ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Schwächer - Euro und EZB sorgen für Spannung

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts der unverminderten Eurostärke und der am Nachmittag anstehenden Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) agieren die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag zunächst vorsichtig: Der Dax verlor im frühen Handel 0,20 Prozent auf 13 388,32 Punkte. Tags zuvor war der Leitindex unter das am Dienstag übersprungene, alte Rekordhoch vom 7. November bei 13 525 Punkten gerutscht. Dies könnte nun einen Fehlausbruch bedeuten.

Der Euro setzte am Morgen seinen Höhenflug mit einem weiteren Höchststand seit Ende 2014 fort. Damit verdüstern sich die Wettbewerbsaussichten der zahlreichen auf den Export angewiesenen deutschen Unternehmen immer mehr. Der wegen der Dollar-Schwäche auf das höchste Niveau seit 2016 gekletterte Goldpreis ist ein weiteres Warnsignal für Aktienanleger, wird dadurch doch die Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen dokumentiert.

Für den MDax der mittelgroßen deutschen Börsenwerte ging es am Donnerstagfrüh um 0,39 Prozent auf 27 046,89 Punkte nach unten. Der TecDax sank um 0,52 Prozent auf 2643,61 Punkte. Ein Plus von 0,11 Prozent verbuchte dagegen der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 .

Mit großer Spannung warten die Anleger am frühen Nachmittag auf Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi zur aktuellen Eurostärke. Diese wird derzeit auch ein Stück weit durch Spekulationen begründet, wonach die EZB im Rahmen ihrer Zinssitzung Hinweise auf eine schnellere Abkehr von ihrer extrem lockeren Geldpolitik geben könnte. "Wenn einer den Euro stoppen kann, dann ist es Draghi", sagte Stratege Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Zudem werden Anleger genau hinhören, ob Draghi Andeutungen zum Zeitpunkt eines ersten Zinsschrittes macht. Eine Absage an eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr könnte den Euro wieder schwächen."

Infineon setzten sich anfangs noch an die Dax-Spitze und profitierten dabei von überraschend guten Geschäftszahlen des südkoreanischen Chipherstellers SK Hynix und des französischen Rivalen STMicro . Zuletzt schmolz der Kursgewinn aber auf 0,13 Prozent zusammen. In den USA hatte es am Vortag hatte deutliche Verluste bei Chip-Aktien gegeben.

Zur Begründung der Verluste von mehr als 1 Prozent bei den Aktien der Deutschen Post , die damit am Dax-Ende waren, verwiesen Händler auf die Eurostärke. Das Frachtgeschäft der Bonner könnte darunter leiden.

Im MDax eroberten die Anteilsscheine von Hella mit einem Aufschlag von mehr als 2 Prozent die Spitzenposition. Jefferies hatte die Papiere des Autozulieferers zum Kauf empfohlen. Das Anfang der Woche erreichte Rekordhoch bei 59,10 Euro rückt damit wieder ins Visier.

Die Software AG enttäuschte die Anleger mit einem trüben Ausblick auf 2018 und bekam dafür die Quittung mit einem Minus von fast 4 Prozent. Damit waren die Papiere der zweitschwächste Wert im TecDax. Schlechter mit einem Verlust von annähernd 10 Prozent waren nur noch die Aktien des Biotech-Unternehmens Medigene . Gewinnmitnahmen seien der Grund, sagten Händler. Denn alleine am Vortag hatten Medigene, beflügelt von anhaltenden Übernahmespekulationen, um mehr als 20 Prozent zugelegt.

Am SDax-Ende setzten die Aktien des Schienenlogistikers VTG ihre jüngste Talfahrt mit einem Minus von mehr als 3,5 Prozent fort. Die Berenberg Bank hatte ihre Kaufempfehlung gestrichen. Die kartellrechtliche Genehmigung der Übernahme von Nacco stehe immer noch aus und am Markt werde inzwischen eine komplizierte Transaktion eingepreist, hieß es.