Rosberg: Ferrari hat Räikkönen geopfert

Kimi Räikkönen von Ferrari hatte in Melbourne das Nachsehen - zum Vorteil von Teamkollege Sebastian Vettel

Mit einem Coup während der virtuellen Safety-Car-Phase hat sich Sebastian Vettel beim Saisonauftakt der Formel 1 in Melbourne den Sieg vor Dauerkonkurrent Lewis Hamilton geschnappt - und gibt zu: "Wir hatten natürlich etwas Glück."

Gleichwohl wusste der viermalige Weltmeister, dass er Lewis Hamilton ohne das Virtuelle Safety Car wohl kaum ernsthaft in Bedrängnis hätte bringen können.

"Das war eine strategische Meisterleistung von Ferrari. Sie haben es genial umgesetzt", lobte Ex-Weltmeister Nico Rosberg bei RTL, fand aber auch kritische Worte: "Leider haben sie Kimi strategisch etwas geopfert."

Titelverteidiger Hamilton gab sich kämpferisch: "Die WM ist noch lang - es ist nicht nur ein Rennen." (SERVICE: Die Fahrerwertung)

SPORT1 fasst die Stimmen von RTL, der Pressekonferenz und aus der Boxengasse zusammen:

Sebastian Vettel (Ferrari), Platz 1: "Ich habe für ein Safety Car gebetet - und plötzlich stand da der Haas in der Kurve. Dann stieg natürlich das Adrenalin. Ich musste vor Lewis rauskommen, denn es ist hier schwierig, zu überholen. Es war ein enger Fight, erst in den letzten Runden konnte ich es etwas genießen. Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen. Wir sind noch nicht auf einem Level mit Mercedes. Lewis war der schnellste Mann da draußen. Im letzten Jahr sind ein paar Rennen gegen uns gelaufen, das gleicht sich aus. Aber heute war es unser Schlüssel zum Sieg, keine Frage."


Lewis Hamilton (Mercedes), Platz 2: "Es war ein unglaubliches Wochenende. Glückwunsch an Sebastian und die Ferrari. Sie haben einfach den besten Job gemacht. Wir müssen uns das noch einmal anschauen und daran arbeiten. Am Ende konnte ich nochmal etwas Druck machen.  Ich habe versucht, den Druck aufrecht zu erhalten. Da sind mir ein paar Fehler unterlaufen. Kimi fuhr super. Aber in meinen Gedanken bin ich gegen Sebastian gefahren. Deshalb habe ich auf den Vorsprung zu ihm geachtet. Ich ahnte, dass Ferrari mich gegen Sebastian mit Kimi ausspielen möchte."

Kimi Räikkönen (Ferrari), Platz 3: "Das Rennen war okay. Was willst du machen? Glücklicherweise hatte Sebastian das Glück auf seiner Seite. Der Speed war eigentlich ganz in Ordnung aber es ist hier einfach schwierig zu überholen. Ich bin an Lewis drangeblieben, habe es in Kurve zwei einmal versucht, kam aber nicht vorbei. Red Bull hatte am Ende etwas frischere Reifen, aber ich habe das Podium verteidigen können. Was wir vorhatten, war klar und deutlich. Manchmal hast du Glück, manchmal eben nicht. Heute ging es so aus, dass wir am Ende zwei Autos auf dem Podium hatten."  (SERVICE: Der Rennkalender)

Fernando Alonso (McLaren), Platz 5: "Das war ein gutes Rennen. Wir hatten großes Potenzial. Jetzt können wir uns verteidigen und angreifen, das ist jetzt ein anderes Rennfahren. Jetzt müssen wir noch mehr Performance aus dem Auto holen. Wenn alles nach Plan läuft, sollten wir bald nahe an Red Bull dran sein."


Max Verstappen (Red Bull), Platz 6: "Der Start war gut. Sebastian ist nach innen gezogen und dann hatte ich keinen Platz mehr. Das hat Magnussen zu seinen Gunsten genutzt und ist vorbeigezogen. Nach fünf, sechs Runden hatte ich immer mit viel Untersteuern in der Mitte der Kurven zu kämpfen. Deshalb war es schwierig zu fahren. Danach hatte ich einen Dreher - das war schade. Ich glaube nicht, dass ich zu viel riskiert habe."

Nico Hülkenberg (Renault), Platz 7: "Es war ein spannendes Rennen. Am Ende wurde es mit dem Sprit ziemlich eng. Ich wollte den siebten Platz gegen Bottas natürlich nicht hergeben, musste mit dem Sprit aber höllisch aufpassen. Letztendlich ist es ein guter und verdienter siebter Platz." (SERVICE: Die Teamwertung)

Nico Rosberg (Ex-Weltmeister): "Das war eine strategische Meisterleistung von Ferrari. Sie haben es genial umgesetzt. Leider haben sie Kimi strategisch etwas geopfert. Da war ganz klar Sebastian die Nummer eins. Lewis musste auf Kimi reagieren. Somit konnte Sebastian draußen bleiben und das gibt dann viele Chancen. Dann kam auch noch ein bisschen Glück dazu. Mercedes lag um fünf Sekunden daneben. Da lief irgendetwas massiv falsch. Das hat sie den Sieg gekostet."


Toto Wolff (Mercedes-Teamchef): "Sie haben Kimi früh reingeholt. Da mussten wir reagieren, um nicht undercutted zu werden. Dann verlierst du natürlich, wenn ein virtuelles Safety Car kommt. Nichtsdestotrotz haben wir gedacht, wir hätten ausreichend Gap. Unsere Software hat uns 15 Sekunden ausgespuckt, die Vettel hätte haben müssen. Es waren aber nur elf. Dann kommt das Fernsehbild und plötzlich fährt er vor uns auf die Strecke raus. Ich glaube, alle drei Teams haben das Potential für den Titel. Wir haben eine sensationelle Runde von Ricciardo am Ende gesehen. So wird das die ganze Saison hin und her gehen." 

Maurizio Arrivabene (Ferrari-Teamchef): "Wir hatten eine gute Strategie und die Jungs haben prima gearbeitet. Der Sieg hat sehr viel Spaß gemacht."

Sergio Marchionne (Ferrari-Chef): "Es hätte keinen besseren Start für Ferrari in diese Weltmeisterschaft geben können. Die italienische Nationalhymne in Melbournezu hören war ein emotionaler Moment für uns alle. Das ist die bestmögliche Belohnung für das Team, das ein konkurrenzfähiges Auto gebaut und eine perfekte Strategie ausgeführt hat, um den Vorteil im Rennen auszuspielen."