ROUNDUP 2: HeidelbergCement nach gutem Jahresstart optimistisch für 2021

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(Neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs und Analyst)

HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der Baustoffkonzern HeidelbergCement <DE0006047004> zeigt sich nach dem Corona-Jahr 2020 weiterhin zuversichtlich für das laufende Jahr. Die Nachfrage werde sich in vielen Märkten positiv entwickeln, sagte Unternehmenschef Dominik von Achten am Donnerstag bei Vorlage der Bilanz. Rückenwind erwartet er von den teils großen Infrastrukturprogrammen in vielen Ländern. Auch der private Wohnungsbau dürfte weiter zulegen. Allerdings seien steigende Kosten für Rohstoffe, sekundäre zementartige Materialien und Energie zu erwarten.

Für das laufende Jahr rechnet HeidelbergCement vor diesem Hintergrund mit einem leichten Anstieg des Umsatzes und des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Das bedeute einen Zuwachs in einem niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich, erläuterte Finanzchef Lorenz Näger in der Pressekonferenz. In den Prognosen werden Währungseffekte sowie der Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen ausgeklammert. 2020 schrumpften die Erlöse auf vergleichbarer Basis um fünf Prozent auf 17,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda legte dank eines Sparkurses hingegen um rund sechs Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zu.

An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die HeidelbergCement-Aktie legte am Mittag in einem festen Umfeld zuletzt um rund 0,4 Prozent zu. Die Aktie gewann damit seit Jahresbeginn fast ein Fünftel an Wert. Nach den bereits bekannten Eckdaten hätten die finalen Zahlen nur wenig Überraschendes geliefert, schrieb Branchenexpertin Glynis Johnson vom Analysehaus Jefferies. Die wichtigste Neuigkeit sei der Ausblick auf 2021 mit der Aussicht auf ein leicht höheres operatives Ergebnis. Analyst Harry Goad von der Privatbank Berenberg wies zudem auf die Dividende hin, die besser ausgefallen sei als erwartet.

Der Start ins neue Jahr ist von Achten zufolge geglückt. "Für das erste Quartal bin ich trotz der Delle im Februar wegen des Wintereinbruchs in den USA und Europa optimistisch", sagte der Konzernchef der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Sollte HeidelbergCement das sehr starke Quartalsergebnis des letzten Jahres annähernd erreichen oder eine Schippe drauflegen können, hätte das Unternehmen "einen tollen Job gemacht". Denn das Auftaktquartal 2020 sei eines der besten gewesen.

Der Dax-Konzern will wieder deutlich mehr Geld an die Aktionäre ausschütten. Die Dividende soll auf 2,20 Euro je Aktie steigen, wie HeidelbergCement weiter mitteilte. Damit würde das Unternehmen fünf Prozent mehr zahlen als noch für 2018. Für 2019 hatte HeidelbergCement die Dividende wegen der Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie auf 0,60 Euro je Anteilsschein gesenkt. "Wir sehen die Corona-Krise finanztechnisch beendet", sagte Näger. Damit kehre das Unternehmen zur progressiven Dividendenpolitik zurück. Dies würde bedeuten, dass HeidelbergCement die Dividende mindestens konstant gehalten oder leicht steigern will.

Hohe Abschreibungen hatten dem Unternehmen 2020 einen Milliardenverlust eingebrockt. Der auf die Aktionäre anfallende Fehlbetrag betrug 2,1 Milliarden Euro. Bereinigt um Sondereffekte stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr allerdings um acht Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Bereits im Februar hatte der Konkurrent von LafargeHolcim <CH0012214059> aus der Schweiz und Cemex aus Mexiko vorläufige Zahlen veröffentlicht.

Im Tagesgeschäft lief es für die Heidelberger 2020 dank des Sparkurses etwas besser. Das bereinigte Ebitda legte im Jahresvergleich wie bereits bekannt um vier Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zu. Zum Ergebnisanstieg trugen die Geschäfte in Europa und der Konzernregion Afrika-Östlicher Mittelmeerraum bei. Während die Heidelberger in Nordamerika annähernd auf dem Niveau des Vorjahres verharrten, lief es für sie in der Region Asien-Pazifik deutlich schlechter.

Um gut durch die Corona-Krise zu kommen, hatte HeidelbergCement vor gut einem Jahr ein Sparprogramm aufgesetzt. Der Konzern drückte die Kosten um rund 1,3 Milliarden Euro und damit stärker als zunächst geplant. Ursprünglich wollte HeidelbergCement etwa durch niedrigere Personalausgaben, einer freiwilligen Kürzung der Management-Gehälter und einer Beschränkung von Investitionen rund eine Milliarde sparen.

Auch will sich das Unternehmen auf die stärksten Märkte konzentrieren - und Geschäftsteile verkaufen, die mittelfristig nicht die Renditeerwartungen erfüllen. Anfang des Jahres schlug HeidelbergCement sein Kuwait-Geschäft los und will von Achten zufolge fünf weitere Geschäftsteile verkaufen. Das Management befinde sich in laufenden Verhandlungen, sagte der HeidelbergCement-Chef. Deswegen könne er nichts Näheres dazu mitteilten. "Wir gehen aber davon aus, dass die ersten Ergebnisse im ersten Halbjahr kommen", fügte er hinzu.

Bis 2025 will das Management die operative Marge - das bereinigte Ebitda im Verhältnis zum Umsatz - auf 22 Prozent verbessern. 2020 betrug die Marge bereits 21,1 Prozent nach 19 Prozent im Vorjahr. Der Vorstand will Prozesse und Strukturen in Vertrieb, Produktion und Verwaltung optimieren. Vor allem in Nordamerika wolle HeidelbergCement besser werden, hatte von Achten im September gesagt.

Mit dem Jahresauftakt 2021 in den USA zeigte sich der Manager im Gespräch mit dpa-AFX nun zufrieden. Und momentan gebe es keinen Hinweis, dass es dort nicht so weitergehen werde, sagte der Manager, der vor gut einem Jahr das Ruder beim Baustoffkonzern von Bernd Scheifele übernommen hatte. Die USA seien eine sehr stark konsumgetriebene Ökonomie. "Da ist Stimmung alles", sagte er. "Wir sind insgesamt sehr optimistisch für den US-Markt, was 2021 angeht und die Folgejahre."