ROUNDUP 2: Commerzbank kehrt in die Gewinnzone zurück - Aktie im Plus

dpa-AFX

(Neu: Einzelheiten aus Telefonkonferenzen)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die mitten im Umbau steckende Commerzbank hat auch dank des Verkaufs ihrer Firmenzentrale die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Im dritten Quartal verdiente sie unterm Strich knapp eine halbe Milliarde Euro, nachdem im zweiten Quartal wegen der hohen Kosten für den laufenden Stellenabbau noch ein schmerzhaftes Minus angefallen war. Auch im Vorjahreszeitraum hatte die Commerzbank Verluste geschrieben.

Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der Vorstand nun unterm Strich einen Gewinn von um die 100 Millionen Euro. Das sei eine "valide Annahme", sagte Finanzchef Stephan Engels am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Damit dürfte das Schlussquartal allerdings eher verhalten ausfallen: Nach neun Monaten hat die Commerzbank einen Gewinn von 66 Millionen Euro eingefahren.

Die Anleger zeigten sich insgesamt zufrieden: Die Commerzbank-Aktie führte mit einem Plus von 2,5 Prozent am Nachmittag den Dax an. Analysten lobten die gestiegene Kernkapitalquote von 13,5 Prozent - ein Ausweis für die Krisenfestigkeit einer Bank.

Zuletzt war das Papier stark gestiegen wegen Übernahmespekulationen im Zusammenhang mit dem erwarteten Verkauf der Staatsbeteiligung. Der deutsche Staat hält infolge der Rettung der Commerzbank während der jüngsten Finanzkrise noch gut 15 Prozent der Anteile. In dieser Woche hatte allerdings die als Interessent geltende französische Großbank Credit Agricole abgewunken. Er kommentiere das Thema nicht, sagte Engels.

Das Frankfurter Geldhaus leidet wie die meisten Konkurrenten unter den niedrigen Zinsen, den ruhige Kapitalmärkte und dem harten Wettbewerb. Zudem muss sie hohe Kosten für die Digitalisierung schultern, um nicht von neuen Spielern im Finanzmarkt abgehängt zu werden. Den Herausforderungen begegnet die Commerzbank mit einem Sparprogramm samt Stellenabbau - sowie einer Offensive bei den Privatkunden. Die Idee: Mehr Kunden bringen auf lange Sicht auf mehr Geld.

"Wir haben dieses Jahr gute Fortschritte erzielt und wichtige Grundlagen für unsere Transformation gelegt", sagte Konzernchef Martin Zielke in Frankfurt. Seitdem das Geldhaus im Herbst vergangenen Jahres seine Pläne vorgestellt hatte, gewann es netto 587 000 Privatkunden, wobei der Kundenzustrom über den Sommer etwas abflaute. Aufs Jahr gesehen sei die Bank aber auf jeden Fall im Plan, sagte Finanzchef Engels.

Bis zum Jahr 2020 will die Commerzbank zwei Millionen neue Kunden anlocken. Der Haken daran: Erst nach 18 Monaten, so die Rechnung des Commerzbank-Vorstands, macht sich ein neuer Kunden dann bei den Einnahmen positiv bemerkbar. Davor kostet er.

Dass der Deutsche-Bank-Rivale im dritten Quartal dennoch einen Überschuss von 472 Millionen Euro verbuchte nach einem Verlust von 288 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, lag in erster Linie an Sondererträgen von mehr als einer halben Milliarde Euro: Die Bank hatte ihr markantes Hochhaus in der Frankfurter Innenstadt verkauft und ist nunmehr nur Mieter in den Turm. Auch der Verkauf der Beteiligung am Finanzdienstleister Concardis und die Auflösung eines Gemeinschaftsunternehmens für Ratenkredite mit der BNP Paribas machten sich positiv bemerkbar.

Das Tagesgeschäft im dritten Quartal lief unterdessen durchwachsen - der Überschuss im Zinsgeschäft bröckelte weiter ab, weil Kredite derzeit so billig sind. Zudem musste die Bank wegen sogenannter Cum-Cum-Geschäfte Rückstellungen über 10,5 Millionen Euro bilden für gegebenenfalls eigene zurückzuerstattende Kapitalertragsteuer. Bei diesen Geschäften hatten Investoren sich mithilfe von Banken die Steuern auf erhaltene Aktiendividenden gespart. Das Schlupfloch ist mittlerweile geschlossen.

An einer anderen Stelle kam die Commerzbank dagegen bei der Bewältigung von Altlasten gut voran: Die Bank hatte einst in großem Stil Kredite für neue Frachtschiffe gewährt, doch dann fielen die Frachtraten und die Reeder kamen in Zahlungsschwierigkeiten. In den ersten neun Monaten des Jahres wurde dieses Portfolio nun um 1,5 Milliarden Euro auf 3,3 Milliarden Euro Ende September verringert. Die verbliebenen Bestände sollen nun voraussichtlich schneller als gedacht abgebaut werden. Im kommenden Jahr erwartet Finanzchef Engels keine Ergebnisbelastungen mehr durch Schiffskredite.