ROUNDUP 2: United Internet mit Wachstum bei Verträgen - Verkaufsfantasie stützt

(Neu: Spekulationen um Verkauf von Segment rund um Privatkundendienste.)

MONTABAUR (dpa-AFX) - Trotz Gegenwinds durch neue Kündigungsrechte hat der Internetkonzern United Internet <DE0005089031> im ersten Halbjahr deutlich mehr Kundenverträge abgeschlossen. Nach Abzug von Kündigungen stieg die Zahl um 290 000 auf knapp 27 Millionen kostenpflichtige Verträge, wie das im MDax <DE0008467416> notierte Unternehmen am Donnerstag in Montabaur mitteilte. Auch Umsatz und operativer Gewinn entwickelten sich so wie von Analysten erwartet. Dennoch ging es für die Aktien von United Internet und der Tochter 1&1 am Vormittag bergab, bevor neue Nachrichten zu einem möglichen Verkauf die Aktie stützten.

Die Papiere des Konzerns gaben zunächst als größter Verlierer im MDax am Vormittag rund 3 Prozent nach. Mit 24,75 Euro erreichte die Aktie ein neues Tief seit dem Jahreswechsel. Auch Aktien von 1&1 notierten mit 16,24 Euro so niedrig wie noch nie im laufenden Jahr. Das entsprach einem Minus von rund 2,2 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn summierten sich die Verluste bei 1&1 auf rund 32 Prozent, bei United Internet waren es etwa 29 Prozent. Am frühen Nachmittag drehten beide dann leicht ins Plus.

So berichtete das "Handelsblatt" über potenzielle Verkaufsfantasien für das Privatkundensegment. Bei einem Deal dürfte die Sparte, die auch die E-Mail-Portale wie gmx.de und web.de umfasst, rund um Cloud-Speicher oder Homepage-Lösungen mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet werden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Eine Sprecherin war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Demnach seien sowohl Minderheits- als auch eine Mehrheitsbeteiligung an dem Segment denkbar, sofern sich United Internet denn wirklich für einen Verkauf entscheidet. Dies sei noch nicht entschieden, schreibt das Blatt. Sollte es zu einem Deal kommen, dann dürfte Konzernchef Ralph Dommermuth das frische Geld vor allem für den Aufbau des 5G-Netzes bei der Tochter 1&1 <DE0005545503> nutzen. Im Sommer 2023 soll es für die ersten Handy-Kunden freigeschaltet werden.

An den Zahlen hingegen gab es sowohl unternehmensseitig als auch aus Sicht von Analysten wenig zu beklagen. Experte Andrew Lee von der US-Bank Goldman Sachs etwa lobte die starke Entwicklung bei 1&1 sowie dem Geschäftskundensegment bei United Internet. Tatsächlich belasteten die neuen gesetzlichen Kündigungsregeln die Kundenentwicklung bei der Tochter. So war die Zahl der Breitband-Anschlüsse deutlich rückläufig. Automatisch verlängerte Verträge können mittlerweile nach Ablauf der Mindestlaufzeit bereits nach einem Monat und nicht erst nach einem Jahr aufgekündigt werden. Noch gravierender sieht es beim Wettbewerber Vodafone <GB00BH4HKS39> aus, dessen Kundenentwicklung seither deutlich ins Straucheln gekommen ist.

Anders dagegen sah es bei den Privat- und Geschäftskundensegmenten rund um Webhosting-Dienste des Konzerns aus, zu denen etwa Cloud-Speicher, Homepage-Angebote oder die Sicherung von Domains zählen. In beiden Bereichen konnte United Internet zulegen.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz bei United Internet unterdessen um 4,5 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, während das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 3,5 Prozent auf 655 Millionen Euro zulegte. Umsatz und operativer Gewinn fielen damit in etwa so aus, wie es Experten erwartet hatten. Bei der im SDax <DE0009653386> notierten Tochter 1&1 <DE0005545503> stieg der werthaltigere Service-Umsatz um 2,6 Prozent im ersten Halbjahr auf rund 1,58 Milliarden Euro, während der Betriebsgewinn um fast ein Zehntel auf 368 Millionen Euro zunahm.

Unter dem Strich verdiente United Internet im ersten Halbjahr mit rund 252 Millionen Euro rund 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei der Tochter 1&1 sank der Nettogewinn um vier Prozent auf knapp 200 Millionen Euro.

United Internet und 1&1 bestätigten ihre Jahresziele. So soll der Konzernumsatz um rund 3,6 Prozent auf etwa 5,85 Milliarden Euro steigen. Davon sollen rund 1,26 Milliarden Euro als bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) übrig bleiben - also so viel wie auch im Vorjahr. Bei der Tochter soll der Service-Erlös um circa 100 Millionen auf 3,2 Milliarden Euro steigen, was etwa einem Zuwachs von 3,2 Prozent entspräche. Auch bei 1&1 soll das bereinigte Betriebsergebnis stabil bleiben.

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