ROUNDUP 2: Heidelbergcement senkt Gewinnziele für 2022 - Kosten belasten

(Neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs)

HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der Baustoffkonzern Heidelbergcement <DE0006047004> hat wegen deutlich gestiegener Kosten für Rohstoffe und Energie seine Gewinnziele für das Gesamtjahr reduziert. Das zweite Quartal und erste Halbjahr seien geradezu "wild" gewesen, sagte Konzernchef Dominik von Achten am Donnerstag in Heidelberg. Die Energiekosten vor allem für Strom und Sprit seien im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent oder um rund eine halbe Milliarde Euro gestiegen. Die Gasknappheit in Europa im Zuge des russischen Kriegs in der Ukraine spiele für Heidelbergcement zwar keine Rolle, allerdings sei das Unternehmen indirekt über die Stromerzeugung betroffen.

Im Gesamtjahr will von Achten über zusätzliche Preiserhöhungen über die üblichen zwei Prozent hinaus rund zwei Milliarden Euro hereinholen. Im ersten Halbjahr schaffte das Unternehmen davon rund 800 Millionen Euro. Über höhere Preise verhandele das Unternehmen mit Kunden schon seit einem Jahr. Damit sollen die deutlich gestiegenen Kosten ausgeglichen werden.

Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen zwar weiter einen deutlichen Anstieg des Umsatzes, für das Ergebnis rechnet es nun aber auf vergleichbarer Basis mit einem leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Zuvor hatte Heidelbergcement bei den Ergebnissen einen leichten Anstieg im Visier. Letztendlich reflektierten die neuen Ziele die extremen Volatilitäten auf den Energiemärkten, sagte von Achten. "Intern ist es aber das klare Ziel, die alte Guidance zu erreichen", fügte er hinzu.

Die Aktie verlor im frühen Handel um mehr als zwei Prozent, ehe sie die Verluste wieder eindämmte. Am Nachmittag stand der Kurs noch mit 0,2 Prozent im Minus.

Mit einer Abschwächung rechnet von Achten im Wohnungsbau. Dieses Geschäft mache aber nur ein Drittel bei HeidelbergCement aus. Zwei Drittel steuerten die anderen Bereichen wie staatliche Infrastrukturprojekte bei. Im ersten Halbjahr sei von den weltweit angekündigten Infrastrukturprogrammen etwa in Australien, den USA und Europa weniger umgesetzt worden als ursprünglich erwartet, sagte der Manager. Im zweiten Quartal dürfte es besser werden. Auch der gewerbliche Bau sei weiterhin stabil.

Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz im Jahresvergleich um 10,9 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen - das sogenannte RCOBD - ging um 4,3 Prozent auf 1,1 Milliarde Euro zurück. Das war aber mehr als Analysten erwartet hatten.

Im ersten Halbjahr betrug das operative Ergebnis 1,5 Milliarden Euro und lag damit 11,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Heidelbergcement begründete den Ergebnisrückgang vor allem mit den deutlich gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe und Transport. Der auf die Aktionäre anfallende Gewinn ging in den ersten sechs Monaten um 28,3 Prozent auf 542 Millionen Euro zurück.

Weiter voran kam Heidelbergcement beim Abbau der Schulden. Die Nettofinanzschulden betrugen Ende Juni 6,8 Milliarden Euro. Das waren knapp 700 Millionen Euro weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig habe das Unternehmen sein finanzielles Polster ausbauen können, sagte der Finanzvorstand René Aldach. Die Liquidität des Unternehmens sei auch in herausfordernden Zeiten gesichert.

Heidelbergcement ist eines der größten Baustoffunternehmen der Welt, in Deutschland nach eigenen Angaben Marktführer bei Zement und Transportbeton sowie bei Sand und Kies. Zement dient als Bindemittel bei der Herstellung von Beton für den Bau von Häusern oder Brücken. Das Unternehmen mit mehr als 51 000 Mitarbeitern will bis 2050 klimaneutralen Beton herstellen.

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