapp zehn Prozent nach oben. Der Laserspezialist befindet sich nach einem schwierigen Jahr 2021 wieder auf Wachstumskurs.

Der Euro <EU0009652759>, der zeitweise unter 1,05 US-Dollar gefallen war, kostete am frühen Abend 1,0505 Dollar. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,0485 (Mittwoch: 1,0583) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9537 (0,9449) Euro.

Am Rentenmarkt gaben die Kurse leicht nach. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> sank um 0,08 Prozent auf 136,74 Punkte, während die gegenläufige Umlaufrendite von 0,69 Prozent am Vortag auf 0,70 Prozent leicht zulegte. Der Bund-Future <DE0009652644> sank kräftig um 0,68 Prozent auf 154,20 Punkte./ck/he

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.