Romain Grosjean: Was von Haas' Netflix-Folge wahr ist und was nicht

Stefan Ehlen

"Da sieht man mal, wie hart es in dieser Welt wirklich zugeht", meint Romain Grosjean. Deshalb sei er ein großer Fan der Formel-1-Dokumentation "Drive to survive", die von Netflix produziert wird. Darin sei eine andere Seite der Formel 1 zu sehen. Doch wie viel Wahrheit steckt in den einzelnen Episoden?

Gibt es die Schimpftiraden von Haas-Teamchef Günther Steiner auch dann, wenn die Kameras nicht laufen? Knallt Grosjean-Stallgefährte Kevin Magnussen häufiger die Türen hinter sich zu? Und mit welchen Gefühlen sieht sich Grosjean selbst die Netflix-Szenen an?

Grosjeans Antwort auf all diese Fragen: So gehe es tatsächlich zu in der Formel 1. "Das ist das Überraschende daran", wie er meint. Bei Haas gäbe es wirklich "keine Politik, keine versteckte Agenda. Bei anderen Teams mag das aber ganz anders aussehen."

Warum bei Haas immer Klartext geredet wird

Teamchef Steiner zum Beispiel sei definitiv ein Freund klarer Worte. "Wenn Günther nicht zufrieden ist, dann sagt er es dir auch. Das bedeutet nicht, dass er wütend auf dich ist, sondern er sagt einfach, was richtig ist und was falsch."

Es gehöre aber zur Teamkultur bei Haas, dass dieser Austausch auch in die andere Richtung erfolgen könne, dass die Fahrer Steiner klipp und klar ihre Meinung sagen. "So arbeiten wir", meint Grosjean. Und so war der US-Rennstall auch in Netflix zu sehen.

Die Spannungen im Team seien keineswegs aufgesetzt gewesen, betont Grosjean. Er selbst habe daran zu knabbern gehabt. Wer sich die Dokumentation ansehe, könne das sicherlich nachvollziehen.

Situation zehrt an Grosjeans Nerven

Grosjean schildert einen interessanten Austausch mit einem seiner Freunde: "Er hatte mir eine Mail geschickt und mich nach Tickets für den USA-Grand-Prix gefragt. Ich antwortete: 'Schau mal, derzeit konzentriere ich mich auf das Rennfahren.'"

Der Teamchef bittet zum Gespräch: 2019 waren die Haas-Fahrer oft "Talkgäste" ...

Der Teamchef bittet zum Gespräch: 2019 waren die Haas-Fahrer oft "Talkgäste" ... LAT

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Später habe sich der Freund noch einmal bei Grosjean gemeldet - nachdem er sich die Haas-Folge bei Netflix angesehen hatte. Er schrieb: "Es tut mir furchtbar leid, dass ich dich um ein Ticket behelligt habe. Denn jetzt verstehe ich, in welcher Situation du dich damals befunden hast. Es war nicht die beste Zeit, um dich zu fragen."

Grosjeans Fazit: "Die Leute kapieren jetzt, unter welchem Druck du eigentlich stehst." Die Formel-1-Dokumentation rücke das ins Scheinwerferlicht.

Eine Überraschung aber gab es doch ...

Ob er sich dabei als Schauspieler fühle? Grosjean verneint. An der Rennstrecke blende er "vollkommen" aus, dass die Netflix-Crew jeden seiner Schritte verfolge. "Es ist mir einfach egal", sagt Grosjean.

Er wisse zwar vorher, mit welchen Szenen im TV zu rechnen sei, habe hinterher beim Fernsehvergnügen aber selbst eine große Überraschung erlebt, sagt Grosjean: "Ich wusste wirklich nicht, dass man zuhause bei Günther Deutsch spricht!"

Er nehme die ganze Sache so oder so mit Humor. "Ich lache darüber", meint Grosjean. "Mir ist es egal, und für die Fans ist es doch großartig. Es öffnet die Formel 1 für Leute, die bisher nicht viel darüber wussten. Und die Qualität ist unglaublich. Ich halte es für großartig."

Mit Bildmaterial von LAT.