Roman: Italienische Sehnsucht

Zeichnet das Panorama vom Nachkriegsitalien bis in die 70er-Jahre nach: Elena Ferrantes Freundinnensaga, die in einem neapolitanischen Vorort spielt

"Bitte spoiler mich nicht", bittet mich eine Freundin, als ich ihr erzähle, dass ich gerade den dritten Teil von Elena Ferrantes Freundinnen-Saga lese. Sie hat die ersten beiden Romane, "Meine geniale Freundin" und "Die Geschichte eines neuen Namens", so verschlungen wie ich und Millionen andere Leser – Ferrantes Epos wurde mittlerweile in 40 Sprachen übersetzt – und sie wartet nun darauf, wie es weitergeht im archaischen Neapel des vergangenen Jahrhunderts. Ohne zu viel zu verraten, das sage ich auch ihr: Es bleibt so brutal wie bisher. Es wird gestorben und geschossen, geohrfeigt und geschrien. Es wird geliebt, gehasst, betrogen.

Angefangen hat die Geschichte um die beiden Freundinnen Lila und Lenù, die Protagonistinnen der Saga, ja in den 50ern. In den ersten Bänden erlebt man die beiden als Grundschulkinder und Teenager. Man liest, wie sie sich im Nachkriegsitalien verlieben und entlieben, auch in den gleichen Mann. Wie sie ringen, um Noten und Zuneigung, immer auch um sich selbst, ihre Freundschaft und – das ist zentral – um ein besseres Leben. Denn Lenù und Lila leben in einem Vorort, dem Rione, der mehr Ghetto ist als italienische Idylle. Hier regiert kein Gesetz, sondern Gewalt. Und, klar, der, der sich das meiste Geld ergaunern kann. Don Vito Corleone lässt grüßen. Lenù schafft es heraus aus diesem Sumpf an familiären Zwängen, Lila trotz Cleverness bloß in die benachbarte Wurstfabrik.

Zwischen Dreck und Spucke, Blut und Galle und Herz

Im dritten und vorletzten Teil, der...

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