ROUNDUP 2: Hellofresh erhöht Ausblick in Corona-Krise - Aktie auf Rekordhoch

(neu: Aktienkurs aktualisiert im 3. und 4. Absatz, Analystenstimmen im 5. und 6. Absatz.)

BERLIN (dpa-AFX) - Das Geschäft beim Kochboxenlieferanten Hellofresh <DE000A161408> boomt in der Corona-Krise. Kundenanzahl und Lieferungen wuchsen im ersten Quartal so stark, dass der Konzern seine Erwartungen für Erlös und Ergebnis im laufenden Jahr deutlich erhöht. Zwar bestünden bedeutende Unsicherheiten rund um die Corona-Pandemie und damit auch ein Risiko, die eigenen Ziele nicht zu erreichen, hieß es vom MDax-Konzern aus Berlin am Dienstag. Angesichts des starken Geschäftsverlaufs im ersten Quartal erwartet Hellofresh aber nun 2020 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 40 bis 55 Prozent statt wie bisher angepeilt 22 bis 27 Prozent.

Vom Erlös sollen vor Sonderposten, Zinsen, Steuern und Abschreibungen nun 6 bis 10 Prozent als Gewinn übrig bleiben. Bisher standen 4 bis 5,5 Prozent bei der bereinigten Ebitda-Marge im Plan. Das starke Geschäft vom Jahresanfang setze sich aktuell auch im zweiten Quartal fort, Umsatzwachstum und Profitabilität lägen noch einmal höher als in den ersten drei Monaten, hieß es.

Die Aktie erreichte nach den vorgelegten Zahlen am Vormittag mit einem prozentual zweistelligen Kursanstieg ein neues Rekordhoch bei 36,60 Euro. Zuletzt lag sie noch 8,3 Prozent im Plus bei 35,72 Euro.

Hellofresh ist mit seinen per Paket verschickten Lebensmitteln zum Selberkochen ein Profiteur von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise, genau wie auch Essenslieferdienste. Seit dem Corona-Crash an den Börsen im Februar hat das Papier bereits fast um die Hälfte zugelegt und ist damit bester Wert im MDax. Im laufenden Jahr können sich Hellofresh-Anleger über ein Kursplus von bisher 91 Prozent freuen, ebenfalls Bestwert. Schon seit Mitte vergangenen Jahres kennt die Aktie fast nur eine Richtung - nach oben.

Die Details aus dem ersten Quartal ließen darauf schließen, dass die starke Nachfrage im ersten Quartal vor allem durch neue Kunden zustande kam und eher nicht durch umfangreichere Bestellungen oder dem Auffüllen der Vorratskammer bei bestehenden Kunden, urteilten die Analysten der britischen Bank Barclays. Das sei ein gutes Zeichen für den Rest des Jahres, auch wenn noch nicht abzusehen sei, wie sich diese neuen Kunden in den kommenden Monaten verhielten.

Vor allem in den USA sei das Umsatzwachstum sehr stark ausgefallen, schrieb JPMorgan-Experte Marcus Diebel. Angesichts der für gewöhnlich vorsichtigen Prognosepolitik des Unternehmens reflektiere der neue Ausblick nun die hohen Erwartungen am Markt.

Erste Eckdaten zu den ersten drei Monaten hatte Hellofresh bereits Ende März vorgelegt. Die Zahl der aktiven Kunden kletterte im Vorjahresvergleich um mehr als zwei Drittel auf 4,2 Millionen, die Zahl der versendeten Mahlzeiten wuchs noch etwas stärker auf gut 111 Millionen.

"Zusätzlich zu unseren ohnehin schon sehr starken ersten beiden Monaten des Jahres, haben wir in der zweiten Märzhälfte, mit der Entwicklung der Pandemie in unseren Märkten, eine weitere erhebliche Nachfrage gesehen", sagte Vorstandschef Dominik Richter laut Mitteilung.

Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 66,4 Prozent auf 699,1 Millionen Euro, vor allem dank des US-Geschäfts, dem größeren der beiden Sparten des Unternehmens. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 63,1 Millionen Euro, was einer Marge von 9 Prozent entsprach. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen auch operativ mit minus 26,1 Millionen Euro noch rote Zahlen geschrieben. Diesmal reichte es zwischen Januar und März aber auch unter dem Strich für einen Nettogewinn. Auf die Aktionäre entfiel ein Überschuss von 39,7 Millionen Euro nach 46,1 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor.