Rolfes: Deshalb hat Bayer keine Angst vor Lewandowski

Patrick Berger
·Lesedauer: 4 Min.

Simon Rolfes lief von 2005 bis 2015 für Bayer Leverkusen auf. Nach seinem Karriereende blieb der Ex-Nationalspieler der Werkself treu. Bis 2018 arbeitete der Linksfuß als Leiter Jugend und Entwicklung in der Verwaltung. Seit etwas mehr als zwei Jahren ist er Sportdirektor beim Klub. (Bundesliga: Bayer Leverkusen- FC Bayern am Sa. ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Gemeinsam mit Geschäftsführer Rudi Völler und Trainer Peter Bosz ist Rolfes ein Architekt des Erfolgs bei Leverkusen. Vor dem Spitzenspiel des Tabellenführers gegen den FC Bayern spricht spricht der 38-jährige im SPORT1-Interview über das Erfolgsrezept, den abgewanderten Kai Havertz und Münchens Robert Lewandowski.

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SPORT1: Sie gehen am Samstag als Spitzenreiter in das Spiel gegen die Bayern. Wie groß ist die Bayer-Brust?

Simon Rolfes: "Die Stimmung ist natürlich gut, aber auch konzentriert und fokussiert. Es hat die Mannschaft in den letzten Wochen ausgezeichnet, dass sie ihre Aufgaben step by step angegangen ist. Das ist gerade mit Blick auf diesen engen Terminkalender enorm wichtig." (Tabelle der Bundesliga)

SPORT1: Was macht Bayer aktuell besser als die Konkurrenz?

Rolfes: "Peter Bosz macht es sehr gut. Er nimmt den ganzen Kader mit und rotiert immer wieder. Er gibt jedem Spieler eine Chance, schenkt Vertrauen und bietet eine Perspektive. Auch wenn natürlich immer nach dem Leistungsprinzip aufgestellt wird. Auch Spieler, die ein wenig hintendran sind, nutzen ihre Chancen und pushen die Mannschaft nach vorne. Das löst natürlich viel Energie in der Mannschaft aus."

SPORT1: Haben Sie trotz des Havertz-Abgangs und der schwierigen Vorbereitung mit so einer Leistung gerechnet?

Rolfes: "Wir mussten uns etwas reinkämpfen in diese schwierige Saison, gerade nach dem ungewöhnlichen Sommer, in dem wir ja noch das Europa-League-Turnier gespielt hatten. Mit Kai haben wir einen wichtigen Spieler verloren, der in den letzten Jahren die herausragende Figur bei Bayer 04 war. Wir hatten aber auch die Erwartung an einige unserer Spieler, dass sie den nächsten Schritt machen. Die Lücke, die Kai hinterlassen hat, können jetzt mehrere Spieler schließen. Dieser Prozess geht gerade sehr schnell voran."

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SPORT1: Wie sehen Sie die Entwicklung von Kai Havertz beim FC Chelsea?

Rolfes: "Ich bin immer mal wieder mit ihm im Austausch und verfolge natürlich seine Spiele in England. Kai hatte einen guten Auftakt mit Chelsea und war dann leider an Corona erkrankt. Die vier Wochen Pause haben ihn körperlich stark mitgenommen. Er braucht Zeit, um jetzt wieder topfit zu sein. Er sammelt Kraft, um im neuen Jahr anzugreifen. Ich bin mir sicher, dass er einen großen Sprung machen wird."

SPORT1: Bayer ist erstmals nach über sechs Jahren am 12. Spieltag Erster. Was löst das im Klub aus?

Rolfes: "Die Tabellenplatzierung ist momentan nicht relevant für uns. Wir befinden uns noch sehr früh in der Saison. Wir haben das bis hierhin hervorragend gemacht. Nun wollen wir weitermachen. Wir sind gut drauf und wollen auch gegen die Bayern drei Punkte holen." (Spielplan der Bundesliga)

SPORT1: Robert Lewandowski wurde zum Weltfußballer gewählt. Verdient?

Rolfes: "Das ist sehr verdient und es freut mich, dass ein Spieler aus der Bundesliga diese Auszeichnung erhalten hat. Er hat über Jahre hinweg herausragende Leistungen gezeigt. Das ist auch eine Auszeichnung für die Bundesliga, die in den vergangenen Jahren mit Blick auf den internationalen Vergleich vielfach kritisiert wurde. Die Bayern sind Champions-League-Sieger, aktuell sind alle international spielenden Teams weiter, wir stellen den Weltfußballer und den Welttorhüter Manuel Neuer – das zeigt, dass die Bundesliga viel zu bieten hat."

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SPORT1: Kann man Lewandowski ausschalten?

Rolfes: "Wir haben gute Abwehrspieler, denen das schon oft gelungen ist. Wir werden alles daran setzen, um ihm das Leben auf dem Platz schwerzumachen."

SPORT1: Ist Bayer in diesem Jahr reif für den Titel?

Rolfes: "Es ist noch viel zu früh, um über Titel zu sprechen. Damit beschäftigen wir uns nicht. Für uns geht es in dieser Phase der Saison darum, so viele Punkte wie möglich zu machen."

SPORT1: Kann es ein Vorteil für Ihre Mannschaft sein, dass Bayern ein wenig müde ist?

Rolfes: "Die Bayern haben im Kalenderjahr 2020 zwei Spiele mehr als wir gespielt. Das ist nicht ausschlaggebend. Beide Vereine haben eine fast identische Belastung."

SPORT1: Zu den positiven Überraschungen der Saison zählt der erst 17-jährige Florian Wirtz. Wie sehen Sie die Entwicklung von ihm und wann unterschreibt er einen neuen Vertrag?

Rolfes: "Er macht eine wunderbare Entwicklung. Florian ist in ein gutes Team eingebettet, das ihn voll unterstützt. Das ist wichtig für einen jungen Spieler. Wir waren schon optimistisch, dass er dieses Jahr viel spielen und Leistung zeigen wird. Wir sind in gutem Austausch, was seine weitere Zukunft bei Bayer Leverkusen betrifft."