Rollentausch in den Möbelhäusern der Familie Tessner


Die größte Freude eines Gründers ist es, wenn er bei seinen Kindern das Unternehmer-Gen wiederfindet.“ Das sagte Hans-Joachim Tessner, Gründer der Tessner Gruppe (Roller Möbel, Meda Küchen, Tejo-Märkte, Schulenburg Einrichtungshäuser) vor zwei Jahren dem Handelsblatt. Und weiter: „Unsere beiden Töchter suchen nicht die Bahamas-Lösung nach dem Motto: ‚Papa, verkauf das Unternehmen‘.“

Nun kann sich der Vater richtig freuen. Denn die Töchter treten seine Nachfolge im Goslarer Möbelimperium an. Anke Tessner-Schreyeck, 49, und Tessa Tessner, 39 (Foto), wurden zu Geschäftsführerinnen der Tessner Holding bestellt.

Der Senior, 74, hatte sich bereits im Januar 2018 von dort in den Beirat zurückgezogen. Die Holding leitet Kurt Jox, der im Januar von Wettbewerber Porta abgeworben worden war.

Tessa Tessner ist bereits seit vielen Jahren Geschäftsführerin für Marketing und E-Commerce bei Roller. Familie Tessner stammt aus der traditionsreichen Dynastie von Möbel Unger. Vor mehr als 30 Jahren hatte sich ihr Vater an einem Möbelmitnahmemarkt in Osnabrück beteiligt. Aus dem entstand Möbeldiscounter Roller mit heute rund 150 Filialen und 6 000 Mitarbeitern.

„Tessa brennt für das Unternehmen. Sie hat alles von der Pike auf gelernt“, sagt Rainer Kögel, Beirat der Tessner- Gruppe. Aufgewachsen in Goslar, besuchte sie die Möbelfachschule in Köln, hatte danach aber „erst einmal keine Lust mehr auf Möbel“. „Bei uns zu Hause saß die Firma als drittes Kind immer mit am Tisch“, sagt Tessa.


Nach dem BWL-Studium merkte sie, dass ihr Branchenwissen durchaus nützlich ist, und begann bei Roller als Einkaufsassistentin. Der Mitnahmemarkt hat sich seitdem stark gewandelt. „Früher“, räumt Tessa Tessner ein, „waren in Roller-Märkten Möbel in Eiche rustikal auf Paletten gestapelt.“ Heute gibt es Trend-Möbel und auch Markenküchen. „Das schmuddelige Image von Discountern sind wir losgeworden“, erklärt Tessner. „Wir richten uns an Smart Shopper, an Leute, die nicht sparen müssen, sondern wollen.“

Die Discounter-Strategie rechnet sich: 1,6 Milliarden Euro Umsatz machte die Tessner-Gruppe 2017. Damit ist sie die Nummer fünf im deutschen Möbelhausmarkt – hinter Ikea, XXXLutz, Höffner und Otto, ermittelte das Fachmagazin „Möbel Kultur“. „In der Branche gibt es radikale Veränderungen“, sagt auch Tessa Tessner. Laut Handelsforschungsinstitut ECC droht bis 2020 jeder dritten Möbelfiliale das Aus.

Sie setzt deshalb auf vernetzte Vertriebskanäle. „Als Möbeleinzelhändler ist Roller Pionier in Sachen Online-Shop“, sagt Martin Groß-Albenhausen vom E-Commerce-Verband BEVH. Während Vater Tessner als Patriarch alter Schule gilt, führe Tessa Tessner mit Charme, sagt Kögel. „Sie kann aber auch sehr hartnäckig sein.“

Tessas ältere Schwester Anke arbeitete nach Abitur und kaufmännischer Lehre ebenfalls im Unternehmen, zog dann vier Kinder groß. Ihr Mann Michael leitet die Tejo-Gruppe. Sie will sich künftig vor allem in der Tessner-Stiftung gesellschaftlich engagieren.

Die nächste Generation steht bei Tessners schon in den Startlöchern, freut sich Hans-Joachim Tessner. Zwei Enkelsöhne studieren und sammeln erste Praxiserfahrung in Start-ups.