ROUNDUP 2/EZB-Chef Draghi sieht in Euro-Aufwertung Quelle von Unsicherheit

dpa-AFX

(neu: Draghis Reaktion auf Mnuchin-Aussagen, Abs. 6 und 7)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die jüngste Aufwertung des Euro macht Europas Währungshütern Sorge. "Die derzeitige Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Frankfurt. Im Blick zu behalten seien mögliche Auswirkungen auf die Preisstabilität. Kurz zuvor hatte die Notenbank nach ihrer Zinssitzung die unveränderte Fortsetzung ihrer Geldpolitik verkündet und keine Hinweise auf künftige Straffungen gegeben.

Der Euro ist derzeit so stark wie seit gut drei Jahren nicht mehr. Bereits im September hatte sich Draghi ähnlich wie am Donnerstag zum Wechselkurs geäußert. Zudem hatten sich zuletzt andere Währungshüter besorgt über die Euro-Stärke gezeigt, darunter EZB-Vizechef Vitor Constancio.

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump vor gut einem Jahr hat der Euro im Verhältnis zum US-Dollar fast ein Fünftel an Wert gewonnen und erreichte am Donnerstag einen neuen Höchststand seit Ende 2014. Während der Rede von Draghi beschleunigte der Euro seinen Anstieg - seit Redebeginn um 14.30 Uhr legte der Kurs von knapp über 1,24 Dollar auf bis zu 1,2537 Dollar zu.

Neben der starken Euro-Wirtschaft und einem absehbaren Ende der extrem lockeren Geldpolitik der EZB war für den Euro-Höhenflug zuletzt vor allem eine Dollar-Schwäche verantwortlich. Experten begründen diese unter anderem mit Furcht vor Handelskonflikten sowie Zweifeln an der Wirksamkeit der US-Steuerreform.

Das Erstarken der Gemeinschaftswährung verteuert Produkte von Firmen aus dem Euroraum auf den Weltmärkten tendenziell. Das könnte in der Folge die Exporte und damit das hiesige Wirtschaftswachstum dämpfen. Zugleich werden Einfuhren aus anderen Währungsräumen günstiger, was die Inflation drückt. Damit wird es für die EZB schwieriger, ihr mittelfristiges Ziel einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent zu erreichen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte sich beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos gelassen zur Dollar-Schwäche geäußert und betont, sie sei gut für die US-Wirtschaft. Nach Kritik der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, bekräftigte Mnuchin seine Aussagen am Donnerstag erneut.

Draghi vermied es auf Nachfrage, zu den Aussagen des US-Finanzministers Position zu beziehen. Er verwies im Allgemeinen darauf, dass der Wechselkurs zwar nicht zu den geldpolitischen Zielgrößen der Notenbank gehöre, dass er aber Auswirkungen auf die Inflation sowie die Konjunktur haben könne.

Am Markt für deutsche Staatsanleihen wirkten Draghis Aussagen negativ auf die Kurse aus. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen stieg im Gegenzug auf den höchsten Stand seit Anfang 2016.