Roland Kaiser verrät in Gottschalks "Hitparade": Sein größter Hit war als "Scherz" gemeint

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Bei der "Zugabe" zur Jubiläumsshow "50 Jahre ZDF-Hitparade" kamen nun auch jene Altstars zu Ehren, die vor zwei Jahren vergessen wurden. Dumm nur, wenn der Moderator der Nostalgie-Gala mit Schlagermusik nach wie vor nur bedingt viel anfangen kann. Roland Kaiser immerhin wusste zu verblüffen.

Wenn Roland Kaiser (rechts) erzählt, hört sogar Thomas Gottschalk aufmerksam zu. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)
Wenn Roland Kaiser (rechts) erzählt, hört sogar Thomas Gottschalk aufmerksam zu. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)

Es gibt Jubiläen, die sind verpflichtend. "50 Jahre ZDF-Hitparade" gehört ganz fraglos dazu. Fällig war es allerdings schon im Jahr 2019, und dass es nicht übersehen werden konnte, dafür sorgte neben einer großen ZDF-Geburtstagsgala mit Thomas Gottschalk auch ein kleiner Skandal. Es wurden nämlich nicht alle eingeladen, die darauf ein Anrecht erkannten.

Thomas Gottschalk hatte sich schon im April 2019 vor der Kultshow und ihrem verstorbenen Moderator Dieter Thomas Heck verneigt. Nun kehrte er mit einer Zugabe zurück. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)
Thomas Gottschalk hatte sich schon im April 2019 vor der Kultshow und ihrem verstorbenen Moderator Dieter Thomas Heck verneigt. Nun kehrte er mit einer Zugabe zurück. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)

"50 Jahre 'ZDF-Hitparade' ohne meinen Hit 'Jenseits von Eden' ist wie backen ohne Mehl - total bescheuert!", ereiferte sich etwa Nino de Angelo. Bata Illic ("Michaela") zeigte sich weiland "sehr enttäuscht". G.G. Anderson bekundete: "Es tut weh, jetzt so ausgemustert zu werden." Graham Bonney empfand die Sendung gar als einen "Schlag ins Gesicht für alle Schlagerfans" - "Dem ZDF sage ich: Ihr könnt mich mal!" Und Ireen Sheer schimpfte auf den Moderator, "der so gar nichts mit Schlager am Hut hat".

 Gottschalk versichert: "Diesmal bin wirklich freiwillig da"

Zwei Jahre nach der ganzen Aufregung sah sich das ZDF nun offenbar bemüßigt nachzulegen. "50 Jahre ZDF-Hitparade - Die Zugabe", hieß die Samstagabendshow-Fortsetzung. Ireen Sheer ward nicht gesehen, aber für Nino de Angelo war nun Platz auf der Ehrengästeliste, Bata Ilic durfte seine "Micheala" besingen, G.G. Anderson gab ein "Mädchen, Mädchen"-Playback zum Besten, und Graham Bonney, augenscheinlich ebenfalls mit dem ZDF blitzversöhnt, sang "Wähle 3-3-3".

Der Moderator war allerdings immer noch der, "der so gar nichts mit Schlager am Hut hat". Daraus machte Thomas Gottschalk auch diesmal keinen Hehl. Manchmal wirkte es fast, als wolle er sich für seine Anwesenheit in der Show entschuldigen.

Die Feierfreude von Thomas Gottschalk (links) und Giovanni Zarrella ist ansteckend. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)
Die Feierfreude von Thomas Gottschalk (links) und Giovanni Zarrella ist ansteckend. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)

"Beim ersten Mal" habe er "noch gezickt", als ihm der Job angetragen wurde, ließ der "Wetten, dass ..?"-Veteran bei der Anmoderation wissen. Schließlich habe er es sich nicht mit den Status-Quo-Fans verscherzen wollen. Aber "50 Jahre ZDF-Hitparade" sei eben seine erfolgreichste Fernsehshow der letzten Jahre gewesen. "Diesmal bin ich wirklich freiwillig da", versicherte er. Freiwillig womöglich, unbefangen wirkte er aber nicht immer. 

"Man wird uns als nostalgische Zausel beschreiben"

Dass deutscher Schlager auch ohne das Mitwirken Helene Fischers selbst in Kreisen jüngerer Menschen bisweilen als "Kult" verehrt wird, scheint Gottschalk entgangen zu sein. "Wir werden mit dieser Veranstaltung nicht zum Trending Topic", kapitulierte der weltläufige Franke vorsorglich vor der Twitter-Blase. "Ich glaube nicht, dass man uns auf vielen Laptops heute Abend zuschaut oder auf irgendwelchen Smartphones. Man wird uns als nostalgische Zausel beschreiben." Aber damit könne er leben. "Die haben die Klicks, wir haben die Hits."

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Als die ersten jener Hits verklungen waren und eine "Herrenrunde" auf dem Sofa Platz nahm, glättete Gottschalk - wohl aus leidvoller Erfahrung diskriminierungssensibel geworden - gleich die nächste fantasierte Woge: "Ich entschuldige mich gleich bei den Damen, die kommen selbstverständlich auch zu ihrem Recht." Dass die "Hitparaden"-Legenden mehrheitlich männlich sind, erklärte er damit, dass so viele Frauen früher "fleißig" Fanpost geschrieben hätten.

Nino de Angelo glänzt mit viel Power auf der Bühne. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)
Nino de Angelo glänzt mit viel Power auf der Bühne. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)

Den Österreicher Andy Borg kündigte Gottschalk wenig später als eines der "Gesichter des deutschen Schlagers" an. Zum Glück war der einstige "Musikantanstadl"-Gastgeber zur lustvollen Selbstironie aufgelegt. Er erinnerte sich, wie ihn einst die verehrten Landsleute Rainhard Fendrich und Falco wegen seiner nur vermeintlich mickrigen Plattenverkäufe gehänselt hätten. Kein Wunder, dass ihn ein Foto von seiner "Hitparaden"-Premiere zeigt wie ein verschrecktes Kaninchen. Borg: "Es war mein allererster Fernsehauftritt, sie hatten Angst, was ich mit den Fingern mach', drum haben sie mir eine Gitarre umgehängt. Ich kann nicht Gitarre spielen." 

Roy Black und die "furchtbaren Schmachtfetzen"

Das verhält sich bei Jürgen Drews anders, der "König von Mallorca" kam im Glitzerfummel mit farblich abgestimmter E-Gitarre. Er unterstellte Gottschalk, Schuld an seiner jahrelangen Schlager-Aversion zu tragen, was der nicht abstritt: "Ich kann nicht behaupten, dass ich in meiner Radio-Zeit als Discjockey viel für den deutschen Schlager getan hätte." Der Kabarettist Wolfgang Trepper streute noch mehr Salz in die Wunden, die musikalische Minderwertigkeitskomplexe reißen können.

Gipfeltreffen der Moderations- und Show-Größen: Thomas Gottschalk begrüßt Paola Felix. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)
Gipfeltreffen der Moderations- und Show-Größen: Thomas Gottschalk begrüßt Paola Felix. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)

Angeschmiegt an einen Pappmaschee-Roy-Black dozierte Trepper historisch korrekt: "Dieser wunderbare Mann hat Schmachtfetzen gesungen, die waren furchtbar. Trotz 25 Millionen verkaufter Platten eindeutig ein kreuzunglücklicher Mensch, denn eigentlich wollte er Rock'n'Roller sein." Den anwesenden Christian Anders zählte er zur Kategorie "Frauenschwarm", zu Dieter Thomas Heck seien aber auch "die mit Niveau" gekommen. Da waren satirische Nehmerqualitäten gefragt wie sonst nur beim politischen Aschermittwoch. 

Roland Kaisers größter Hit: eine textliche Farce

Einer der Schlagerstars "mit Niveau", das ist nach einhelligem Befinden aller beteiligter Zeitzeugen und Experten zuvorderst Roland Kaiser. Der hatte jedoch eine Enthüllung im Gepäck, die der Branche auch nicht zum Vorteil gereichte.

Kaisers größter Hit "Santa Maria", so erfuhr man, habe in der Urfassung vom gleichnamigen Flaggschiff des Christoph Kolumbus gehandelt. "Da hat mein damaliger Produzent gesagt, das kannst du so vergessen, wir brauchen einen Text mit Sand und Strand, mit Liebe und Zärtlichkeit." Kaiser habe mit seinem Kreativpartner in der Enttäuschung eine übertrieben schnulzige Neufassung vorgelegt - zur hellen Freude des Produzenten. "Das war ein Scherz, du!", habe er, der Schlager-Kaiser, noch angemerkt, aber zu spät. Der Produzent habe den Gaga-Text begeistert durchgewunken: "Der ist riesig, den nehmen wir auf!" Roland Kaiser hat den Text nie mehr verändert.

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Als Anekdoten-Füllhorn erfüllte diese Jubiläums-"Zugabe" also durchaus ihren Zweck. Unvergesslich wurde sie allein für Bülent Ceylan ("Ein Traum wird wahr!"). Der Heavy Metal liebende Comedian traf in der Sendung auf seinen Kindheitsschwarm Paola Felix (die Thomas Gottschalk zu einem "Blue Bayoo"-Duett duldete). Ein offenbar originales "Bravo"-Poster hatte Ceylan zu Signaturzwecken dabei, es habe einst in seinem Kinderzimmer über dem Bett gehangen. Auf der Poster-Rückseite: ein "Frankenstein"-Filmplakat.

Michelle weiß noch immer, wie sie ihre Fans verzaubert. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)
Michelle weiß noch immer, wie sie ihre Fans verzaubert. (Bild: ZDF/Sascha Baumann)

Der Show-Gastgeber fühlte sich angesichts der überschäumenden Fan-Romanze außen vor. "Ich bin raus", schmollte er - und bot an: "Ich kann dir gern den Frankenstein unterschreiben." Da war dann doch noch ein Gag, der Gottschalks Legendenstatus gerecht wurde.

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