ROUNDUP 2: Verluste bei Hugo Boss durch Corona-Krise - Keine Staatshilfe

(neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs.)

METZINGEN (dpa-AFX) - Der Modekonzern Hugo Boss <DE000A1PHFF7> ist wegen der Corona-Pandemie im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Wegen der weitgehenden Schließung seiner Geschäfte brach dem Unternehmen der Umsatz weg, wie der auf Herrenanzüge spezialisierte Edelschneider am Dienstag in Metzingen mitteilte. Der Konzern will nun mit Einsparungen gegenhalten, Investitionen werden aufgeschoben, die Produktion zurückgefahren. Erste Verbesserungen im Einzelhandelsumfeld erwartet das Unternehmen jedoch erst ab dem dritten Quartal. Staatshilfe will Hugo Boss nicht.

Die Aktie verlor am Vormittag fast 6 Prozent, nachdem sie noch mit Gewinnen in den Handel gestartet war. Anleger nahmen dabei stärker die Risiken in den Blick. Das erste Quartal des Modekonzerns sei schwach ausgefallen und die Indikation für das zweite Jahresviertel noch trüber, schrieb Analyst Volker Bosse von der Baader Bank. Es gebe mehrere Probleme. Zum einen die Corona-Krise, aber zugleich fehle es dem Online-Geschäft an kritischer Masse. Zudem sinke die weltweite Nachfrage nach Anzügen, da der Kleidungsstil mehr "casual" werde.

Konzernchef Mark Langer glaubt hingegen nicht, dass Anzüge aufs Abstellgleis geraten sind. Zwar sei sportive Kleidung stärker gefragt gewesen, sagte er in einer Telefonkonferenz zu den Zahlen. "Wir verneinen, dass der Anzug ausgedient hat."

"Die Covid-19-Pandemie ist auch für unser Unternehmen eine beispiellose Ausnahmesituation", so Langer, der das Unternehmen Ende 2020 verlassen wird. So sanken die Umsätze in den Monaten Januar bis März im Vorjahresvergleich um 16 Prozent auf 555 Millionen Euro. Im Online-Geschäft konnte Hugo Boss dagegen deutlich zulegen: Hier nahmen die Umsätze um währungsbereinigt fast 40 Prozent zu. Neben den eigenen Kanälen verkauft Hugo Boss auch über Plattformen wie Zalando seine Waren. Allerdings machen die Internetumsätze derzeit nur einen Bruchteil des Umsatzes aus. Derzeit betragen sie rund 11 Prozent der Gesamterlöse. Hugo Boss will den Kanal weiter ausbauen.

Unter dem Strich ergab sich im Quartal ein Verlust von 18 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Boss noch 37 Millionen Euro verdient. Den Ausblick hat das Unternehmen bereits zurückgezogen, eine neue Prognose gab es noch nicht. Jedoch rechnet der Modekonzern im zweiten Quartal wegen der Schließungen in Europa und Amerika nochmals mit einer deutlichen Verschlechterung im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres. So dürften die währungsbereinigten Umsätze um mindestens 50 Prozent sinken. Europa und Amerika machen derzeit rund 85 Prozent des Konzernumsatzes aus.

In Europa und Amerika seien die Geschäfte infolge der Pandemie und der anhaltenden Schließungen weiter "erheblich beeinträchtigt", so Hugo Boss. Zwar sind in Deutschland auch wieder die ersten Geschäfte geöffnet. "Die Besucherzahlen in den Innenstädten und den Einkaufszentren sind noch sehr niedrig", sagte Langer.

Dagegen sieht das Unternehmen auf dem chinesischen Festland eine "fortschreitende Entspannung". Dort sind den Angaben zufolge seit Ende März sämtliche eigenen Geschäfte wieder geöffnet, wenn auch zum Teil mit beschränkten Öffnungszeiten. Die im April erzielten Umsätze hätten dort nur noch etwa 15 bis 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Hugo Boss geht nun davon aus, dass sich das Konsumverhalten und die Kundenfrequenz in dem für das Unternehmen wichtigen Markt weiter sukzessive verbessern werden.

Finanziell sieht sich das Unternehmen gut gerüstet. Hugo Boss verfüge über eine gesunde Bilanzstruktur, hieß es. Das Unternehmen habe zudem umfangreiche Maßnahmen in einer Größenordnung von etwa 600 Millionen Euro zur Sicherung des freien Mittelzuflusses eingeleitet. So sollen in diesem Jahr zusätzlich mindestens 150 Millionen Euro eingespart werden. Die Personalkosten sollen durch Arbeitszeitverringerung für einen Großteil der Mitarbeiter gesenkt werden. Das Kurzarbeitergeld stocke Hugo Boss auf mindestens 80 Prozent auf, hieß es. Die Regelung gelte zunächst bis Ende Mai. Zudem verzichte der Vorstand für April und Mai auf 40 Prozent seiner Grundvergütung.

Über einen möglichen Stellenabbau nachzudenken, sei noch zu früh, so Langer. Er wollte dies jedoch nicht ausschließen, sollte sich das Geschäft nicht so erholen wie derzeit erhofft.

Auch Vertriebs- und Marketingkosten sollen gekürzt werden. Zudem würden Mietsenkungen für die Läden angestrebt. Die geplanten Investitionen von 150 Millionen Euro sollen um ein Drittel gesenkt werden. Wie bereits bekannt, will Hugo Boss zudem die Dividende bis auf die gesetzliche Mindestausschüttung von vier Cent je Aktie aussetzen. Durch die Kürzung spart Hugo Boss dem Konzernchef zufolge rund 190 Millionen Euro.

Ende März verfügte der Konzern über liquide Mittel von 102 Millionen Euro. Dazu kommen Kreditlinien über 450 Millionen Euro, wovon Hugo Boss bereits 122 Millionen Euro in Anspruch genommen hat. Staatshilfe ist dabei kein Thema. "Wir haben keine Staatshilfe beantragt und wir haben das auch nicht vor", so Langer.