Rom und seine Regionen

Sie wollen keine Unabhängigkeit, aber mehr Autonomie: Die beiden italienischen Regionen Lombardei und Venetien haben bei der Volksabstimmung für mehr Kompetenzen gegenüber Rom gestimmt. In der Lombardei waren es laut Hochrechnungen 95% Ja-Stimmen, in Venetien sogar 98%. Der Gouverneur von Venetien Luca Zaia sprach von einem “Big Bang der institutionellen Reformen” – die Wahlbeteiligung in der Lombardei lag jedoch nur bei knapp 40%. Vor allem in Mailand haben kaum Menschen ihre Stimme abgegeben. In Venetien waren es fast 60%.

Bei der wichtigsten italienischen Zeitung “Corriere della Sera” mit Haupsitz in Mailand spricht man von den “ungehörten Menschen in Norditalien”.

Massimo Rebotti, Journalist bei “Corriere della Sera”, erklärt: “Es gibt ein Gebiet, das über die Lombardei und Venetien hinaus reicht, und für das der Corriere della Sera die Grenze “A4” zieht: die Autobahn, die den gesamten Norden bis von Turin nach Triest abtrennt. Ein Gebiet, das aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit näher an Europa liegen will. Das ist der interessanteste Aspekt der gestrigen Abstimmung.”

Es sind insgesamt fünf Millionen Menschen – drei Millionen Lombarden und zwei Millionen Venetier, die im gestrigen Referendum für mehr Autonomie gestimmt haben. Mit ihnen muss sich Rom nun befassen. Unklar ist noch, welche Regierung mit der neuen Autonomie-Partei Gespräche führen muss. Die Antwort gibt es bei den nächsten Parlamentswahlen.