ROUNDUP: Adler Group mit Milliardenverlust - KPMG versagt Prüfurteil

LUXEMBURG (dpa-AFX) - Der mit schweren Vorwürfen konfrontierte Immobilienkonzern Adler Group <LU1250154413> hat am Samstag trotz des Versagungsvermerks des Abschlussprüfers KPMG Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Damit sollen die Berichtspflichten gemäß den Bedingungen ausstehendes Anleihen erfüllt werden, wie die Gesellschaft bereits in der Nacht zum Samstag mitgeteilt hatte. Dabei legte der operative Gewinn zu, unter dem Strich stand wegen Abschreibungen aber ein Milliardenverlust. Viel Wert dürften Anleger auf die Zahlen aber nicht geben. Denn bereits am Freitagabend hatte Adler mitgeteilt, dass KPMG eigenen Angaben zufolge nicht in der Lage sei, nach der Beendigung der Abschlussprüfung ein Prüfungsurteil für den Konzern- und den Einzelabschluss 2021 abzugeben./mis

Im Dauerstreit um ihr Berichtswesen ist das eine schwere Schlappe für die Adler Group. Der Aktienkurs brach am Freitagabend auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um fast ein Drittel auf 5 Euro ein. Damit setzte sich der jüngste Kursverfall fort.

So hatte Adler sich erst vor einer Woche nach einer KPMG-Sonderprüfung als von den Vorwürfen der Investmentfirma Viceroy des Leerkäufers Fraser Perring als entlastet bezeichnet. Zwar seien in der Dokumentation und in der Abwicklung einiger Transaktionen Mängel festgestellt worden, die Sonderprüfer hätten hingegen keine Beweise dafür gefunden, dass es systematisch "betrügerische oder die Gesellschaft ausplündernde Transaktionen mit angeblich nahestehenden Personen" gegeben habe, hatte Adler mitgeteilt.

Das hatte den Kursverfall aber nur kurz gestützt, Anleger blieben skeptisch. Allein in der abgelaufenen Woche sackte der Aktienkurs um mehr als ein Drittel ab - darin sind die nachbörslichen Verluste vom Freitagabend noch nicht eingerechnet.

Viceroy, der auch den insolventen Finanzdienstleister Wirecard früh mit Veröffentlichungen unter Druck gesetzt hatte, hatte gegen Adler erstmals Anfang Oktober vergangenen Jahres schwere Vorwürfe erhoben - unter anderem mit Blick auf die Bewertung von Immobilienprojekten. Der Aktienkurs war daraufhin stark unter Druck geraten.

Um hohen Schulden abzubauen, hatte Adler Ende 2021 und Anfang 2022 Immobilien in größerem Umfang verkauft, etwa an die Beteiligungsgesellschaft KKR sowie an den Konkurrenten LEG.

Wegen der vielen Verkäufe rechnet Adler mit einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses (FFO 1) im laufenden Jahr, und zwar auf 73 bis 76 Millionen Euro. 2021 war dieser um 28 Prozent auf 137,1 Millionen Euro.

Unter dem Strich stand 2021 für die Anteilseigner von Adler indes ein Verlust von knapp 1,2 Milliarden Euro, nach plus 191 Millionen Euro vor einem Jahr. Dabei verweist das Unternehmen unter anderem auf "Auswirkungen einer Wertminderung von Geschäfts- oder Firmenwerten im Zusammenhang mit dem

Erwerb der Consus Real Estate AG in Höhe von 1,08 Milliarden Euro.W. Grunde seien gestiegene Baukosten und einer deutlichen Reduzierung des

erwarteten Projektentwicklungsvolumens.

Die Adler Group hat ihren rechtlichen Sitz in Luxemburg und ihren operativen Hauptsitz in Berlin. Das Unternehmen war aus dem Zusammenschluss von Ado Properties, Adler Real Estate und dem Berliner Projektentwickler Consus Real Estate entstanden. Ado Properties hatte hierbei Adler Real Estate übernommen und dann Consus geschluckt.

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