ROUNDUP 2/Scheidender HSBC-Chef erntet Früchte des Umbaus: Erträge ziehen an

dpa-AFX

(Neu: Kursentwicklung im siebten Absatz)

LONDON (dpa-AFX) - Bei der britischen Großbank HSBC zahlt sich der harte Umbau unter dem bald aus dem Amt scheidenden Chef Stuart Gulliver aus. Dank eines florierenden Asien-Geschäfts und einer hohen Kreditnachfrage konnte die Bank zwischen Juli und September das dritte Quartal in Folge die Erträge steigern, wie die am Montag veröffentlichten Geschäftszahlen zeigten - und das trotz widriger Umstände an den Kapitalmärkten.

Damit deutet sich ein versöhnliches Ende der turbulenten Ära Gullivers an, der unter anderem mit den Sünden der Vergangenheit wie Geldwäsche oder der Finanzierung von Terror, die er zum Teil als Chef der Investmentbank Ende des vergangenen Jahrzehnts selbst mitzuverantworten hatte, kämpfen musste.

Gulliver, der seit Anfang der 1980er bei der HSBC ist und seit 2011 an der Spitze steht, geriet zudem wegen seines hohen Gehalts und zum Teil über eine Firma in Panama gezahlte Boni in die Kritik - doch der 58-Jährige hielt allem Druck stand und richtete wie kaum ein anderer Manager einer Großbank sein Haus für das neue Branchenumfeld aus. Er strich Zehntausende Stellen, zog sich aus zig Ländern zurück und forcierte das Geschäft in Asien, wo die Bank, deren voller Name Hongkong and Shanghai Banking Corporation lautet, schon aus historischen Gründen immer stark war.

Jetzt geht er mit steigenden Erträgen und hohen Milliardengewinnen. Die Bilanz seiner Amtszeit lässt sich auch am Aktienmarkt gut ablesen: Dort steht die Bank so gut da wie kaum ein anderes großes europäisches Haus. Seit Anfang 2011 zog der Aktienkurs um rund 15 Prozent an - und das, obwohl er nach dem Brexit-Votum zwischenzeitlich stark abgestürzt war. Doch diese Delle ist unter anderem dank der hervorragenden Kapitalausstattung, die sogar einen milliardenschweren Aktienrückkauf erlaubt, längst vergessen.

Mit einem Börsenwert von aktuell umgerechnet 166 Milliarden Euro ist die HSBC die mit Abstand wertvollste Bank Europas - Konkurrenten wie der Londoner Rivale Barclays oder die Deutsche Bank können da bei weitem nicht mithalten: Sie kommen gerade mal auf 36 beziehungsweise 29 Milliarden Euro. Zum Amtsantritt Gullivers hatte die HSBC auch schon einen Vorsprung - dieser war aber bei weitem nicht so groß.

Dieser Abstand zeigt sich auch im Gewinn. Während zum Beispiel die Deutsche Bank im dritten Quartal gerade mal 647 Millionen Euro verdiente und mit sinkenden Erträgen kämpfte, konnte die HSBC das Geschäft ausbauen und der den Aktionären zuzurechnende Überschuss betrug knapp 3,0 US-Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro). Die um Sondereffekte bereinigten Erträge sind im dritten Quartal um 2 Prozent auf 13 Milliarden Dollar gestiegen. Der bereinigte Gewinn vor Steuern ging wegen gestiegener Kosten dagegen leicht auf 5,4 Milliarden Dollar zurück.

Bei beiden Werten schnitt die Bank etwas besser ab als Experten erwartet hatten. An der Börse reichte das aber nicht, um der Aktie weiteren Schub zu verleihen - im Gegenteil: Mit einem Abschlag von 1,6 Prozent war das Papier der größte Verlierer unter den europäischen Banken. Einigen Investoren stießen vor allem die gestiegenen Kosten sauer auf.

Die HSBC gehört weltweit zu den größten Banken und hat nach eigenen Angaben rund 38 Millionen Kunden und ist in 67 Ländern, darunter auch Deutschland, vertreten. Trotz des massiven Stellenabbaus beschäftigt die Bank derzeit rund 233 000 Mitarbeiter - Ende 2010 waren es noch 307 000. Im Februar 2018 übergibt Gulliver das Steuerrad an John Flint, der ebenfalls schon lange in der Bank ist und das Geschäft mit Privatkunden und der Vermögensverwaltung leitet.