ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Erholung geht weiter - EZB in Alarmbereitschaft

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PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die europäischen Börsen sind am Donnerstag auf Erholungskurs geblieben. Nachdem am Dienstag eine Welle an Gewinnmitnahmen das Bild geprägt hatte, sind die Anleger wieder mutiger geworden. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx <EU0009658145> knüpfte an seine Gewinne vom Mittwoch an und kehrte über die 4000er Marke zurück. Am Ende verbuchte er einen Anstieg um 0,97 Prozent auf 4014,80 Punkte.

Gute Laune verbreiteten einige robuste Geschäftszahlen von Unternehmen, während die zuletzt spürbaren Sorgen bezüglich der steigenden Corona-Infektionszahlen mit der Aussicht auf baldige Lockerungen in einigen EU-Ländern ein Stück weit in den Hintergrund gerieten. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt wegen der Pandemie aber in Alarmbereitschaft. Präsidentin Christine Lagarde machte am Donnerstag beim Zinsentscheid deutlich, dass die extrem lockere Geldpolitik vorerst uneingeschränkt fortgesetzt wird.

Die wichtigsten Länderbörsen folgten dem EuroStoxx nach oben. Der Pariser Cac 40 <FR0003500008> gewann 0,91 Prozent auf 6267,28 Punkte und der Londoner FTSE 100 <GB0001383545> rückte um 0,62 Prozent auf 6938,24 Punkte vor.

In der Sektorwertung besonders gefragt waren Aktien aus dem Energiebereich, was von Experten mit dem Online abgehaltenen Klimagipfel begründet wurde. Zu diesem Anlass will US-Präsident Joe Biden ein ehrgeiziges neues Klimaziel verkünden, hieß es von Regierungsmitarbeitern. Demnach soll der US-Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2030 im Vergleich zu 2005 mindestens halbiert werden. Dies sorgte in der ganzen Branche für Euphorie. Papiere der Windkraft-Spezialisten Siemens Gamesa <ES0143416115> rückten vor diesem Hintergrund in Madrid um 6,7 Prozent, jene von Vestas <DK0010268606> in Kopenhagen sogar um mehr als zehn Prozent.

Im EuroStoxx eroberten die 3,4 Prozent höheren SAP <DE0007164600>-Aktien nach einer optimistischen Quartalsprognose der US-Tochter Qualtrics <US7476012015> die Spitzenposition. Etwas dahinter folgten Adyen <NL0012969182> mit einem Kursanstieg um drei Prozent, womit sie den in Paris 6,4 Prozent höheren Papieren des Konkurrenten Worldline <FR0011981968> folgten. Bei diesen wurden starke Quartalszahlen dafür verantwortlich gemacht.

Mit 1,3 Prozent zu den Gewinnern zählten im Leitindex auch die Aktien von Pernod Ricard <FR0000120693>. Die Geschäfte des Spirituosenherstellers erholten sich im ersten Quartal dank der Nachfrage in den USA und China.

Des weiteren erklommen im EuroStoxx die Papiere von ASML <NL0010273215> ein Rekordhoch, am Ende relativierten sie aber ihr in der Spitze sehr viel deutlicheres Tagesplus auf zwei Prozent. Nachdem der Chipindustrie-Ausrüster am Vortag wegen der weltweiten Knappheit bei Halbleitern von einem starken Jahresauftakt berichtet hatte, erhöhten die Analysten nun reihenweise ihre Kursziele.

In Stockholm freuten sich die Aktionäre von Volvo <SE0000115446> über ein Plus von 2,5 Prozent. Der schwedische Nutzfahrzeughersteller profitierte im ersten Quartal von der anhaltenden Markterholung.

In Zürich avancierten die Papiere von Nestle <CH0038863350> mit einem Anstieg um 2,9 Prozent zum Spitzenreiter im Leitindex SMI <CH0009980894>. Kunden des Lebensmittelkonzerns griffen zum Jahresauftakt vor allem bei Kaffee, Milchprodukten und der Tierfuttermarke Purina zu. Das zeigte Wirkung: So stark wie im vergangenen Quartal ist der Nestle-Umsatz schon seit langem nicht mehr gewachsen.

Die Anleger der Credit Suisse <CH0012138530> aber wurden kalt geduscht, nach einem zwischenzeitlich noch deutlicheren Kursrutsch mussten sie letztlich einen Abschlag von 2,1 Prozent hinnehmen. Das Finanzhaus muss sich wegen der Probleme bei Lieferketten-Finanzierungsfonds frisches Kapital besorgen. Zudem rechnet die Schweizer Großbank wegen des Ausfalls des Hedgefonds Archegos im zweiten Quartal mit einer weiteren Belastung.