ROUNDUP 2: Airbus liefert trotz Corona 566 Jets aus - Mehr Aufträge als Stornos

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(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz zu Produktionsplänen für 2021 und Stornierungen, Branchenentwicklung, Gespräche über Stellenabbau)

TOULOUSE (dpa-AFX) - Der Luftfahrtkonzern Airbus <NL0000235190> hat im abgelaufenen Jahr trotz der Corona-Krise mehr Flugzeug-Bestellungen hereingeholt als Stornierungen kassiert. Netto kamen Aufträge über 268 Maschinen herein, wie das europäische Unternehmen am Freitagabend in Toulouse mitteilte. Dank eines Schlussspurts gelang es Airbus, im Gesamtjahr 566 Jets auszuliefern. Der Dezember war mit 89 Auslieferungen der stärkste Monat des Jahres. Von ursprünglich für das Gesamtjahr angepeilten 880 Auslieferungen blieb der Konzern aber wegen der Pandemie und ihrer Folgen wie erwartet weit entfernt.

Dennoch verteidigte Airbus seine Position als größter Flugzeugbauer der Welt. Der US-Rivale Boeing <US0970231058> hatte die Spitzenposition wegen des Start- und Auslieferungsverbots für seinen wichtigsten Flugzeugtyp 737 Max im Jahr 2019 an Airbus verloren. Die Europäer hatten in dem Jahr 863 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert.

Diese Zahl dürfte Airbus auch im Jahr 2021 kaum wieder erreichen. Der Hersteller hat seine Produktion um rund 40 Prozent gekappt. Airbus-Chef Guillaume Faury will dieses Niveau vorerst halten, wie er in einer Telefonkonferenz sagte. Er hofft, die Produktion der Mittelstreckenjets aus der A320neo-Familie in der zweiten Jahreshälfte wieder ein Stück hochfahren zu können. Rechnerisch würde Airbus damit im laufenden Jahr mehr Flugzeuge ausliefern als im Vorjahr. Faury bestätigte diese Kalkulation, wollte aber keine eigene Prognose dazu abgeben.

Während Airbus wie die gesamte Luftfahrtbranche vor allem unter der Corona-Krise leidet, hatte sein Konkurrent Boeing auch noch mit der 737-Max-Krise zu kämpfen. Erst im November genehmigte die US-Luftfahrtbehörde FAA nach einer Reihe technischer Veränderungen und Nachbesserungen an der Software den erneuten Einsatz der 737 Max - dem Konkurrenzmodell des Airbus A320neo. Die Freigabe der europäischen Luftfahrtbehörde EASA wird ab Mitte Januar erwartet. Das Flugverbot war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit 346 Toten verhängt worden.

Weil Boeing die 737-Max-Maschinen nicht ausliefern konnte und die Produktion zudem zeitweise ganz stoppte, konnte der Konzern in den ersten elf Monaten über die ganze Modellpalette hinweg nur 118 Maschinen an seine Kunden übergeben. Die Zahlen vom Dezember hat Boeing noch nicht veröffentlicht. Zudem bestellten Boeing-Kunden in den Monaten Januar bis November mehr als 500 Flugzeuge ab.

Auch diese Bilanz sieht bei Airbus trotz der herben Folgen der Pandemie für Fluggesellschaften in aller Welt deutlich besser aus. Im Gesamtjahr holte Airbus neue Bestellungen über 383 Maschinen herein - vor allem vor dem Ausbruch der Pandemie. Im Gegenzug kassierte der Konzern 115 Stornierungen. Davon stammten 66 aus dem ersten Quartal und hatten nach früheren Angaben des Herstellers noch nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Gegen Jahresende kamen allerdings noch einige Abbestellungen hinzu. Einige davon stammten von der asiatischen Fluggesellschaft AirAsia-X, wie Airbus-Verkaufschef Christian Scherer bestätigte. Er nannte jedoch keine Details. AirAsia-X ist der Langstrecken-Ableger der malaysischen Billigfluggesellschaft AirAsia und hatte 78 Exemplare des Großraumjets A330neo bestellt. Das Unternehmen kämpft wegen des Geschäftseinbruchs in der Corona-Krise ums Überleben.

Trotz der Stornierungen sitzt Airbus nach wie vor auf einem dicken Auftragsbuch, das noch für viele Jahre reicht. Ende Dezember lag der Auftragsbestand bei 7184 Flugzeugen. Allerdings haben viele Fluggesellschaften die Abnahme bereits bestellter Maschinen um Monate oder Jahre in die Zukunft verschoben. Für die Produktion bei Airbus hat das weitreichende Folgen.

Im Frühling waren die Auslieferungszahlen des Herstellers wegen der Corona-Krise deutlich abgesackt. Seit dem Sommer ging es dann wieder ein gutes Stück aufwärts. Doch viele Fluggesellschaften wie Lufthansa <DE0008232125> konnten sich nur dank staatlicher Hilfen vor der Pleite retten. Zusätzliche Jets können sie derzeit nicht gebrauchen und tun sich wegen der eingebrochenen Einnahmen im Fluggeschäft auch mit der Bezahlung schwer.

Branchenvertreter erwarten, dass der weltweite Luftverkehr erst in einigen Jahren wieder das Niveau von 2019 erreicht. Auch wenn viele Länder inzwischen mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen haben, sieht Airbus-Chef Faury mit Blick auf die weitere Entwicklung im Fluggeschäft weiterhin eine große Unsicherheit.

Längst haben Airbus und Boeing den Abbau zigtausender Jobs angekündigt. Allein bei Airbus stehen 15 000 Stellen auf der Streichliste. Allerdings sollen wegen der verlängerten Kurzarbeiterregeln letztlich nicht ganz so viele Arbeitsplätze wegfallen. Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite kämen voran, sagte Faury. Neueinstellungen kann er sich erst ab dem Jahr 2022 oder 2023 wieder vorstellen. Schließlich würden jetzt nicht so viele Stellen gestrichen, wie es die gedrosselte Flugzeugproduktion eigentlich erwarten lasse.