ROUNDUP 2: Linde erhöht nach starkem Auftaktquartal Gewinnziel für 2022

(neu: mehr Details zum Russland-Geschäft, Analysten und Aktienkurs)

DANBURY/PULLACH (dpa-AFX) - Der weltweit größte Industriegas-Konzern Linde <IE00BZ12WP82> legt nach einem Gewinnplus im Auftaktquartal die Latte für den Jahresgewinn höher. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie soll 2022 auf 11,65 bis 11,90 US-Dollar zulegen, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Woking bei London mitteilte. Das sei ein Anstieg im Jahresvergleich um bis zu elf Prozent. Zuletzt war Linde von einem bereinigten EPS von 11,55 bis 11,85 Dollar ausgegangen, nach erreichten 10,69 Dollar (10,16 Euro) 2021. Die Aktie schwankte im Handelsverlauf zwischen knappen Gewinnen und Verlusten. Sie gehörte damit zuletzt zum Feld der wenigen Verlierer im Leitindex Dax <DE0008469008>.

Die Prognose schließe den Ergebnisbeitrag aus Russland in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 aus, hieß es. Denn das Unternehmen werde seine russischen Aktivitäten weiter zurückfahren und die Anlagenbau-Projekte abwickeln, die von den Sanktionen betroffen seien. Ende März habe Linde Verträge für Anlagenbau-Projekte in Russland von rund zwei Milliarden Dollar in den Büchern gehabt. Von den Sanktionen seien im ersten Quartal bereits Projekte in einem Volumen von rund 350 Millionen Dollar betroffen oder voraussichtlich betroffen.

Wegen des Kriegs in der Ukraine hat Linde bereits das Neugeschäft in Russland gestoppt. Zudem will sich der Konzern in dem Land von Industrieanlagen trennen und bestimmte Kunden nicht mehr beliefern. Allerdings sollen lebenswichtige medizinische und andere sicherheitskritische Gase weiter geliefert werden. Das russische Gas-Geschäft steuerte 2021 rund ein Prozent zum Gas-Konzernumsatz bei. Auch die Anlagen und Vermögenswerte in Russland machten ein Prozent des Gesamtvermögens von Linde aus. Bei weiteren Sanktionen befürchtet Linde auch Wertminderungen und andere Belastungen. Die Umsätze und Vermögenswerte in der Ukraine bezeichnete der Konzern hingegen als unwesentlich.

Im zweiten Quartal soll der bereinigte Gewinn je Aktie auf 2,90 bis 3,00 Dollar zulegen. Das wären bis zu elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im ersten Quartal erhöhte sich der bereinigte Gewinn je Aktie im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 2,93 Dollar. Das war deutlich mehr als von Experten erwartet. Der Umsatz kletterte dank höherer Preise und Volumen um 13 Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Dollar nach 979 Millionen im Vorjahr.

Sowohl Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect als auch DZ-Bank-Analyst Peter Spengler sprachen von einem guten Start des Dax-Konzerns ins neue Jahr. Beide lobten auch die hohe Qualität und das starke operative Geschäft des Unternehmens. Darüber hinaus sei Linde im Zukunftsmarkt Wasserstoff bereits hervorragend positioniert und investiere zunehmend auch in grüne Wasserstoff-Aktivitäten, hob Spengler hervor.

Die verhaltene Reaktion der Aktionäre begründete Lipkow in erster Linie damit, dass Linde in den zuletzt stürmischen Zeiten an der Börse ein Fels in der Brandung gewesen sei. Während es seit Ende März im deutschen Leitindex überwiegend abwärts gegangen war, hatten sich die Linde-Aktien stabil gehalten und zuletzt sogar weiter zugelegt. Im bisherigen Jahresverlauf gehören die Papiere mit einem Minus von aktuell rund fünf Prozent immer noch zu dem Viertel aller Dax-Mitglieder, das sich am besten entwickelt hat. Der deutsche Leitindex verlor im selben Zeitraum rund zwölf Prozent.

Linde ist seit der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair 2018 der weltgrößte Anbieter von Industriegas. Der Konkurrent des französischen Konzerns Air Liquide <FR0000120073> beliefert die Auto-, Öl-, Chemie- und Metallindustrie genauso wie Lebensmittelhersteller und Krankenhäuser. Den Löwenanteil der Umsätze und Gewinne erwirtschaftet Linde in der Region Amerika, rund 25 Prozent der Erlöse kommen aus Europa und rund 20 Prozent aus Asien.

Seit dem 1. März hat Linde mit Sanjiv Lamba einen neuen Vorstandschef. Der Manager, der bereits vor der Fusion mit Praxair bei Linde im Vorstand saß, leitete zuvor das operative Geschäft des fusionierten Konzerns. Steve Angel wechselte in den Verwaltungsrat und löste dort Wolfgang Reitzle als Chefaufseher ab.

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