Der Rosneft-Verwalter im Kreuzverhör: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Das Ölgeschäft läuft normalerweise sehr diskret, umso mehr Aufmerksamkeit dürfte der heutige Auftritt im Bundestag bekommen: Johannes Bremer, den die Bundesnetzagentur an die Spitze der enteigneten deutschen Rosneft-Sparte gesetzt hat, stellt sich den Fragen der Abgeordneten - mit Antwortpflicht. Die interessierte Öffentlichkeit kann es per Livestream verfolgen.

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Es geht um die wichtigste Beteiligung von Rosneft in Deutschland, die ostdeutsche PCK Raffinerie Schwedt. Sie ist ohne russische Lieferungen nurmehr zu rund 50%-60% ausgelastet mit dem bisschen Öl, das über eine dünne Pipeline aus Rostock und den Hafen Gdansk hereintröpfelt. Abhilfe verspricht Kasachstan, das lieferwillig ist und sogar eine Testcharge auf den Weg nach Schwedt gebracht hat — durch die russische Druschba-Pipeline.

Für weitere Lieferungen wünscht sich das zentralasiatische Land allerdings Klarheit auf deutscher Seite, unter anderem zu den künftigen Eigentumsverhältnissen in Schwedt und bei Rosneft Deutschland, wie Linken-Abgeordneter Christian Görke auf einer Reise nach Astana erfuhr. In zwei Wochen läuft die Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur aus. Das Wirtschaftsministerium hat jüngst mit einer Gesetzesnovelle die Möglichkeit geschaffen, Rosneft zu verkaufen. Was das für den Kasachen-Deal und damit auch die Zukunft von Schwedt und der deutschen Ölversorgung bedeutet, wird Bremer sicher heute im Parlament gefragt werden.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Die Abschreibungen auf Eigenanlagen deutscher Sparkassen dürften niedriger ausfallen als zunächst befürchtet, wie Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis im Bloomberg-Interview sagte.

  • Italien und Deutschland stellen sich gemeinsam gegen die Pläne Brüssels, Autos mit Verbrennungsmotor schrittweise von den Straßen zu verbannen.

  • Der Chef der Consumer-Health-Sparte der Bayer AG hat sich gegen Forderungen von Investoren gestellt, die kleinste der Konzernsparten abzuspalten oder zu verkaufen.

  • ProSiebenSat.1 muss den Jahresabschluss 2022 und womöglich auch die Hauptversammlung verschieben. Grund ist die plötzliche Erkenntnis, dass das Erlebnis-Gutschein-Geschäft der Sparte Jochen Schweizer unter das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz fallen dürfte.

ANALYSEN:

  • Mit der Eskalation der Spannungen zwischen Washington und Peking könnten die chinesischen Zulieferer von Apple schneller aus dem Land strömen als es viele Beobachter erwarten.

AKTIENMÄRKTE | Optimistische Konjunktursignale aus China bescheren der Börse Hongkong am Mittwoch einen Kurssprung. Der Hang-Seng-Index klettert mehr als 3,5% angesichts der Nachricht, dass die Industrieaktivität in der der Volksrepublik im Februar so stark angezogen hat wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Wall Street schloss am Dienstag leichter. Der S&P 500 gab im Februar 2,6% nach angesichts des Umstands, dass den Notenbankern insbesondere die Kerninflaton Kopfzerbrechen bereitet. Für den Handelsauftakt in Europa signalisieren die Futures einen Seitwärtstrend.

RENTENMÄRKTE | Am europäischen Staatsanleihemarkt überwog auch am Dienstag deutlich das Verkaufsinteresse. Die Rendite 10j Bunds legte den dritten Handelstag in Folge markant zu. Vor dem Hintergrund anziehender Inflation in Frankreich und Spanien preisten Händler zeitweise einen EZB-Zinsgipfel von 4% im Februar 2024 ein. Heute stehen die deutschen Verbraucherpreisdaten an. Von Bloomberg befragte Ökonomen rechnen im Monatsvergleich mit einem Anstieg der EU-harmonisierten Teuerung auf 0,7% von 0,5% im Januar. Deutschland beschafft heute insgesamt €2 Mrd über Anleihen mit Laufzeiten bis 2038 und 2039.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt weitet am Mittwoch die Vortagesgewinne aus. Die Belebung der chinesischen Industriekonjunktur hellt den Nachfrageausblick auf. Die Ölnachfrage aus dem Reich der Mitte dürfte wieder die Hoch aus der Zeit von der Pandemie erreichen, sagt Ravindra Rao, Chef der Rohstoffanalyse bei Kotak Securities in Mumbai. Der Goldpreis legt den dritten Tag in Folge zu. Im Fokus stehen die weiteren Inflationdaten aus Deutschland und der Eurozone.

TERMINE AM MITTWOCH

  • Quartalszahlen Europa: Kühne & Nagel, Just Eat Takeaway.com, Beiersdorf, Ahold Delhaize, Puma, Reckitt Benckiser, Aston Martin Lagonda

  • Februar-Inflation: Nordrhein-Westfalen (07:30), Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen (10:00), Sachsen (11:00); Deutschland gesamt (14:00)

  • 08:00 Deutsche Reallöhne 2022

  • Einkaufsmanagerindex/PMI verarbeitendes Gewerbe Frankreich (09:45), Deutschland (09:55), Eurozone (10:00), USA (15:45)

  • 09:55 Arbeitsmarktdaten Februar

  • 11:00 Bundesbankpräsident Nagel präsentiert den Geschäftsbericht 2022

  • 11:00 Bundesregierung, Kabinettssitzung

  • 13:00 Bundestag, Regierungsbefragung von Finanzminister Lindner und Bauministerin Geywitz

  • 13:00 Regierungs-PK

  • 13:30 Wirtschaftsminister Habeck, Rede und Diskussion bei 2. BDEW Konferenz zur Infrastrukturentwicklung im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier

  • 13:45 Bundeskanzler Scholz, Pk nach Treffen mit lettischem Ministerpräsidenten Karins, Berlin

  • 16:00 EZB-Ratsmitglied Visco, Rede in Frankfurt School of Finance

  • Konjunkturdaten USA: Bauausgaben, ISM-Index verarbeitendes Gewerbe

  • Quartalszahlen USA: Salesforce.com

  • Überprüfung der Zusammensetzung der Aktienindizes Stoxx-50, Euro-Stoxx-50 und Stoxx-600

  • Börsenfeiertag Südkorea

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