Rolls-Royce lud mich ein, eine Nacht lang wie die Käufer seiner 400.000-Dollar-Autos zu leben

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Rolls-Royce ist einer der exklusivsten Automobilhersteller der Welt und bedient einige der exklusivsten Autokäufer der Welt. Das bedeutet, wenn Rolls-Royce etwas macht – einschließlich Geheimhaltung –, dann macht der Autobauer das sehr gut.

Und so erhielt ich eines Tages einen Anruf und wurde gefragt, ob ich Mitte Oktober Zeit hätte, um im Schutz der Dunkelheit ein geheimes Auto zu fahren. Dafür müsste ich ein spezielles Dokument unterschreiben. Ich unterschrieb und erfuhr die Gründe für die Geheimhaltung: Die Rolls-Royce Ghost Limousine, deren Preis bei über 300.000 Dollar beginnt, würde die berühmte "Black Badge"-Behandlung von Rolls-Royce erhalten. Kaum jemand außerhalb von Rolls-Royce weiß von ihrer Existenz.

Black-Badge-Autos bieten (wenig überraschend) schwarze Abzeichen, ein schwarzes Spirit-of-Ectasy-Haubenenemblem, mehr Leistung, schärferes Handling und andere Extras. Sie machen etwa 30 Prozent des weltweiten Verkaufsvolumens von Rolls-Royce aus.

Kurz nach dem Anruf tauchte plötzlich ein 330.000 US-Dollar teurer Rolls-Royce Cullinan SUV vor meinem Haus auf. Er brachte mich zu einem kleinen Flugplatz, der aussah wie das Versteck eines Bond-Schurken. Das Dekor war beabsichtigt, es ist eine Black-Badge-Umgebung. Diese Autos sind für ein jüngeres Publikum bestimmt, das mehr Aufregung mit seinem Luxus verbinden möchte und es genießt, im Trend zu sein.

Als ich am Abend der Veranstaltung an meinem Zielort ankam, öffneten sich die Hangartore und gaben den Blick auf eine pechschwarze Start- und Landebahn frei, auf der dank der typisch britischen Wolkendecken kein Mond zu sehen war. Ich wurde zu einem Ghost geführt – schwarz über schwarz mit doppeltem schwarzem Nadelstreifen- und von einem mutigen Instrukteur, der als Beifahrer mit mir fuhr, angewiesen, in das Nichts vor uns zu fahren.

Er führte mich zum Fuße der Landebahn des Flugplatzes, nur um zu zeigen, wie leistungsfähig das Black Badge wirklich ist. Abgesehen von den beeindruckenden Scheinwerfern des Ghost waren grüne und rote Leitkegel mein einziger Wegweiser in die Nacht. Wenn es eine bessere Möglichkeit gibt, einen 591 PS starken V12 mit Doppelturboaufladung ohne Angst vor neugierigen Blicken zu präsentieren, dann würde ich sie gerne sehen. Ich drückte aufs Gas, bis die grünen Startbahnlichter auf Rot wechselten und mir sagten, ich solle das andere Pedal durchtreten. Der allradgetriebene Ghost segelte in die Dunkelheit vorwärts – und kam später ruckartig zum Stehen.

Black Badge-Fahrzeuge bieten dem Fahrer etwas mehr akustische Reize als die meisten anderen Rolls-Royce, die den Innenraum von den Geräuschen der Außenwelt und des Fahrzeugs selbst abschirmen. Wo normalerweise Stille herrschen würde, dringt ein satter, tiefer Motorton durch den Innenraum – der V12 gibt meinen Ohren eine sanfte Begleitung zu dem, was er mit dem Rest meiner Sinne macht (außer dem Geschmack natürlich).

Jeder Gangwechsel war unmerklich und jede Unebenheit der Straße wurde von den in den Ghost eingebauten Kameras erkannt, die das Hightech-Fahrwerk anweisen, sie auszubügeln. Nie hat sich ein Tempo von 180kmh geschmeidiger angefühlt.

Bei einer zweiten Geschwindigkeitsprüfung wurde ich angewiesen, die "LOW" Taste am Schalthebel zu drücken – das, was einer Sporttaste am nächsten kommt. Als ich das Gaspedal so tief wie möglich in den Teppichboden drückte, fühlte sich der Ghost viel lebendiger und aggressiver an, mit zusätzlichen Geräuschen im Innenraum und jeder Gangschaltung, die das Auto sanft vorwärtstrieb. Er fuhr nicht so geschmeidig wie davor, aber es machte definitiv mehr Spaß.

Wir fuhren sanft im Slalom, um die Handlenkung des Ghost zu demonstrieren. Bei Tempo 110 haben wir die Spur gewechselt, wobei der Wagen geschmeidig von einer Spur auf die andere wechselte. Er wechselte die Richtung flinker, als es bei einem so großen Fahrzeug der Fall sein sollte. Nach den Geschwindigkeits- und Geschicklichkeitsläufen sollte ich zu einem ungenannten Ort fahren, der ein paar Stunden entfernt lag. Die Dunkelheit hüllte die kleinen Landstraßen ein, sodass niemand Rolls-Royces neustes Modell sehen würde. Der Motor war außerdem so leise, dass man ihn sicher nicht hören würde.

Was Rolls-Royce so gut macht, ist das mühelose Fahren des Fahrzeugs. Die Lenkung könnte man mit einem Finger bedienen und das Gaspedal ist so reaktionsschnell, dass eine leichte Bewegung mit dem Knöchel ausreicht. Dank des GPS-gesteuerten Getriebes weiß das Auto, welcher Gang zu den Straßenverhältnissen in der Umgebung passt. Kaum ein Hauch des Straßenlärms stört die perfekte Ruhe im Innenraum. Der Ghost kann auf einer kurvigen Straße fahren und seine überraschenden Fähigkeiten präsentieren oder euch lautlos chauffieren. Beides beherrscht er hervorragend. Nachdem ich den Wagen durch einige der engeren Gassen Großbritanniens geschleust hatte, erreichte ich das zweite supergeheime Ziel: ein Winnebago in einem Landschaftspark. Ich wurde aufgefordert, den Fahrersitz zu verlassen und hinten einzusteigen, da ich nach Soho in London chauffiert werden sollte. Der schwarze Spirit of Ecstasy wurde eingefahren, um die wahre Natur des Wagens vor neugierigen Fotos zu schützen.

Um die Fahrt nach Soho noch angenehmer zu machen, kühlte eine Flasche Champagner im Kühlschrank auf dem Rücksitz des Ghosts. An den Armlehnen sind Halte für Champagnerflöten angebracht, damit unterwegs nichts verschüttet wird. Der Rolls-Royce Ghost Black Badge zeigte mir eine unbekannte Welt: eine Mischung aus hoher Energie, unbeschwerter, schöner Wildheit und wenig Stress. Alles in einer Welt, wenn auch nur für wenige Privilegierte.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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