ROUNDUP 2: Deutsche Wirtschaft unter Volldampf

dpa-AFX

WIESBADEN (dpa-AFX) - Beflügelt vom Außenhandel und von steigenden Investitionen vieler Unternehmen hat die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo im dritten Quartal erhöht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im zweiten Vierteljahr war die deutsche Wirtschaft noch um 0,6 Prozent gewachsen. Zum Jahresbeginn legte das BIP nach korrigierten Zahlen sogar um 0,9 Prozent zu.

Volkswirte wurden von der positiven Entwicklung in den Monaten Juli bis September überrascht. Sie hatten für das dritte Quartal nur ein Wachstum um 0,6 Prozent erwartet.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal legte die Wirtschaft im dritten Quartal bereinigt um 2,8 Prozent zu. In dieser Abgrenzung hatten Volkswirte ebenfalls einen geringeren Zuwachs um 2,3 Prozent erwartet. Außerdem revidierte die Behörde den September-Anstieg von zuvor 2,1 Prozent auf 2,3 Prozent im Jahresvergleich nach oben.

Impulse kamen in den Sommermonaten Juli bis September nach Angaben der Wiesbadener Behörde unter anderem vom internationalen Handel, der von der Erholung der Weltwirtschaft profitierte. Die Exporte legten im dritten Quartal stärker zu als die Importe. Auch die Investitionen der Firmen in Ausrüstungen wie Maschinen schoben die Konjunktur an.

Die Unternehmen waren laut dem Ifo-Institut zuletzt so zuversichtlich wie nie zuvor. "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat ein neues Allzeithoch erreicht", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest jüngst. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf."

Die staatlichen und privaten Konsumausgaben lagen den Angaben zufolge dagegen in etwa auf dem Niveau des Vorquartals. Die Verbraucher sind angesichts der historisch günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und der Zinsflaute zwar weiter in Kauflaune. Zuletzt hatte allerdings nach Angaben der GfK -Konsumforscher der Anstieg der Inflation die Stimmung etwas gedämpft.

Trotz der starken Konjunktur bleibt die Inflation in Deutschland vergleichsweise schwach. Im Oktober lag die Inflationsrate bei 1,6 Prozent, wie das Bundesamt weiter nach einer zweiten Schätzung mitteilte. Die Behörde bestätigte damit wie erwartet eine erste Schätzung.

Nach Einschätzung von Ökonomen wird sich der ungewöhnlich lange Aufschwung in Europas größter Volkswirtschaft in der nächsten Zeit fortsetzen. Zahlreiche Bank-Volkswirte und Wirtschaftsforscher hatten ihre Konjunkturprognosen heraufgesetzt. So trauen beispielsweise die "Wirtschaftsweisen" Deutschland 2017 ein Wachstum von 2,0 Prozent und im kommenden Jahr von 2,2 Prozent zu.

Nach Veröffentlichung der starken Wachstumsdaten stieg der Kurs des Euro am Morgen auf ein Tageshoch bei 1,1689 US-Dollar.