ROUNDUP 2: Leoni wird optimistischer nach erneut tiefroten Zahlen - Aktie steigt

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(neu: Aussagen von Konzernchef aus Telefonkonferenz, Analysten, Kurs)

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Der angeschlagene Kabel- und Bordnetzspezialist Leoni <DE0005408884> blickt nach einem von der Corona-Krise gebeutelten Jahr zuversichtlich nach vorne. Unternehmenschef Aldo Kamper sieht den Zulieferer auf einem guten Weg. "Wir werden weiter unsere Hausaufgaben machen, um Leoni Schritt für Schritt zurück auf Kurs zu bringen", betonte der Manager am Mittwoch. Trotz "eines ausgesprochen schwierigen Umfelds" sei es 2020 gelungen, die Geschäftsentwicklung zu stabilisieren und wichtige Fortschritte beim Spar- und Umbauprogramm zu machen. "Damit haben wir den Grundstein für die nachhaltige Gesundung in den kommenden Jahren gelegt", sagte Kamper, dessen Vertrag erst kürzlich bis Ende 2026 verlängert worden war.

Für 2021 rechnet der Autozulieferer aus Franken mit einer Erholung der Nachfrage sowie einem Anstieg des Umsatzes im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Auch das um Sondereffekte und Umbaukosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) soll sich deutlich verbessern. In einer Telefonkonferenz räumte Kamper aber ein, dass Leoni ein positives Ergebnis 2021 voraussichtlich noch nicht schaffen dürfte.

Die Prognose stehe zudem unter der Voraussetzung, dass die Pandemiefolgen im Jahresverlauf überwunden würden und es zu keinen wesentlichen negativen Auswirkungen durch Corona komme. "Covid-19 wird unsere Performance weiter belasten", sagte Kamper. 2020 sei ein kritisches Jahr "in einem äußerst schwierigen Umfeld" gewesen. Dennoch zeigten sich bereits jetzt deutlich positive Effekte des Umbau- und Effizienzprogramms.

Am Kapitalmarkt wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die Leoni-Aktie legte im Nachmittagshandel um 6,8 Prozent zu, nachdem sie zur Mittagszeit sogar rund 13 Prozent im Plus gelegen hatte. Im laufenden Jahr hat sich der Wert der Papiere damit mehr als verdoppelt.

Der angepeilte Anstieg des Umsatzes erscheine erreichbar, sagte ein Experte. Gleiches gelte für die agestrebte Ergebnisverbesserung. Commerzbank-Analystin Yasmin Steilen verwies unterdessen darauf, dass der operative Verlust des Autozulieferers nicht so hoch ausgefallen sei, wie von ihr und vom Marktkonsens erwartet. Auch 2021 werde von einem Barmittelverlust geprägt sein.

Im vergangenen Jahr bekam Leoni die Pandemie trotz einer deutlichen Erholung im Schlussquartal zu spüren. Während der Umsatz um rund 15 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro absackte, schrieb der Konzern operativ einen weiteren Verlust. Das bereinigte Ebit lag bei minus 59 Millionen Euro und fiel damit zumindest etwas besser aus als ein Jahr zuvor, als ein Minus von 66 Millionen zu Buche stand.

Zwar schrieb Leoni auch unter dem Strich erneut tiefrote Zahlen, konnte den Fehlbetrag aber um rund ein Viertel auf 330 Millionen Euro verringern. Hier machten sich unter anderem der laufende Konzernumbau und Einsparungen bemerkbar. Allerdings belasteten auch hohe Wertberichtigungen und Verlustrückstellungen sowie Kosten zur geplanten Trennung von der Kabelsparte.

Der Konzern will sich bekanntlich von der kleineren Draht- und Kabelsparte (WCS) trennen und sich künftig auf die zwar größere, zuletzt aber klar defizitäre Bordnetzsparte konzentrieren. Hier erwartet Leoni perspektivisch mehr Rendite.

Die Trennung von Teilbereichen der Kabelsparte schreite voran, hieß es nun. Derzeit werde vor allem ein Teilverkauf verfolgt, "da potenzielle Investoren wegen der vielfältigen Kompetenzen und Kunden der verschiedenen WCS-Einheiten mehr Interesse für einzelne Teilbereiche zeigen". Eine erste Einheit wurde mit der Leoni Schweiz AG im Februar verkauft. Aus Kampers Sicht ist der Markt mittlerweile wieder aufnahmefähiger für Transaktionen. "Wir werden es dennoch nicht überstürzen." Wegen der Pandemie war der Verkauf zwischenzeitlich auf Eis gelegt worden.

Deutliche Fortschritte machte Leoni auch beim freien Barmittelabluss. Er war mit minus 69 Millionen Euro erneut negativ, verbesserte sich gegenüber 2019 aber um über Drei Viertel. Die Kennzahl ist für Investoren eine wichtige Kennziffer, da sie Aufschluss über die Finanzkraft gibt. Ist sie negativ, wird quasi Geld verbrannt. Leoni verwies darauf, dass für die positivere Entwicklung neben der Ergebnisverbesserung unter anderem auch der mit der Geschäftserholung verbundene Anstieg der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen bei einem strikten Bestandsmanagement ursächlich gewesen sei.

Bis Ende 2020 seien Maßnahmen umgesetzt worden, die ab 2022 Einsparungen von mehr als 550 Millionen Euro ermöglichen sollen, hieß es weiter. Was davon aber letztlich realisiert werden könne, hänge auch von der Geschäftsentwicklung ab. Um das Sparpotenzial vollständig zu realisieren, müsse die Nachfrage deutlich anziehen.