ROUNDUP 2/Börse krempelt Dax-Familie um: Zehn neue Konzerne im Leitindex

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Mehr als 30 Jahre nach seinem Start bekommt der Dax <DE0008469008> ein neues Gesicht. Künftig repräsentieren 40 statt 30 Konzerne in der ersten deutschen Börsenliga die deutsche Wirtschaft. Der deutsch-französische Flugzeughersteller Airbus <NL0000235190> und neun weitere Konzerne steigen zum 20. September in den Deutschen Aktienindex auf, wie die Deutsche Börse <DE0005810055> am Freitagabend bekanntgab.

Mit Airbus bekommt der Dax ein weiteres Schwergewicht auf dem Niveau des Autoherstellers Daimler <DE0007100000> oder des Versicherungsriesen Allianz. "Airbus begrüßt die Ankündigung der Deutschen Börse, den deutschen Premium-Index zu erweitern und wir freuen uns sehr darauf, noch in diesem Monat Mitglied des Dax40 zu werden", kommentierte ein Sprecher des Flugzeugherstellers.

Neu auf dem Dax-Kurszettel stehen demnächst zudem die folgenden neun Unternehmen: der Chemikalienhändler Brenntag <DE000A1DAHH0>, der Kochboxenlieferant Hellofresh <DE000A161408>, die Holdinggesellschaft Porsche, der Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen <NL0012169213>, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius <DE0007165631>, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers <DE000SHL1006>, der Aromen- und Duftstoffehersteller Symrise <DE000SYM9999>, der Online-Modehändler Zalando <DE000ZAL1111>.

Die Vergrößerung des Dax hatte die Deutsche Börse im vergangenen November beschlossen. Lange wurde das wichtigste deutsche Börsenbarometer von den vier Branchen Chemie, Autoindustrie, Energie, Finanzdienstleistungen dominiert. Nun soll der Leitindex die deutsche Wirtschaft repräsentativer abbilden.

Im Gegenzug verkleinert der Frankfurter Marktbetreiber den MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Werte von 60 auf 50 Titel. Fünf Unternehmen aus dem Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386> rücken zum 20. September in den verkleinerten MDax auf: die Vodafone <GB00BH4HKS39>-Sendemastentochter Vantage Towers <DE000A3H3LL2>, der Recycling-Spezialist Befesa <LU1704650164>, der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich <DE0006219934>, der Finanzdienstleister Hypoport <DE0005493365> sowie Zooplus <DE0005111702>, ein Online-Händler für Haustierbedarf.

Ihre Plätze im MDax räumen müssen dafür der Baukonzern Hochtief <DE0006070006>, der Antikörperspezialist Morphosys <DE0006632003>, der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex <DE000A0D6554>, der Wind- und Solarparkbetreiber Encavis <DE0006095003> und die Shop Apotheke.

Die Zusammensetzung des Dax, den es seit Juli 1988 gibt, soll künftig zweimal statt nur einmal jährlich regulär überprüft werden. Neu aufnehmen in den Dax will die Deutsche Börse künftig nur noch profitable Unternehmen. Wer Mitglied werden will, muss mindestens auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den vorhergehenden beiden Geschäftsjahren profitabel gewesen sein. Pleitekandidaten und Konzerne, die ihrer Pflicht zur fristgerechten Veröffentlichung von Zwischenberichten nicht nachkommen, sollen nichts mehr in der ersten deutschen Börsenliga verloren haben.

Mit der Verschärfung der Regeln für die Dax-Familie reagiert die Börse auf den Wirecard <DE0007472060>-Bilanzskandal. Der Zahlungsdienstleister hatte sich trotz milliardenschwerer Luftbuchungen, die im Sommer 2020 aufflogen, noch über Monate im Dax halten können, weil die bisherigen Regeln einen raschen Rauswurf aus dem Leitindex nicht zuließen. Für Kritik sorgte auch, dass für Wirecard der Essenslieferant Delivery Hero in den Dax aufrückte und damit ein Unternehmen, das seit seiner Gründung 2011 im laufenden Geschäft noch nie Geld verdient hat.

Die Dax-Aufsteiger erhoffen sich von der Aufnahme in die erste deutsche Börsenliga Rückenwind. "Die Aufnahme von Siemens Healthineers in den Dax wird unsere Sichtbarkeit weiter erhöhen und unterstreicht die Relevanz der Gesundheitsbranche", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Siemens Healthineers AG, Bernd Montag. Auch der Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Hans Dieter Pötsch, zeigte sich überzeugt, dass sich mit dem Aufstieg in den Dax die Wahrnehmung seines des Unternehmens in der breiten Öffentlichkeit weiter erhöhen werde.

Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) äußerte sich erfreut, dass die Hauptstadt zwei neue Dax-Konzerne beherbergt: "Der Aufstieg von Zalando und Hellofresh in den Dax ist ein wichtiger Tag und eine Zeitenwende für Berlin. Noch vor einigen Jahren fragte man sich, wie Dax-Unternehmen nach Berlin gelockt werden können. Heute werden Berliner Gründungen zu Dax-Konzernen und verjüngen den Leitindex deutlich."

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