ROUNDUP 2: Thyssenkrupp setzt operative Erholung fort

dpa-AFX

(Neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs, Analysten)

ESSEN (dpa-AFX) - Der Industriegüterkonzern Thyssenkrupp hat im dritten Geschäftsquartal seinen Erholungskurs fortgesetzt. Auftragseingang, Umsatz und das bereinigte operative Ergebnis wuchsen im zweistelligen Prozentbereich, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Dabei profitierte Thyssenkrupp von guten Geschäften mit Komponenten und Aufzügen sowie von einer Erholung der Stahlpreise.

Die Aktie zeigte sich nach der Veröffentlichung der Zahlen zunächst deutlich im Plus, gab Gewinne aber im Handelsverlauf wieder ab. Gegen Mittag betrug das Kursplus noch knapp 0,6 Prozent auf 25,70 Euro. Die Zahlen seien etwas besser als erwartet ausgefallen, kommentierte Berenberg-Analyst Alessandro Abate. Analyst Ingo-Martin Schachel von der Commerzbank lobte die Ergebniserholung im Stahlbereich und der Aufzugsparte.

Was den Analysten jedoch fehlte, waren neue Aussagen zu den Gesprächen Thyssenkrupps mit der indischen Tata Steel über die Zusammenlegung ihres europäischen Stahlgeschäfts. Hier lässt sich der Dax-Konzern weiterhin nicht in die Karten schauen. Im bisherigen Jahresverlauf gehören die Thyssenkrupp-Papiere mit einem Anstieg um 13,5 Prozent zum vorderen Drittel im deutschen Leitindex, der in diesem Zeitraum lediglich um etwa 5 Prozent gestiegen ist. Das Kursplus des Essener Industriekonzerns resultiert dabei auch aus den anhaltenden Tata-Spekulationen.

ZUKUNFT DER STAHLSPARTE WEITER OFFEN

Thyssenkrupp prüft weiterhin mehrere Optionen für sein europäisches Stahlgeschäft. Die Verhandlungen mit Tata dauern dabei an. "Wir sprechen unter anderem weiter mit Tata über ein Stahl-Joint-Venture", sagte Finanzvorstand Guido Kerkhoff in einer Telefonkonferenz. Über den Zeitrahmen wollte er sich nicht äußern. "Qualität geht vor Zeit." Natürlich wäre ihm "schneller lieber", so der Finanzvorstand. Ob es noch in diesem Geschäftsjahr, das bis 30. September läuft, eine Einigung geben wird, wollte Kerkhoff "weder bestätigen noch dementieren".

Angesichts der anhaltenden Überkapazitäten hält der Konzern eine Konsolidierung für erforderlich. Die Gewerkschaft sträubt sich jedoch gegen einen Zusammenschluss mit Tata Steel und hat dies immer wieder deutlich gemacht. Sie fürchtet Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste. Kerkhoff glaubt dabei an einen "konstruktiven Dialog" mit den Arbeitnehmervertretern. Wegen des starken Widerstands könnte der Dax-Konzern jüngsten Spekulationen zufolge als Alternative auch eine radikale Aufspaltung erwägen. Kerkhoff wollte sich dazu nicht äußern.

OPERATIVER GEWINN STEIGT - PROGNOSE BEKRÄFTIGT

Abseits der Diskussionen um das Stahlgeschäft konnte Thyssenkrupp im dritten Quartal operativ punkten. Der Umsatz stieg im Ende Juni beendeten Jahresviertel um 11 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) legte um 41 Prozent auf 620 Millionen Euro zu. Mit 120 Millionen Euro verdiente Thyssenkrupp unter dem Strich 10 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Nach neun Monaten stand hier immer noch ein Verlust von 751 Millionen Euro im Zusammenhang mit Abschreibungen auf das mittlerweile verkaufte brasilianische Stahlwerk.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende September) bekräftigte der Konzern. Das bereinigte Ebit sieht das Unternehmen bei 1,8 Milliarden Euro, nach knapp 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Das fortgeführte Geschäft soll dabei ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro erzielen. Unter dem Strich rechnet Thyssenkrupp wegen der Brasilien-Abschreibungen mit einem deutlichen Verlust, nach einem Plus von 261 Millionen Euro im Vorjahr. Darum bereinigt soll der Jahresüberschuss im Vergleich zum Vorjahr signifikant steigen. Der Verkauf des brasilianischen Werks soll im vierten Quartal abgeschlossen werden.

AUFTRAGSBÜCHER VOLL

Thyssenkrupp kann sich für seine Ziele auf volle Auftragsbücher stützen. In den ersten neun Monaten erhielt der Konzern Aufträge über 32,8 Milliarden Euro, 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Neue Höchstwerte erzielte dabei das Komponenten- sowie das Aufzugsgeschäft. Das zuletzt schwächelnde Geschäft mit Industrielösungen habe zudem die Trendwende geschafft, erklärte Thyssenkrupp. Hier konnte der Konzern den Ordereingang im dritten Quartal nahezu verdoppeln.

Alle Sparten trugen im Quartal zum Umsatzwachstum bei. Mit Ausnahme des Geschäfts für Industrielösungen konnten alle Bereiche auch höhere operative Ergebnisse erzielen. Das europäische Stahlgeschäft profitierte dabei von einer deutlichen Erholung der Preise. "Wir haben das erforderliche Mindestniveau zur Deckung der Kapitalkosten erreicht", sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Die starken Schwankungen im Quartal zeigten jedoch, dass es richtig sei, sich auf den Ausbau des Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfts zu konzentrieren.