ROUNDUP: Adidas senkt Prognose - China-Lockdown und abschwächende Konsumlaune

HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Sportartikelhersteller Adidas <DE000A1EWWW0> rudert für das laufende Jahr weiter zurück. Eine langsamere Erholung des China-Geschäfts durch die coronabedingten Lockdowns sowie eine zu erwartende schwächere Konsumlaune in anderen Ländern seien der Grund dafür, teilte das Unternehmen am Dienstag in Herzogenaurach mit. Das zweite Quartal sei hingegen vorläufigen Zahlen zufolge "leicht" über den Erwartungen ausgefallen.

Die Aktie verlor am Abend auf der Handelsplattform Tradegate 2,5 Prozent. Die Bilanz des Papiers ist in den letzten drei Jahren tiefrot, mit einem Minus von mehr als 40 Prozent. Allein in diesem Jahr summieren sich die Verluste der im Dax <DE0008469008> notierten Aktie auf knapp ein Drittel.

Für 2022 erwartet das Management um Konzernchef Kasper Rorsted nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im noch mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich - deutlich weniger als zuvor. Zuletzt hatte Adidas ein Plus am unteren Ende der Spanne von elf bis 13 Prozent ausgegeben. Analysten hatten zuvor in einem von Adidas zur Verfügung gestellten Konsens mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 8,8 Prozent gerechnet.

Die operative Marge sieht das Unternehmen nun bei sieben Prozent nach bisher avisierten rund 9,4 Prozent, und auch der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen soll mit rund 1,3 Milliarden Euro unter den zuvor erwarteten 1,8 Milliarden bis 1,9 Milliarden Euro ausfallen. Auch hier hatte Adidas zuletzt das untere Ende der Spanne als Ziel ausgeben. Der Konzern war wegen der Corona-Beschränkungen im wichtigen chinesischen Markt bereits im Mai vorsichtiger geworden.

Die neuen Ergebnisprognosen liegen unter den Erwartungen der Analysten, die zuvor bereits mit schwächeren Ergebnissen als zunächst vom Unternehmen ausgegeben gerechnet hatten. Im Vorfeld der Zahlen, die für den 4. August angekündigt waren, war von Marktexperten bereits über eine Prognosesenkung spekuliert worden. So hatte etwa Christian Salis von Hauck Aufhäuser Investment Banking Anfang Juli einen solchen Schritt befürchtet und seine Kauf- in eine Verkaufsempfehlung umgewandelt. Der Adidas-Rivale Puma <DE0006969603> wird seine Zahlen am Mittwoch vorlegen. Für diesen sind Analysten optimistischer.

Adidas war bislang eigenen Angaben zufolge davon ausgegangen, dass sich das Geschäft in China ab dem dritten Quartal erholen würde, sollte es zu keinen weiteren Lockdowns kommen. Doch nun rechnet das Management damit, dass der währungsbereinigte Umsatz dort während des restlichen Jahres im zweistelligen Prozentbereich sinken wird. Dies sowie die Maßnahmen zum Abbau der Überbestände in dem Markt werden nach Aussagen des Konzerns die Margen belasten.

Zudem macht Adidas das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld Sorgen. In den anderen Märkten habe Adidas bislang zwar noch keine nennenswerte Verlangsamung der Nachfrage oder signifikante Stornierungen von Großhandelsaufträgen verzeichnet, hieß es vom Unternehmen. Jedoch berücksichtige die Prognose auch eine mögliche Abschwächung der Konsumausgaben. Nichtsdestotrotz erwartet der Sportartikelhersteller während der zweiten Jahreshälfte insgesamt nach wie vor ein Umsatzplus im zweistelligen Bereich. Unter anderem sollen sportliche Großereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft in Katar das Wachstum antreiben.

Im zweiten Quartal stiegen die Erlöse währungsbereinigt vorläufigen Berechnungen zufolge um vier Prozent. Zweistellige Zuwächse erzielte das Unternehmen den Angaben zufolge in Nord- und Lateinamerika. In der europäische Region Emea konnte Adidas ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich verbuchen. In Euro stieg der Konzernumsatz um zehn Prozent auf knapp 5,6 Milliarden Euro. Die operative Marge sank hingegen von 10,7 auf 7,0 Prozent. Die Zahlen lagen leicht über dem von Adidas zur Verfügung gestellten Analystenkonsens.

Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft ging von 387 Millionen auf 360 Millionen zurück. Dabei profitierte Adidas von einem einmaligen positiven Steuereffekt von über 100 Millionen Euro als Folge einer Auflösung einer in einem früheren Jahr gebildeten Rückstellung.

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