ROUNDUP 2: Bank of England will gegen hohe Inflation ankämpfen

dpa-AFX

(neu: mehr Hintergrund, Aussagen Carney, Marktreaktion)

LONDON (dpa-AFX) - Die britische Notenbank hält trotz einer hohen Inflation an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Gleichzeitig gab sie aber Signale für eine baldige Zinsanhebung, weil vorerst nicht mit einer deutlichen Abschwächung der Teuerung zu rechnen sei. Der Leitzins bleibe unverändert bei 0,50 Prozent, teilte die Bank of England (BoE) am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung in London mit. Experten hatten dies erwartet. Die Entscheidung der Währungshüter fiel einstimmig. Auch das Volumen der Wertpapierkäufe zur Konjunkturstützung ließen sie unverändert.

Im November hatte die Notenbank erstmals seit gut zehn Jahren den Zinssatz von dem damaligen Rekordtief von 0,25 Prozent auf das derzeitige Niveau angehoben. Einerseits spricht die mit drei Prozent recht hohe Inflation in Großbritannien für weitere Zinsanhebungen. Andererseits ist die Wirtschaft angeschlagen. 2017 ist sie so schwach gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Wegen der Brexit-Unsicherheit halten sich Unternehmen mit Investitionen zurück. Hinzu kommt eine geschwächte Kaufkraft der Briten.

Nach dem Brexit-Votum vom Sommer 2016 ist das britische Pfund deutlich geschwächt worden, was die Preise für importierte Güter nach oben getrieben hat. BoE-Chef Mark Carney machte dies in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an den britischen Finanzminister Philip Hammond maßgeblich für die hohe Inflation verantwortlich. Hammond bestätigte diese Sichtweise in seiner Antwort.

Am Donnerstag gab es denn auch Hinweise, dass die Währungshüter künftig die Priorität eher auf die Inflationsbekämpfung als auf die Stützung der Konjunktur legen dürften. Der Leitzins könnte früher steigen als bisher erwartet, teilte die Notenbank mit. Carney sagte bei einer Pressekonferenz, dass dies nötig werden könnte, um zum Inflationsziel von zwei Prozent zurückzukehren. Der genaue Zeitpunkt der nächsten Zinsanhebung hänge aber von den wirtschaftlichen Daten ab.

An den Finanzmärkten gilt eine Anhebung bei der nächsten Sitzung Ende März weiterhin als unwahrscheinlich. Eine Erhöhung im Mai wird dagegen mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 70 Prozent eingepreist. Experten beim Analysehaus Pantheon Macroeconomics rechnen jedoch auch nach den Aussagen vom Donnerstag damit, dass die BoE noch bis August abwarten wird.

Kurzfristig rechnet Carney nicht mit einer nachlassenden Teuerung. In dem Brief an Hammond führt er dies auf die zuletzt gestiegenen Ölpreise zurück. Auch ein erneuter Anstieg ist demnach möglich. Längerfristig werde die Teuerungsrate aber wieder fallen, weil der Effekt des zwischenzeitlich deutlich geschwächten Pfunds nachlassen werde.

Das Pfund legte nach den Beschlüssen der BoE zu und stieg im Verhältnis zum US-Dollar auf ein Tageshoch über 1,40 Dollar. Auch zum Euro gewann das Pfund deutlich an Wert. Die Rendite britischer Staatspapiere mit 10-jähriger Laufzeit stieg auf den höchsten Stand seit April 2016.