ROUNDUP 2/Fusions-Aus in USA: Telekom-Chef Höttges wollte Kontrolle behalten

dpa-AFX

(neu: Einstieg neu gefasst, Aussagen Telekom-Chef, Aktienkurs aktualisiert.)

TOKIO/BONN (dpa-AFX) - Ringen um die Macht: Das Fusionsvorhaben der Telekom-Tochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint ist an unterschiedlichen Vorstellungen über die Kontrolle am Zusammenschluss gescheitert. Sowohl Telekom-Chef Tim Höttges als auch der Mehrheitseigner von Sprint, der japanische Softbank-Konzern, wollten das Sagen haben - die an den Börsen seit Monaten herbeigefieberte Einigung fiel ins Wasser. Die Telekom-Aktie geriet am Montag unter Druck, Händler und Analysten sprachen von einer Enttäuschung.

Am Samstag hatten die Deutsche Telekom, T-Mobile US und Sprint mitgeteilt, dass die monatelangen Gespräche gescheitert seien. Softbank-Chef Masayoshi Son konnte sich nicht damit abfinden, die Kontrolle über Sprint in einem gemeinsamen Unternehmen an die Telekom abzutreten. Es sei seine Entscheidung gewesen, die Gespräche abzublasen, sagte der Tech-Milliardär am Montag in Tokio zur Bekanntgabe eigener Geschäftszahlen. Seit Jahren sucht er nach Partnern für die chronisch verlustbringende Sprint. Die Kontrolle über den US-Mobilfunker will Son in den kommenden Jahren behalten.

Aber auch Telekom-Chef Tim Höttges wollte die Zügel im US-Geschäft nicht aus der Hand geben. "Wir haben versucht, eine Fusion von T-Mobile US und Sprint unter unserer Kontrolle auszuhandeln", schrieb er am Sonntag in einem Beitrag im Online-Karrierenetzwerk Linkedin. Das habe aber nicht geklappt. "Wir sind überzeugt, dass es unter den gegebenen Bedingungen besser ist, alleine weiterzumachen und kein gemeinsames Unternehmen mehr zu verfolgen."

Die letzten Wochen seien die wahrscheinlich turbulentesten in seiner Karriere gewesen, schrieb Höttges: In 7 Tagen sei er 50 000 Kilometer rund um den Globus geflogen - London, New York, Bonn und Tokio die Stationen. Am Ende zogen die Manager während eines Dinners bei Son in der japanischen Hauptstadt einen Schlussstrich unter das Vorhaben.

Er sei heiter gestimmt, sagte Masa Son am Montag. "Auch wenn die kommenden 3 bis 4 Jahre ein harter Kampf werden, wird 5 bis 10 Jahre später klar sein, welch ein strategisch unschätzbares Geschäft das ist", sagte Son. Sprint-Aktien dürften mit der Nachricht zwar fallen - das sei aber ein Grund, weiter zuzukaufen.

Telekom-Aktien fielen am Montagvormittag als Dax-Schlusslicht um mehr als 3 Prozent. Das Scheitern der Gespräche wertete Analyst Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan als Enttäuschung. Allerdings dürften viele Investoren gleichzeitig froh sein, dass die Telekom mit Blick auf den Preis diszipliniert geblieben sei. Zudem könnten die Verhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt durchaus wieder aufgenommen werden. Experte Robert Grindle von der Deutschen Bank sah T-Mobile US auch alleine weiter gut aufgestellt. Eine Kursschwäche der T-Aktie sei eine Kaufgelegenheit.

Bereits vergangene Woche hatte sich angedeutet, dass diesmal nicht die US-Wettbewerbshüter die größte Hürde für Branchenkonsolidierung auf dem US-Markt sind, sondern die Vorstellungen der Konzernmütter aus Bonn und Tokio. Die Telekom besitzt knapp zwei Drittel an T-Mobile US, Softbank rund 84 Prozent an Sprint. Zusammen hätten die Unternehmen rund 125 Millionen Kunden und 70 Milliarden Umsatz jährlich gehabt.

Höttges sagte, es seien keine Bedingungen zu erreichen gewesen, die Kunden zusätzliche Vorteile und den Aktionären Wertsteigerungs-Perspektiven bieten könnten. In den vergangenen Jahren hatte T-Mobile Sprint bei Kundenzahlen, Umsatz und Börsenwert deutlich abgehängt und Platz drei der landesweiten Mobilfunker eingenommen. T-Mobile war zuletzt rund 49 Milliarden US-Dollar (42 Mrd Euro) wert, Sprint knapp 27 Milliarden Dollar.

Son ist nun weiter auf der Suche nach Partnern für Sprint, was auch die Telekom wieder unter Druck setzen könnte. Die Optionen für Sprint müssten aber die Kontrolle durch Softbank beinhalten, sagte Son, auch wenn es nicht notwendigerweise eine 50-Prozent-Mehrheit sein müsse. Doch Son steht auch unter Druck: Softbanks Börsenwert ist mit 11 Billionen Yen deutlich geringer als die Summe seiner Beteiligungen mit 17 Billionen. Sprint ist zudem hoch verschuldet.

Der Japaner mit koreanischer Abstammung ist jedoch ein umtriebiger Dealmaker. Vergangenes Jahr übernahm er den britischen Chipdesigner ARM für 24 Milliarden britische Pfund, zudem legte er bis zu fast 100 Milliarden Dollar schweren Investitionsfonds für Tech-Unternehmen auf - mit dem Investmentvehikel des saudischen Königshauses als größtem Geldgeber.

Immer wieder wird spekuliert, damit könne sich Softbank etwa beim Taxidienst Uber einkaufen. "Wenn wir uns auf die Bedingungen einigen können, werden wir Mittel zur Verfügung stellen", sagte Son dazu. Möglich sei aber auch ein Einstieg beim Konkurrenten Lyft.