Musiklegende: David Bowie – wiederbelebt in Berlin

Balancieren zwischen den Genres: David Bowie im Pierrot-Kostüm der Fotosession für das Album “Scary Monsters (And Super Creeps)“

David Bowie ertrug sich selbst nicht mehr. Die gesamten 60er-Jahre waren damit draufgegangen, zum Star zu werden, bis er Anfang der 70er dann tatsächlich aufstieg wie eine Feuerwerksrakete. Englands hellster Stern. Doch nun saß David Bowie gottverlassen in einem leeren Bungalow, irgendwo im Straßenlabyrinth von Los Angeles. Körperlich ausgebrannt und ein bisschen irre. Mit letzter Kraft entfloh er der Neuen Welt per Atlantikdampfer in Richtung altes Europa. Frankreich. Dann Berlin. Davon, was er dort erlebte, erzählt "A New Career In A New Town" (Warner Music, 126,99 Euro bei Amazon), ein jetzt erschienenes Elf-CD-Boxset mit überarbeiteten Versionen seiner Alben der Jahre 1977–82.

Der Plan, erklärte Bowie später, sah so aus: "Finde ein Land, dessen Sprache du nicht verstehst, einen Ort, an dem du nicht sein magst, und steh' das durch. Zwinge dich dazu, dir deine Lebensmittel einfach mal selbst zu kaufen." Nach einem holperigen Start in einem verwunschenen Schloß-mit-Tonstudio bei Paris, wo man der Band mitunter Verdorbenes zum Abendbrot servierte und nachts die Geister von Frédéric Chopin und George Sand einem auf die Schulter tippten, zog Bowie 1976 nach Berlin. Sein damaliges Schöneberger Mietshaus an der Hauptstraße 155 schmückt seit dem vergangenen Jahr eine Gedenktafel. Berlin reklamiert den Londoner längst für sich und vermarktet ihn wie Quadriga und Buddy Bär als Wahrzeichen der Stadt.

Bild Nr. 1:
Kurz vor dem Schritt nach Berlin: David Bowie im 30er-Jahre- Look auf Tournee 1976 Getty Images

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