ROUNDUP 2: Ifo-Index auf Rekordhoch - 'Wirtschaft unter Volldampf'

dpa-AFX

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MÜNCHEN (dpa-AFX) - In der deutschen Wirtschaft stehen die Zeichen weiter auf Boom. Im Oktober ist die Stimmung in den Unternehmen der größten europäischen Volkswirtschaft auf ein Rekordhoch gestiegen. Das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich um 1,4 Punkte auf 116,7 Zähler, wie das Münchner Forschungsinstitut am Mittwoch mitteilte. Damit wurde der jüngste Rekord vom Juli übertroffen. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Ergebnisse der jüngsten Umfrage.

Bankvolkswirte wurden vom neuen Rekordhoch überrascht. Sie hatten einen Rückgang auf 115,1 Punkte prognostiziert. Sowohl die Erwartung für das kommende halbe Jahr als auch die Bewertung der aktuellen Lage stiegen laut Ifo-Institut jeweils deutlich an.

Die Ifo-Umfrage zeigte außerdem, dass der robuste Aufschwung auf einer breiten Basis läuft. Im verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor wurden jeweils neue Stimmungsrekorde gemessen. Im Einzelhandel stieg das Geschäftsklima deutlich an. Nur im Großhandel habe sich die Stimmung ausgehend von einem hohem Niveau etwas eingetrübt.

Bankvolkswirte werten die Ifo-Daten als einen weiteren Beleg für einen längeren robusten Aufschwung der deutschen Wirtschaft. "Der wohl wichtigste Frühindikator für die deutsche Volkswirtschaft zeugt von einer regelrechten Euphorie in den Chefetagen deutscher Unternehmen", kommentierte Experte Christian Lips von der NordLB. Experten des Allianz-Konzerns erkennen eine "anhaltende Hochkonjunktur" in Deutschland.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht einen Grund für den starken Aufschwung in der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Seiner Einschätzung nach kann die Geldflut die deutsche Wirtschaft "noch ein paar Jahre lang anschieben".

Der Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank sieht keine Gefahr für die weitere Entwicklung der Wirtschaft: "Derzeit sind kaum Wolken am Konjunkturhorizont auszumachen." Nach Einschätzung von Gitzel habe die deutsche Wirtschaft den Dieselskandal bislang "äußerst gut weggesteckt". Der Experte verwies außerdem auf gut gefüllte Auftragsbücher in der deutschen Industrie.

Das neue Rekordhoch beim Ifo-Index konnte dem Euro keinen Auftrieb verleihen. Der Kurs der Gemeinschaftswährung stand gegen Mittag weiter kaum verändert bei 1,1770 US-Dollar. "Vermutlich hat man sich schon zu sehr an die gute deutsche Konjunktur gewöhnt", kommentierte Chefökonom Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg die verhaltene Marktreaktion.

Das Ifo-Geschäftsklima gilt als wichtigster wirtschaftlicher Frühindikator Deutschlands und basiert auf einer Umfrage unter etwa 7000 Unternehmen.