ROUNDUP 3: Bilfinger kappt operative Gewinnprognose wegen US-Altlasten

dpa-AFX

(Neu: weitere Aussagen des Finanzvorstandes, Aktienreaktion)

MANNHEIM (dpa-AFX) - Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger hat wegen hoher Belastungen in den USA seine Prognose für das operative Ergebnis für 2017 gesenkt. Grund ist eine zusätzliche Vorsorge für Altfälle, erklärte Bilfinger am Dienstagabend. Da dem Konzern aber im Gegenzug Geld aus einem jahrelangen Rechtsstreit im Zusammenhang mit einem Autobahnprojekt in Katar zufließt, wird die Belastung insgesamt neutralisiert.

Die Aktie reagierte zu Handelsbeginn deutlich negativ und verlor mehr als 2 Prozent, erholte sich dann aber und notierte um die Mittagszeit mit 1,5 Prozent im Plus bei 34,93 Euro. Die Analysten von Kepler Cheuvreux hatten ihre Empfehlung für die Aktie trotz der Nachrichten mit "Halten" bestätigt und das Kursziel von 37 Euro bekräftigt. Die Zahlung aus Katar würde die Belastung insgesamt neutralisieren, hieß es.

Bilfinger hatte in den vergangenen Jahren wiederholt durch Gewinnwarnungen von sich reden gemacht und das Vertrauen der Anleger auf eine harte Probe gestellt.

BILFINGER-CHEF: KEINE WEITEREN FÄLLE

Die Belastungen stehen in Zusammenhang mit dem US-Montagespezialisten Westcon, den Bilfinger 2012 übernommen hatte. Die "Handvoll" Projekte, um die es geht, stammten aus den Jahren 2015 und 2016, sagte Blades, der die Bilfinger-Führung vor einem Jahr übernommen hatte. Verzögerungen hätten zu Kostenüberschreitungen geführt. Für die anstehenden Streitigkeiten, die zum Teil auch bald vor Gericht ausgetragen werden, habe Bilfinger nun Vorsorge getroffen. Ein Projekt, ein 100-Millionen-Euro-Auftrag für den Bau einer Methanolanlage in Texas, laufe noch. Die anderen seien bereits abgeschlossen.

"Wir sind sehr unzufrieden damit, wie Projekte früher angegangen worden sind", sagte Konzernchef Tom Blades in einer Telefonkonferenz am Mittwoch. Eine neue Risikosteuerung solle problematische Projekte künftig vermeiden. Er gehe nicht davon aus, auf weitere Problemfälle zu stoßen. Ganz ausschließen könne er dies jedoch nicht.

OPERATIV ROTE ZAHLEN IM ERSTEN HALBJAHR ERWARTET

Die Belastung aus den Altprojekten bezifferte Bilfinger auf rund 55 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita), bei dem bestimmte Effekte bereits herausgerechnet sind, werde im ersten Halbjahr deswegen nun deutlich negativ ausfallen. Im Gesamtjahr 2017 erwartet der Konzern nur noch ein ausgeglichenes operatives Resultat. Blades hatte zuvor für 2017 eine Verbesserung der Ebita-Marge um rund einen Prozentpunkt in Aussicht gestellt. 2016 lag die Kennzahl bei 0,4 Prozent und das operative Ergebnis bei 15 Millionen Euro.

Für das Konzernergebnis und die Liquidität sieht Bilfinger dank des positiven Ausgangs bei dem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit in der katarischen Hauptstadt Doha aber keine Belastungen. In Zusammengang mit diesem Alt-Projekt sei ein Betrag in Höhe von rund 60 Millionen Euro geflossen, der sich positiv auf das Ergebnis nicht fortzuführender Geschäftsbereiche auswirke.

EIGENTLICHES GESCHÄFT LÄUFT ERWARTUNGSGEMÄSS

Das zweite Quartal sei im eigentlichen Geschäft erwartungsgemäß verlaufen, sagte Blades. Der Auftragseingang sei im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben und die Leistung aus dem fortgeführten Geschäft nur leicht gefallen.

An den Prognosen für die Konzernleistung und den Auftragseingang im laufenden Jahr hielt der Vorstand nun auch fest. Die Leistung dürfte demzufolge im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sinken und der Auftragseingang aus dem fortgeführtem Geschäft wachsen.

VERKÄUFE VON VERLUSTBRINGERN KOMMEN VORAN

Voran kommt Bilfinger mit den geplanten Verkäufen verlustreicher Randbereiche, die vornehmlich aus der Kraftwerkssparte stammen. 13 "Problemkinder" hatte das Management ausgemacht. Davon seien mittlerweile fünf verkauft worden, wenn auch mit Verlust, sagte Finanzvorstand Klaus Patzak. Früheren Aussagen zufolge erwartet das Management aus den Verkäufen einen Fehlbetrag von zusammen rund 30 Millionen Euro. Patzak zeigte sich zuversichtlich, bis Jahresende beim Verkauf der restlichen Bereiche weitere Fortschritte zu machen. Verhandlungen dazu liefen. Was nicht verkauft werde, könne auch geschlossen werden.

Bilfinger befindet sich nach mehreren Chefwechseln und damit einhergehenden Strategieschwenks in den vergangenen Jahren weiterhin im Umbruch. Blades hatte Anfang des Jahres seine neue Strategie vorgestellt, mit der er den schwächelnden Konzern wieder in die Erfolgsspur zurückführen will. Dazu gehören die Konzentration auf zwei Geschäftsbereiche, Kosteneinsparungen und die Trennung von Randgeschäften.