ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Deutliche Verluste vor US-Zinsentscheid

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PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach dem schwankenden Wochenstart mit Verlusten am Montag und Gewinnen am Dienstag haben an Europas Börsen nun wieder die Pessimisten das Zepter in die Hand genommen. Anleger gingen dabei am Mittwoch kurz vor dem am Abend anstehenden Zinsentscheid in den USA wieder in Deckung. Zudem wollten die Investoren vor der Veröffentlichung der Geschäftsberichte der viel beachteten US-Technologiekonzerne Apple <US0378331005>, Facebook <US30303M1027> und Tesla <US88160R1014> keine Risiken eingehen.

Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> knickte um 1,57 Prozent auf 3536,38 Punkte ein. Zwischenzeitlich war der Leitindex der Eurozone auf den tiefsten Stand seit Ende Dezember letzten Jahres abgesackt. Der französische Cac 40 <FR0003500008> lag mit 1,16 Prozent im Minus bei 5459,62 Punkten und der britische FTSE 100 <GB0001383545> ("Footsie") fiel um 1,30 Prozent auf 6567,37 Zähler.

Über allem schwebt die Entwicklung der Corona-Pandemie. Aktuell streiten die Europäische Union und der Pharmakonzern Astrazeneca <GB0009895292> auf offener Bühne um den Corona-Impfstoff. Wieder härtere Lockdowns und Sorgen vor womöglich ansteckenderen Virusvarianten hatten viele Börsen zuletzt auf Rekordniveau den Schwung genommen.

Vor den Zahlen der drei US-Tech-Größen war die Luft im Technologiesektor am Mittwoch vorerst raus. Gute Resultate, die Microsoft <US5949181045> am Vorabend vorgelegt hatte, konnten hier die Rally vorerst nicht weiter befeuern, im Gegenteil: Die Anleger entschieden sich dafür, Gewinne mitzunehmen. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Technology <EU0009658921> fiel um 2,2 Prozent.

Noch größere Verluste gab es im Branchenvergleich vor allem bei den hauptsächlich in London versammelten Minenwerten. Deren gesamteuropäischer Teilindex <EU0009658624> brach um 3,6 Prozent ein. Im "Footsie" mussten dabei die Aktionäre von Fresnillo <GB00B2QPKJ12> mit einem Minus von rund 13 Prozent die mit Abstand deutlichsten Verluste hinnehmen. Angesichts der Corona-Pandemie und einiger Projektverzögerungen hatten die Produktionsziele des Bergbaukonzerns für dieses Jahr enttäuscht.

Mit Geschäftszahlen aufwarten konnte LVMH <FR0000121014>. Der Luxusgüterkonzern hatte mit einem starken Quartal überzeugt, so dass die Anteilsscheine in dem schwachen Umfeld nur um 0,3 Prozent nachgaben. Analysten hoben insbesondere das Geschäft mit Mode und Lederwaren positiv hervor.

Sehr gefragt waren Aktien aus dem als defensiv geltenden Telekomsektor, dessen Branchenindex <EU0009658947> an der Spitze des Sektortableaus um 1,6 Prozent stieg. Anleger schauten hier auf die Zahlen und den Ausblick der niederländischen KPN <NL0000009082>, deren Papiere in Amsterdam gut 2 Prozent gewannen. Orange <FR0000133308> folgten dem in Paris um 1,6 Prozent nach oben.

Klarer Spitzenreiter im französischen Cac 40 aber waren die Papiere des Immobilienunternehmens Unibail-Rodamco-Westfield <FR0013326246> mit einem Kurssprung um knapp 20 Prozent. Sie knüpften damit an die Gewinne vom Vortag an. Am Markt hieß es, dies werde nun intensiviert durch Eindeckungen von Short-Sellern, die auf fallende Kurse spekuliert hatten.

Solche Eindeckungskäufe hievten Börsianern zufolge auch die Anteilsscheine des finnischen Telekommunikationsausrüster Nokia <I0009000681> mit einem Plus von fast 14 Prozent an die EuroStoxx-Spitze. Aus dem selben Grund seien demnach auch die Papiere des Medienkonzerns Pearson <GB0006776081> mit plus 14 Prozent an die "Footsie"-Spitze geschnellt.