ROUNDUP 2: Kion sieht 2020 moderates Umsatzwachstum - Virus noch ohne Folgen

(neu: Details aus der Pressekonferenz, Aktienkurs)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Gabelstapler-Hersteller Kion <DE000KGX8881> rechnet im laufenden Jahr weiter mit guten Geschäften und geht von einem moderaten Umsatzanstieg aus. Der Konzern profitiert vom boomenden Online-Handel und den daraus folgenden umfangreichen Investitionen in Lager- und Logistikflächen der Kunden. Daher dürfte die Marktdynamik in der Sparte Lieferkettenlösungen anhalten, teilte der MDax-Konzern am Dienstag in Frankfurt mit. Außerdem geht das Management davon aus, dass sich das konjunkturelle Umfeld verbessere und sich der Weltmarkt für Flurförderzeuge stabilisiere.

Die Aktie legte am Nachmittag um mehr als 3 Prozent zu. Ein Börsianer hatte zunächst den Ausblick kritisiert, zumal der Staplerhersteller keine Auswirkungen des neuartigen Coronavirus einrechnet. Analyst Akash Gupta von der Investmentbank JPMorgan hält die Signale für Umsätze und Auftragslage für das laufende Jahr indes für beruhigend. Sie könnten nach der bis dato unterdurchschnittlichen Kursentwicklung 2020 die Aktie stützen, so der Experte.

Kion rechnet 2020 ohne die möglichen Auswirkungen des Coronavirus zu berücksichtigen mit einem Umsatz von 8,65 bis 9,25 Milliarden Euro, nach 8,81 Milliarden im Vorjahr. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) werde 2020 von Investitionen belastet und soll deshalb nur zwischen 770 und 850 Millionen Euro liegen. Damit erreicht der Konzern beim Ebit bestenfalls das Niveau 2019. Den Auftragseingang im laufenden Jahr beziffern die Frankfurter auf 9,05 bis 9,75 Milliarden Euro. 2019 waren es, wie bereits bekannt, 9,1 Milliarden. Der Konzern hatte im Januar vorläufige Zahlen veröffentlicht.

Die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus seien derzeit noch nicht abzuschätzen, erklärte Kion-Chef Gordon Riske am Dienstag in Frankfurt. Bisher gebe es allerdings keine Schwierigkeiten. Alle Mitarbeiter in China seien in den Werken und Büros. Jeden Morgen gebe es einen "Corona-Call", in dem aktuelle Entwicklungen besprochen würden. Derzeit liege die Produktion in dem Land bei 90 Prozent. Riske geht davon aus, dass Lieferrückstände bis Jahresende nahezu ausgeglichen werden könnten. Etwas Unsicherheit bleibe auch wegen der Zulieferunternehmen.

Die Standorte des Konzerns seien weltweit verteilt, das helfe jetzt angesichts der Corona-Krise, erklärt Riske. Nur 7 Prozent des Umsatzes mit Gabelstaplern macht Kion in China.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern unterm Strich einen Gewinn von knapp 445 Millionen Euro und damit 10,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt etwas mehr erwartet.

"Es war kein einfaches Jahr mit Brexit und Handelsstreit", sagte Riske. Während die Sparte für Gabelstapler und Dienstleistungen nicht an das gute Vorjahresniveau anknüpfen konnte, lief es für den Konzern im Segment Lieferkettenlogistik allerdings besser. Letzteres macht jedoch beim Umsatz weniger als ein Drittel aus. Das Management schlägt für 2019 eine um 10 Cent auf 1,30 Euro je Aktie erhöhte Dividende vor.

Im laufenden Jahr will das Management verstärkt in beide Segmente, Flurförderzeuge und Lieferkettenlogistik, investieren, wobei der Ausbau des Geschäfts in China dabei eine Schlüsselrolle spielt. Dort baut Kion ein zusätzliches Werk, außerdem hat der Konzern gerade erst ein auf Logistikanwendungen spezialisiertes britisches Software-Unternehmen gekauft. "Wir werden zunehmend ein Software-Haus", erklärte Riske den Zukauf. Kion bezeichnet sich selbst als weltweit führenden Anbieter von Automatisierungssystemen und fahrerlosen Transportsystemen. Eine Konzerntochter baut nun auch vollvernetzte Gabelstapler, die alle Fahrzeugdaten an einen zentralen Cloudserver übertragen.

Die Investitionen in das chinesische Werk und die britische Softwarefirma kosten Kion mehr als 220 Millionen Euro. "Mit diesen wichtigen strategischen Investitionen stärken wir langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit", erklärte Kion-Chef Riske. "Wir erwarten, dass langfristig die weltweite Nachfrage nach Flurförderzeugen jährlich rund 4 Prozent und die Nachfrage bei Supply Chain Solutions im hohen einstelligen Bereich wachsen wird."