ROUNDUP 2: Zalando gibt Sicherung der Profitabilität Vorrang - Aktie legt zu

(neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Analysten und Aktienkurs)

BERLIN (dpa-AFX) - Der Onlinemodehändler Zalando DE000ZAL1111 zeigt sich angesichts eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes mit einer hohen Inflation und einem mauen Konsumklima für das laufende Jahr etwas pessimistischer. Zwar bestätigte das Unternehmen am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal seine Prognose für das laufende Jahr. Zalando geht nun aber davon aus, das untere Ende der avisierten Spannen zu erreichen. Das Management gibt der Sicherung der Profitabilität den Vorrang.

"Das Konsumklima ist an einem neuen Tiefpunkt angekommen und die Inflation weiterhin hoch", kommentierte Finanzchefin Sandra Dembeck. Es sei unklar, wie sich die Verbraucherausgaben im vierten Quartal entwickeln würden. Traditionell ist das Schlussquartal mit seinen Aktionstagen und dem Weihnachtsgeschäft das stärkste bei Zalando. Der Onlinehändler hatte wegen der mauen Konsumstimmung bereits Ende Juni seine ursprünglichen Ziele deutlich zusammengestrichen.

Es gebe große Unsicherheit, wie groß die Kundennachfrage am Jahresende tatsächlich sei, sagte Dembeck in einer Telefonkonferenz. Zalando wolle sich im Weihnachtsgeschäft und auch bei Aktionstagen wie dem Black Friday gut präsentieren, um möglichst viel dieser Nachfrage einzusammeln. Allerdings befürchtet die Managerin wegen der insgesamt hohen Lagerbestände im Markt eine steigende Wettbewerbsintensität und einen hohen Rabattdruck. Hier gelte es für den Konzern, die eigene Profitabilität zu sichern.

Dies sei auch die Priorität für das kommende Jahr. Obwohl Co-Chef Robert Gentz für 2023 weiter von einer niedrigen Konsumnachfrage ausgeht, soll die Rentabilität Fortschritte machen. Erreicht werden soll dies etwa durch Effizienzgewinne, Kosteneinsparungen und das Zurückfahren beim Marketing.

An der Börse wurden diese Aussagen mit Erleichterung aufgenommen. Nachdem die im Dax notierte Aktie zunächst stark schwankte, setzte sich am späten Vormittag eine positive Tendenz durch. Das Papier legte um mehr als fünf Prozent zu und setzte sich an die Dax-Spitze - allerdings war die Aktie am Vortag mit einem Minus von sechs Prozent stark unter Druck geraten. Zudem beläuft sich der Verlust seit Jahresbeginn noch immer auf rund zwei Drittel, womit Zalando im Börsenjahr 2022 bisher der größte Dax-Verlierer ist.

Analyst Thomas Maul von der DZ Bank zeigte sich unterdessen von den pessimistischeren Aussagen zu den Jahreszielen wenig überrascht. Er verwies darauf, dass die Markterwartung für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) in diesem Jahr mit 184 Millionen Euro bereits am unteren Rand der vom Unternehmen in Aussicht gestellten Spanne liege. "Dass Zalando nur noch das jeweils untere Ende der bislang in Aussicht gestellten Zielspannen anstrebt, hatten wir und der Kapitalmarkt erwartet."

Das Bruttowarenvolumen soll 2022 am unteren Ende der Spanne von drei und sieben Prozent auf 14,8 bis 15,3 Milliarden Euro steigen, teilte Zalando weiter mit. Den Umsatz sieht das Unternehmen stagnieren oder im besten Fall um drei Prozent auf 10,7 Milliarden Euro steigen. Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) geht das Management ebenfalls davon aus, nur das untere Ende der in Aussicht gestellten Bandbreite von 180 bis 260 Millionen Euro zu erreichen.

Im dritten Quartal kehrte Zalando nach zwei mauen Vorquartalen wieder auf den Wachstumspfad zurück. Dabei nahm die Zahl der aktiven Kunden zu und knackte erstmals die Marke von 50 Millionen Euro. Dagegen blieb die Warenkorbgröße leicht hinter dem Vorjahr zurück. Der Umsatz stieg um knapp drei Prozent auf rund 2,35 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit verbesserte sich von 9,8 auf 13,5 Millionen Euro. Dabei hätte sich etwa die Einführung eines Mindestbestellwertes positiv ausgewirkt, hieß es. Unter dem Strich weitete der Konzern seinen Verlust allerdings deutlich aus - von 8,4 auf 35,4 Millionen Euro.