ROUNDUP 2: Wacker Chemie optimistischer trotz hoher Rohstoff- und Energiekosten

(neu: Details zur Gasversorgung und den Kosten in den Absätzen 4 bis 6, Stifel-Analyst im letzten Absatz, Schlusskurs)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Eine weiter hohe Nachfrage nach Silikonen und dem Solar- und Chipindustriegrundstoff Polysilizium stimmen Wacker Chemie <DE000WCH8881> für 2022 optimistischer. Obwohl die Unternehmensführung um Konzernchef Christian Hartel mit noch höheren Belastungen durch die stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise rechnet, hob sie den Ausblick an. Trotz erster Eckdaten zum zweiten Quartal im Juni und der Ankündigung einer Prognoseerhöhung habe Wacker noch besser abgeschnitten als am Markt erwartet, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank in einer ersten Einschätzung. Der Aktienkurs schnellte nach oben.

Die Papiere gewannen als Spitzenreiter im festen MDax <DE0008467416> zu Handelsschluss 10,34 Prozent auf 146,25 Euro. Anfang Juni war der Kurs noch bis auf gut 187 Euro gestiegen - den höchsten Stand seit 2008. Dann aber hatte die Sorge um einen möglichen Gasmangel in Deutschland wegen der reduzierten Lieferungen aus Russland die Papiere, wie den gesamten Sektor, bis auf rund 125 Euro nach unten gezogen.

Laut einer Mitteilung vom Donnerstag erwartet der MDax-Konzern im laufenden Jahr nun einen Umsatz zwischen 8,0 und 8,5 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis von 1,8 bis 2,3 Milliarden Euro. Bisher hatten rund 7,5 Milliarden Euro beziehungsweise bis zu 1,5 Milliarden Euro im Plan gestanden.

Dabei belasten höhere Preise für Energie und Rohstoffe die Ergebnisentwicklung voraussichtlich mit 1,5 Milliarden Euro, statt den bisher erwarteten 1,1 Milliarden, wie es weiter hieß. Wegen der Unsicherheiten bezüglich der künftigen Erdgas-Versorgung berücksichtigt Wacker zudem beim unteren Ende der Gewinnspanne eine Mehrbelastung von 200 bis 250 Millionen Euro, die bei den 1,5 Milliarden für höhere Energie- und Rohstoffpreise nicht enthalten ist.

Damit ist Wacker eines von aktuell noch wenigen Unternehmen in der Branche, dass die Folgen drohender Einschränkungen der Gasversorgung in Zahlen fasst. Ohne diese potenziellen Belastungen ist demnach 2022 ein operatives Ergebnis von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro möglich.

Dabei geht der Konzern auch davon aus, dass das Gas- und Dampfkraftwerk am größten Standort Burghausen auch im Notfall genug Gas für einen Weiterbetrieb erhalten wird. So wird das Kraftwerk als systemrelevant eingestuft, um das Stromnetz in der Region stabil zu halten. Zudem könne bei zu geringer Gaszufuhr die Stromproduktion gesenkt und die entsprechende Menge am Markt zugekauft werden. Dann stünde mehr Gas für die Erzeugung von Prozessdampf zur Verfügung, der kritisch für die Produktion ist. "Deswegen arbeiten wir auch an technischen Lösungen, um im Notfall kurzfristig Erdgas teilweise durch Heizöl ersetzen zu können", teilte das Unternehmen im Halbjahresbericht mit.

Im abgelaufenen zweiten Quartal profitierte Wacker von einer unverändert guten Nachfrage und Preissteigerungen. Vor allem im Geschäft mit dem Solar- und Chipindustriegrundstoff Polysilizium legten die Verkaufspreise auch dank des starken Wachstums der Solarindustrie sowie des weltweiten Mangels an Elektronikchips zu. Aber auch die Nachfrage nach Klebstoffen und industriellen Beschichtungen war hoch.

Der Umsatz stieg im zweiten Jahresviertel im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf fast 2,2 Milliarden Euro und das operative Ergebnis (Ebitda) verdoppelte sich nahezu auf knapp 626 Millionen Euro. Das ist jeweils noch ein Tick mehr, als das Unternehmen Mitte Juni in Aussicht gestellt hatte. Unter dem Strich blieben im abgelaufenen zweiten Quartal knapp 391 Millionen Euro hängen, nach 173 Millionen vor einem Jahr.

Damit ergibt sich nach dem ersten Halbjahr bereits ein operatives Ergebnis von 1,27 Milliarden Euro. Sollte es im dritten Quartal keine Verwerfungen geben und die Geschäfte normal laufen, könnte Wacker Chemie das untere Ende des Jahresgewinnausblicks also bereits im dritten Quartal erreichen, sagte Analyst Andreas Heine vom Investmenthaus Stifel. Das verdeutliche, wie vorsichtig die Unternehmensführung plane.

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