ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Deutliche Gewinne dank EZB und guter Zahlen

dpa-AFX

PARIS/LONDON/MADRID (dpa-AFX) - Der angekündigte vorsichtige Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus ihrer ultralockeren Geldpolitik hat Europas Börsen am Donnerstag beflügelt. Zudem stützten überwiegend positiv aufgenommene Unternehmenszahlen die Kurse.

Der EuroStoxx 50 kletterte nach einem verhaltenen Start sukzessive nach oben und schloss 1,27 Prozent im Plus bei 3637,20 Punkten. Damit unternahm der Leitindex der Eurozone einen weiteren Ausbruchsversuch aus der engen Handelsspanne um die 3600 Punkte, in der er seit Monatsbeginn festhängt, und erreichte den höchsten Stand seit Mitte Mai. Für den Pariser Leitindex CAC 40 ging es am Donnerstag um 1,50 Prozent auf 5455,40 Punkte bergauf. Der FTSE 100 in London gewann 0,53 Prozent auf 7486,50 Punkte.

Der Madrider Ibex 35 dämmte derweil seinen zwischenzeitlich deutlicheren Kursgewinn ein und schloss 1,92 Prozent fester bei 10 347,80 Punkten. Zuvor hatte der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont bei einer Rede in Barcelona entgegen aller Erwartungen keine Neuwahlen angekündigt, sondern erklärt, weiter seinen Plan für eine Unabhängigkeit der Region zu verfolgen. Daraufhin bekräftigte die spanische Regierung ihre "legale Verpflichtung", diesen Plänen ein Ende zu setzen.

Die EZB setzt derweil ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe im kommenden Jahr zwar fort, verringert das Volumen aber deutlich. Von Januar 2018 an wollen die Währungshüter monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 30 Milliarden Euro kaufen, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mitteilte. Ökonomen hatten mit dieser Entscheidung gerechnet - einige von ihnen halten sie für zu zaghaft.

Im europäischen Branchenvergleich hatten die Aktien der Konsumgüterhersteller die Nase vorn: Der zuletzt gebeutelte Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 erholte sich um 2,27 Prozent und wurde auch durch den sechsprozentigen Kursanstieg von Beiersdorf begünstigt - die Hamburger erfreuten die Anleger mit einer angehobenen Umsatzprognose. Der Index der Versicherer stieg um 1,96 Prozent. Im Sektor wird mit steigenden Preisen in der kommenden Erneuerungsrunde gerechnet.

Einziger Verlierer war dagegen der Index der Technologieunternehmen mit minus 0,14 Prozent. Hier belastete der knapp 18-prozentige Kurssturz von Nokia , nachdem der Netzwerkausrüster im dritten Quartal sinkende Erlöse und steigende Verluste verzeichnet hatte. Zudem rechnen die Finnen wegen ein zunehmend schwierigen Marktumfelds für den Rest des Jahres mit noch mehr Gegenwind.

Unterschiedlich fiel die Entwicklung bei den Banken Santander und Barclays aus: Während die Titel der Spanier nach einem Analysten zufolge "soliden Quartal" über 3 Prozent gewannen, ging es für die Papiere der Briten um mehr als 7 Prozent bergab. Bei Barclays zeigten sich die Anleger vor allem darüber enttäuscht, dass die Handelserträge aus dem Investmentbanking-Geschäft schwächer ausgefallen waren als die der US-Wettbewerber.

Auch die Quartalsberichte des Brauereikonzerns AB Inbev und des Telekomkonzerns Telefonica überzeugten die Anleger nicht - hier fielen die Kursverluste mit 0,68 und 0,34 Prozent aber recht moderat aus. Dagegen gewannen die Aktien des französischen Telefonica-Konkurrenten Orange 1,29 Prozent.

Derweil brannten die Anteilsscheine von STMicroelectronics mit fast 12 Prozent Plus ein Kursfeuerwerk ab und erreichten bei 19,79 Euro den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2004. Der Halbleiterhersteller profitiert weiter von einem guten Branchenumfeld und erzielte im abgelaufenen Quartal in sämtlichen Geschäftsfeldern ein prozentual zweistelliges Wachstum.

Für die Aktien des Industriekonzerns ABB ging es dank besser als erwartet ausgefallener Zahlen um 2,26 Prozent hoch. Da sich die Schweizer aktuell zudem in einem Übergangsjahr befinden, stimme dies optimistisch für 2018, denn dann sollten sich die Stärken des Geschäftsmodells voll entfalten, hieß es am Markt.