In der Bankenwelt ist der Name Rothschild eine Institution. Jetzt leitet die Investmentbank offenbar den lang erwarteten Führungswechsel ein.

In der Bankenwelt ist der Name Rothschild eine Institution. Jetzt leitet die Investmentbank offenbar den lang erwarteten Führungswechsel ein.


Alexandre de Rothschild ist der Inbegriff des diskreten Bankiers. Wenn er in den vergangenen Jahren gefragt wurde, wann er denn die Leitung der Bank mit seinem Namen übernehme, winkte er bescheiden ab. „Es wird sein, wenn der richtige Augenblick gekommen ist“, sagte er 2012 in einem seltenen Interview dem „Manager Magazin“.

Nun scheint seine Geduld belohnt zu werden. Wie die „Financial Times“ berichtet, soll der 37-Jährige im Juni Chairman der französisch-britischen Investmentbank werden. Sein 75-jähriger Vater David de Rothschild werde sich dann zurückziehen.

Der Führungswechsel von der sechsten zur siebten Generation wird seit Jahren erwartet, der Sohn sorgfältig auf die Aufgabe vorbereitet. 2008 fing er in dem Familienunternehmen an, nachdem er zuvor bei der Konkurrenz in New York und London (Bear Stearns, Bank of America) das Geschäft gelernt hatte. Seit 2012 ist er Mitglied des Boards und Stellvertreter seines Vaters.

Die Investmentbank wurde vor über 200 Jahren von Mayer Amschel Rothschild gegründet. Dessen fünf Söhne bauten sie im 19. Jahrhundert zur führenden Bank Europas auf und machten die Rothschilds zur reichsten Familie der Welt. 2012 führte David de Rothschild den französischen und den britischen Zweig der Bank wieder zusammen. Die Familie hält bis heute 58 Prozent der stimmberechtigten Anteile.

Die Bank hat sich immer auf die Beratung konzentriert. Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen ist zuletzt leicht geschrumpft, doch konnte das Haus im vergangenen Jahr im M & A-Ranking von Dealogic den fünften Platz in Europa verteidigen – vor Konkurrenten wie Morgan Stanley oder der Deutschen Bank.

Alexandre de Rothschild übernimmt ein wachsendes Unternehmen. Der Umsatz betrug in der ersten Hälfte des letzten Geschäftsjahres 852 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn lag bei 206 Millionen Pfund – ein Plus von zehn Prozent. Besonders stark wachsen die Vermögensverwaltung und der Private-Equity-Arm, für dessen Ausbau der künftige Chef zuletzt zuständig war. Die Bank beschäftigt 2800 Mitarbeiter, darunter auch mehrere Butler in der Londoner Niederlassung.