ROUNDUP 2: AMS rechnet trotz Marktturbulenzen weiter mit Osram-Übernahme

(neu: Aktienkurs, Händlerstimme, weitere Details)

PREMSTÄTTEN/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der österreichische Sensorspezialist AMS <AT0000A18XM4> hat trotz des Kursverfalls seiner Aktien die Pläne für den Kauf des deutschen Lichtkonzerns Osram <DE000LED4000> bekräftigt. Seit dem Start der 1,65 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme am 13. März haben sich viele große Anteilseigner positiv zu Wort gemeldet und angekündigt, die neuen Aktien zeichnen zu wollen, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend in Premstätten in der Steiermark mit. AMS geht weiter davon aus, die Osram-Übernahme im zweiten Quartal abschließen zu können, sofern alle Genehmigungen seitens der Behörden vorliegen.

An der Börse kam dies sehr gut an. Die im MDax <DE0008467416> notierte Osram-Aktie lag am Nachmittag mehr als 30 Prozent im Plus und notierte bei 28,94 Euro. Seit Jahresbeginn haben die Papiere im Zuge der Panik um die Folgen der Coronakrise allerdings rund 35 Prozent an Wert verloren. In den zurückliegenden drei Jahren haben die Papiere sogar über die Hälfte eingebüßt.

Ungeachtet der AMS-Mitteilung wird das Übernahme-Vorhaben der Österreicher am Kapitalmarkt aber weiter mit Skepsis gesehen. So sprach ein Händler zwar von "Erleichterung", die nun bei den Anlegern herrsche. Zugleich betonte er aber, dass es aufgrund der Turbulenzen an den Finanzmärkten weiter viele Beobachter gebe, die am Gelingen der Übernahme zweifelten. Die Übernahme von Osram bleibt laut dem Händler ein Risiko. Auch deshalb, da das Geschäft des Leuchtmittelexperten aktuell schwach sei und derzeit etwa 75 Prozent der europäischen Autoproduktion vorübergehend still liegen würden.

Wegen des Kursverfalls der AMS-Aktie in dem seit Wochen anhaltenden Corona-Crash waren zuletzt starke Zweifel am Erfolg der Kapitalerhöhung und damit der Übernahme aufgekommen. Die Kapitalerhöhung ist zwar grundsätzlich durch die Investmentbanken abgesichert, bei extremen Marktverwerfungen haben sie aber unter bestimmten Umständen Rückzugsoptionen.

AMS will Osram für insgesamt 4,6 Milliarden Euro übernehmen. Die Osram-Aktionäre, die ihre Anteile angeboten haben, sollen dabei 41 Euro je Anteil erhalten. Die stark verschuldete AMS ist deutlich kleiner als Osram und will die Übernahme auf Pump finanzieren. Zum Stemmen des Kaufpreises soll auch die kürzlich auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossene Kapitalerhöhung beitragen. Angesichts des Kursverfalls der AMS-Papiere im Zuge der Corona-Krise waren am Markt zuletzt erhebliche Zweifel aufgekommen, ob die Anteilseigner die Aktien überhaupt noch zeichnen wollen.

Den im Raum stehenden Befürchtungen, dass die Osram-Übernahme nun doch noch scheitern könnte, trat AMS-Chef Alexander Everke vehement entgegen. Er verwies in der Mitteilung vielmehr darauf, dass AMS "überzeugter denn je" von der strategischen Logik und dem wertschöpfenden Potenzial des Zusammenschlusses sei. Diese Logik sei von den momentanen Turbulenzen am Kapitalmarkt infolge der Corona-Krise nicht berührt, hieß es. Zudem werde die Zusammenführung beider Unternehmen bereits vorbereitet.

AMS hatte Ende 2019 nach einer monatelangen Übernahmeschlacht mit US-Finanzinvestoren die zuvor gesenkte Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent im zweiten Anlauf überschritten. Die Österreicher wollen einen europäischen Weltmarktführer für Sensoriklösungen und Photonik schmieden und mit Osram zudem einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schließen. In der Mitteilung verwies AMS darauf, dass das Unternehmen seine direkt erworbene Beteiligung an Osram auf 23,4 Prozent aufgestockt habe. Dies zeige erneut, dass der Konzern den Deal zu einem Abschluss bringen und den angepeilten Zusammenschluss weiterhin realisieren wolle.

Das Management des angeschlagenen Münchner Lichtkonzerns Osram hatte bei der ersten Übernahme-Offerte noch erhebliche Zweifel an der Strategie, Integrationskompetenz und Finanzierung von AMS geäußert. Beim zweiten Anlauf hatten Osram-Chef Olaf Berlien und AMS-Lenker Everke dann aber kooperiert. Der Osram-Betriebsrat und die IG Metall hatten sich vehement gegen die Übernahme durch die Österreicher gewehrt, sie befürchten unter anderem eine Zerschlagung des Traditionskonzerns und einen erheblichen Stellenabbau.

Osram war 2019 tief in die roten Zahlen gerutscht und leidet vor allem unter der mauen Autokonjunktur. Mit der Autoindustrie macht Osram den Löwenanteil des Geschäfts. Auch die Geschäfte mit Smartphoneherstellern liefen 2019 nicht mehr rund. Zu den ohnehin gravierenden Problemen kommt nun auch noch das neuartige Coronavirus hinzu. Infolgedessen hatte Osram vor wenigen Tagen die Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurückgezogen und gewarnt, dass es seine Ziele voraussichtlich nicht erreichen werde. Eine neue Prognose wurde nicht gegeben.

Stattdessen plant Osram als Reaktion auf die Krise jetzt ein weiteres umfangreiches Sparpaket, zudem zieht das Unternehmen Kurzarbeit an besonders betroffenen Standorten und die vorübergehende Schließung von Produktionsstätten in Betracht. AMS dagegen bestätigte jüngst seine Prognose für das laufende erste Quartal. Der Ausbruch des Coronavirus führe zu keiner Änderung der Erwartungen, hatte das Unternehmen erklärt. Allerdings beobachte AMS die Auswirkungen des Coronavirus auf sein Geschäft genau, hieß es.