Rotes Kreuz will arme Staaten bei Corona-Impfungen unterstützen

·Lesedauer: 2 Min.
Medizinisches Personal vor einer Corona-Klinik in Malawi

Das Rote Kreuz will arme Staaten bei den Impfungen ihrer Bevölkerungen gegen das Coronavirus unterstützen. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Genf teilte am Donnerstag mit, sie werde 100 Millionen Schweizer Franken (92,5 Millionen Euro) bereitstellen, um die Impfung von rund 500 Millionen Menschen in mehr als hundert Ländern zu ermöglichen. Die Industrienationen rief die IFRC zur Solidarität mit den Ärmsten auf.

"Der derzeitige Mangel an Gleichberechtigung beim Zugang zu Covid-19-Impfstoffen ist besorgniserregend und könnte tödliche und verheerende Auswirkungen haben", sagte IFRC-Generalsekretär Jagan Chapagain vor Journalisten. Bisher seien fast 70 Prozent aller Corona-Impfstoffdosen in den 50 reichsten Ländern der Welt verabreicht worden, während nur 0,1 Prozent der bisherigen Impfungen in den 50 ärmsten Ländern der Welt erfolgt seien.

Eine Fortsetzung der weltweiten Corona-Impfkampagne ohne flächendeckende Einbeziehung der Ärmsten könne "diese schreckliche Pandemie verlängern oder sogar verschlimmern", warnte Chapagain. So bestehe etwa die Gefahr, dass in Weltgegenden ohne ausreichenden Schutz vor dem Virus gefährliche neue Virus-Mutanten entstünden. Die reichen Staaten rief er dazu auf, Impfstoffe auch für ärmere Länder zur Verfügung zu stellen.

Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) forderte am Donnerstag die reichen Länder dazu auf, ihre über die Versorgung von Hochrisikogruppen hinausgehenden Impfstoffvorräte zu teilen. Vor allem in stark von der Pandemie getroffenen Ländern wie Malawi, Mosambik und Eswatini, dem ehemaligen Swasiland, würden dringend Corona-Impfstoffe benötigt. In allen drei Ländern wüte die ansteckendere Virus-Mutante.

Der Berliner Arzt Tankred Stöbe, der derzeit als medizinischer Notfalldirektor von MSF in der malawischen Großstadt Blantyre arbeitet, berichtete von einem "dramatischen exponentiellen Anstieg an Covid-19-Infektionen" in dem südostafrikanischen Land. Besonders wichtig sei es nun, das medizinische Personal in dem Land zu impfen, das direkt gegen das Coronavirus kämpfe.

Am Mittwoch hatte die internationale Covax-Initiative ihre erste Liste mit Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen veröffentlicht, in denen Corona-Impfstoffe verteilt werden sollen. Demnach sollen Ende Februar die ersten von insgesamt 337,2 Millionen Impfstoffdosen an rund 145 Länder ausgeliefert werden.

Die Covax-Initiative wird gemeinsam von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Impfallianz Gavi und dem Bündnis Cepi zur Impfstoffforschung geleitet und will dafür sorgen, dass auch die Bevölkerungen armer Staaten mit Corona-Impfstoffen versorgt werden. Zu den Teilnehmerstaaten gehören unter anderem Nigeria, Pakistan und Vietnam.

Die Hilfsorganisation World Vision begrüßte den bevorstehenden Start der Covax-Impfungen, betonte jedoch, dass für eine Beschleunigung der Impfungen ein Wissenstransfer in die Entwicklungs- und Schwellenländer nötig sei. Das "notwendige Know-how sowie die Technologien zur Impfstoffherstellung" müssten auch Produzenten in ärmeren Ländern zur Verfügung gestellt "und diese dadurch befähigt werden, selber Impfstoffe herstellen zu können", erklärte der Vorstandsvorsitzende von World Vision, Christoph Waffenschmidt.

isd/ans