ROUNDUP 2: Munich Re will nach Hurrikan-Serie zurück aufs alte Gewinnniveau

dpa-AFX

(neu: Aussagen zu Gewinn 2018, Aktienrückkauf, Schäden durch Waldbrände in Kalifornien und Sturmtief "Friederike", Aktienkurs)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re will nach dem Katastrophenjahr 2017 schnell zurück zu den Milliardengewinnen der Vergangenheit. Finanzvorstand Jörg Schneider rechnet für 2018 mit einem "Gewinn in der Höhe, an die wir uns zuvor gewöhnt hatten". Das könnten 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro sein oder etwas mehr, sagte er am Dienstag in München. Hoffnung macht ihm nach der Hurrikan-Serie von 2017 ein Preisanstieg im Schaden- und Unfallgeschäft. Die Aktionäre versucht der Vorstand trotz des jüngsten Gewinneinbruchs mit einer unverändert hohen Dividende bei der Stange zu halten.

Der Munich-Re-Aktie half dies nicht. Sie verlor im Abwärtssog des Dax zeitweise mehr als sechs Prozent an Wert. Mit 178,45 Euro erreichte sie den tiefsten Stand seit September, als sich die Hurrikan-Schäden abgezeichnet hatten. Auch nach einer allgemeinen Kurserholung blieb die Aktie mit einem Minus von zuletzt 5,24 Prozent Schlusslicht im Dax.

Das Katastrophenjahr 2017 traf den Rückversicherer noch schwerer als gedacht. Unter dem Strich verdiente der Konzern gerade noch 375 Millionen Euro - nach knapp 2,6 Milliarden ein Jahr zuvor. Vorstandschef Joachim Wenning, der die Konzernführung 2017 von Nikolaus von Bomhard übernommen hatte, hatte das einstige Gewinnziel von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro bereits nach den Hurrikanen "Harvey", "Irma" und "Maria" gestrichen und nur noch einen kleinen Profit in Aussicht gestellt.

Dennoch hat die Munich Re für ihre Aktionäre weiterhin Geld im Überfluss. Sie sollen für 2017 eine Dividende von 8,60 Euro je Aktie erhalten - genauso viel wie im Vorjahr. Damit schüttet der Konzern über eine Milliarde Euro aus und damit weitaus mehr, als er nach internationaler Rechnungslegung verdient hat. Analysten hatten sogar mit einer steigenden Ausschüttung gerechnet. Schneider hält es allerdings für denkbar, dass die Munich Re im März einen weiteren Aktienrückkauf bekanntgibt. Der Konzern steckt seit Jahren Milliardensummen in den Rückkauf eigener Aktien.

Eine offizielle Gewinnprognose für 2018 will der Vorstand zwar erst bei der Bilanzvorlage am 15. März abgeben. Schneiders Aussage zum Gewinnniveau passt allerdings zu den Erwartungen von Analysten. Sie gehen für 2018 bisher von rund 2,5 Milliarden Euro Überschuss aus. Sturmtief "Friederike", das im Januar allein in Deutschland nach bisherigen Schätzungen versicherte Schäden von einer Milliarde Euro angerichtet hat, dürfte die Munich Re laut Schneider weniger als 100 Millionen Euro kosten.

Hingegen machten die Hurrikane in den USA und der Karibik, aber auch zwei Erdbeben in Mexiko 2017 für die Versicherungsbranche zum teuersten Jahr der Geschichte. Naturkatastrophen kosteten die Versicherer der Munich Re zufolge weltweit rund 135 Milliarden Dollar. Der Münchner Konzern musste für die Sturmfolgen mit 2,7 Milliarden Euro geradestehen.

Dass es für die Münchner am Ende noch schlechter lief als von Analysten erwartet, lag an den Waldbränden in Kalifornien. Diese kosteten den Konzern Schneider zufolge im vierten Quartal fast eine halbe Milliarde Euro. Im Gesamtjahr reichten die Prämien in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung nicht aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. So lag die kombinierte Schaden-Kosten-Quote in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung mit 114,1 Prozent deutlich über der kritischen 100-Prozent-Marke.

Optimistisch stimmt den Vorstand eine Wende in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung. Nach einem jahrelangen Preisverfall zog das Prämienniveau zum Jahreswechsel um 0,8 Prozent an. Experten hatten jedoch mit einem stärkeren Anstieg gerechnet. Dass die Preise nicht stärker zulegten, erklärte der Vorstand mit einem harten Wettbewerb. Dennoch baute die Munich Re ihr Geschäftsvolumen in diesem Zuge um 19 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro aus.

Für die kommenden Vertragserneuerungen mit Erstversicherern wie Allianz oder Axa erwartet Schneider einen stärkeren Preisanstieg. Die Erneuerungsrunde zum 1. Januar ist zwar die größte und wichtigste im Jahr, allerdings gibt es bei den weiteren Runden andere regionale Schwerpunkte. Zum 1. April werden Verträge vor allem in Japan erneuert, zum 1. Juli in den USA sowie in Australien und Lateinamerika. Im Katastrophengeschäft ziehen die Preise üblicherweise vor allem in den von Schäden betroffenen Regionen an.

Im abgelaufenen Jahr konnte die Munich Re ihre Prämieneinnahmen konzernweit um ein halbes Prozent auf 49,1 Milliarden Euro steigern. Die Erstversicherungstochter Ergo, die in einem mehrjährigen Umbau steckt, verdiente dank einer Steuergutschrift 273 Millionen Euro und übertraf damit das Ziel von 200 bis 250 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte sie wegen Abfindungen im Zuge des Stellenabbaus nur 41 Millionen Euro verdient. Ab 2021 soll Ergo pro Jahr rund 600 Millionen Euro Gewinn abwerfen.