ROUNDUP 3/Filterfrei im Fernverkehr: Lauterbach kündigt Masken-Ende an

(neu: Mediziner-Statements, Einstieg neu formuliert)

BERLIN (dpa-AFX) - Fahrgäste im Fernverkehr können bald selbst entscheiden, ob sie eine Maske tragen oder nicht. Zum 2. Februar soll die Maskenpflicht in Fernzügen und -bussen vorzeitig auslaufen, wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag ankündigte. Weil Anfang Februar auch in den letzten Bundesländern die Maskenpflicht im Regionalverkehr enden soll, können Bürgerinnen und Bürger dann bundesweit in sämtlichen Verkehrsmitteln auf den Corona-Schutz verzichten. Damit kehrt nach fast drei Jahren Corona-Pandemie ein weiteres Stück Normalität in den Alltag der Menschen zurück.

"Wir müssen die vulnerablen Gruppen weiter schützen, die Pandemie im Blick behalten, aber wir können im Alltag etwas mehr Eigenverantwortung wagen", sagte der Minister. Er appelliere weiter an die Bevölkerung, "in Innenräumen und auch in den Zügen freiwillig Maske zu tragen, wenn man sich und andere schützen möchte". Diese Entscheidung müssten Bürgerinnen und Bürger ab Anfang Februar aber eigenverantwortlich und freiwillig treffen.

Laut Infektionsschutzgesetz sollte die Maskenpflicht im Fernverkehr eigentlich bis zum 7. April andauern. Lauterbach kann diese Regelung per Rechtsverordnung aussetzen. Zuletzt hatten es immer mehr Stimmen für einen entsprechenden Schritt gegeben. Selbst die Deutsche Bahn, sonst eher zurückhaltend mit öffentlichen Forderungen an die Bundesregierung, hatte sich vor wenigen Tagen für ein baldiges Maskenende in den Fernzügen ausgesprochen.

Am Freitag äußerte sich Personenverkehrsvorstand Michael Peterson daher erfreut über Lauterbachs Ankündigung. "So vermeiden wir einen Flickenteppich mit unterschiedlichen Regeln innerhalb Deutschlands und zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern", schrieb er auf der Berufsplattform Linkedin. Gleichwohl sei es vielen Menschen weiterhin ein Bedürfnis, die Maske in den Zügen zu tragen. Es sei gut, dass hierbei nun die Freiwilligkeit gelte.

Mehrere Bundesländer - Bayern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein - haben die Maskenpflicht im Regionalverkehr bereits abgeschafft. In allen weiteren soll sie bis spätestens Anfang des kommenden Monats wegfallen. Damit müssen Fahrgäste ab Anfang Februar bundesweit in sämtlichen Verkehrsträgern keine Maske mehr tragen.

In mehreren EU-Nachbarländern gilt bereits jetzt im Fernverkehr keine Maskenpflicht mehr. Auch in Flugzeugen ist die Pflicht bereits aufgehoben. Es sei Fahrgästen nicht zu vermitteln, warum sie die Filter im Zug bis zur Grenze tragen müssten und plötzlich abnehmen könnten, sagte der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, vor wenigen Tagen.

Besonders lautstark hatte die FDP in den vergangenen Wochen das zügige Ende der Pflicht in Fernzügen und -bussen gefordert. Entsprechend positiv äußerten sich die FDP-Minister am Freitag zur Entscheidung des Gesundheitsministers. "Die Corona-Maßnahmen laufen aus und Selbstverantwortung auch beim Gesundheitsschutz kehrt zurück", betonte etwa Finanzminister Christian Lindner via Twitter. "Es ist den Menschen nicht vermittelbar, warum es Unterschiede geben soll zwischen ÖPNV und Fernverkehr oder dem Flugverkehr", ergänzte Verkehrsminister Volker Wissing.

Justizminister Marco Buschmann ging noch einen Schritt weiter und forderte eine rasche Aufhebung aller weiteren Corona-Schutzmaßnahmen. Angesichts der positiven Entwicklung der Pandemie in den vergangenen Wochen seien die diese täglich schwerer zu rechtfertigen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Meines Erachtens können auch die anderen Schutzmaßnahmen vor dem 7. April aufgehoben werden."

So weit ging Lauterbach am Freitag jedoch nicht. "Die Schutzmaßnahmen für medizinische und Pflegeeinrichtungen bleiben bestehen", betonte er. Vulnerable Gruppen müssten weiter geschützt werden. Zwar betonte der Minister die positive Pandemieentwicklung der vergangenen Wochen: der Rückgang bei Fallzahlen und Hospitalisierungen, die hohe Immunität in der Bevölkerung, keine Anzeichen auf eine größere Winterwelle.

Gleichwohl mahnte er zur Vorsicht bei Covid-19-Erkrankungen. "Die Erkrankung ist keine Krankheit wie jede andere Infektionskrankheit. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, was passiert, wenn man sich wiederholt infiziert hat", sagte er. Es gebe zudem ein Long-Covid-Risiko, das nicht unterschätzt werden dürfe.

Doch selbst bei Medizinern stieß das Ende der Maskenpflicht in Zügen am Freitag auf Zustimmung. "Weiterhin Unterschiede zu haben, wäre einfach nicht mehr vermittelbar", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, der "Rheinischen Post" am Freitag. Eigenverantwortlich könne jeder für sich entscheiden, ob er Maske tragen wolle. Gaß appellierte an die Menschen, bei Krankheitssymptomen Maske zu tragen oder am besten daheim zu bleiben. Auch die Hausärzte sind zufrieden mit der Entscheidung des Bundes. Der Schritt sei nachvollziehbar, sagte die Vizechefin des Deutschen Hausärzteverbands, Nicola Buhlinger-Göpfarth, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag).

Lauterbach machte erneut deutlich, dass er eine vorgegebene Isolation für Corona-Infizierte weiterhin für notwendig hält - auch mit Blick auf die Sicherheit am Arbeitsplatz. Die entsprechende Empfehlung dazu bleibe bestehen. Mehrere Bundesländer haben die Isolationspflicht bereits beendet. Doch bis die Zeichen der Pandemie vollständig aus dem öffentlichen Alltag verschwinden, dürfte es noch einige Zeit dauern.