Roboter, Fassaden, Express-Zug zum Gardasee - München im Jahr 2050 - das sagen Experten voraus

Florian Zick

Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Wie leben wir in 30 Jahren, wie arbeiten wir und wie funktioniert unser Alltag? Die AZ hat Experten nach ihren Prognosen gefragt.

München - Die Zukunft ist ein recht undankbares Geschäft. Man kann sich noch so viel Mühe geben, noch so viele Daten wälzen und noch so akribisch an den Prognosen feilen - am Ende kommt bekanntlich doch meistens alles anders, als man gedacht hat. Die AZ hat deshalb die Profis rangelassen. Denn wenn schon spekulieren, dann doch bitte auf hohem Niveau. Zukunftsforscher, Wirtschaftsprofessoren, Trend-Analysten - sie alle haben für die AZ in die Glaskugel geschaut und ihre Vision für "München 2050" niedergeschrieben. Natürlich ist auch immer ein bisschen Kaffeesatzleserei dabei, ein bisschen Stochern im Trüben und ein Stück idealistisches Wunschdenken.

München wächst in der Größenordnung von Karlsruhe oder Augsburg

Bei einer rasant wachsenden Stadt wie München kann man die Zukunft aber ohnehin nie wirklich auf den Punkt genau vorhersagen. Bis 2030 verleibt sich die sympathische Isar-Metropole einwohnermäßig einfach mal eine Stadt in der Größenordnung von Karlsruhe oder Augsburg ein. Da soll noch einer behaupten, er wisse genau, wie es danach weitergehe.

Die Vorhersagen der AZ-Experten sind jedoch keine wilde Spinnerei. Die Prognosen sind wissenschaftlich unterfüttert und mit einem üppigen Erfahrungsschatz angereichert. Die Beiträge zeigen also zumindest eine sehr wahrscheinliche Zukunft auf. Ob in den Fabriken wirklich bald nur noch Roboter arbeiten, ob unsere Autos von alleine fahren und ob es 2050 wirklich einen Express-Zug geben wird, der uns in Windeseile zum Gardasee katapultiert - das alles ist möglich.

Das sind die Zukunftsvisionen:

"Überall grüne Fassaden"

So könnte die Fassade der Zukunft aussehen: grün und blühend – wie hier an einem Bürogebäude in Amsterdam.     Foto: imago

Silvia Gonzalez, Expertin für Stadtgestaltung bei der Umweltorganisation Green City: Eines ist sicher: Der Englische Garten ist auch 2050 noch nicht zugebaut. Die ganzen Parks sind als Erholungsraum viel zu wertvoll. Deutlich gefährlicher wird es da schon für die kleineren Grünflächen. Baurecht geht nun mal vor Baumrecht. Und die Politik hat einfach einen Riesendruck, die Stadt weiterzuentwickeln.

Wo heute in den Randbezirken noch ein Garten und ein Haus stehen, findet man in ein paar Jahren bestimmt Reihenhäuser. Alte Bäume kommen weg, das Grün verschwindet. Die Lösung heißt da ganz klar: Gebäudebegrünung.

2050 sind hoffentlich alle Fassaden und Dachflächen bepflanzt und die Innenhöfe entsiegelt. Efeu, Blauregen – es gibt da so viele Möglichkeiten. Und es wäre ja auch nichts ganz Neues: Hundertwasser hat schon viel früher Pflanzen und Bäume in seine Architektur integriert. Das war für ihn etwas ganz Selbstverständliches.

Es gibt schon heute ganz unterschiedliche Systeme, wie man Fassaden begrünen kann. Klar ist das mitunter ein bisschen aufwendig, man muss die Pflanzen ja auch pflegen. Aber Glasfronten sauber halten – das ist auch aufwendig. Vorbild könnte sicher New York sein. Dort wird auf den Dächern auch schon gegartelt. Das wäre bestimmt auch was für München: Tomaten und Gurken vom eigenen Dach. Wenn die Häuser dann ganz grün sind, schützt das die Stadt vor Überhitzung. Und für die Luftqualität ist das Grün natürlich auch sehr wichtig.

"Niemand wird mehr am Steuer sitzen müssen"

So sieht die Zukunft aus: Dieser VW-Prototyp lenkt ganz von alleine.    Foto: dpa

Bernd Bienzeisler, Zukunftsforscher am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO): In Science-Fiction-Filmen schweben die Städte von morgen oft als kreisrunde Raumschiffe durch den Weltraum. Aber wir wissen nicht einmal genau, was morgen passiert. Wie soll man da sagen können, was in 30, 40 oder gar 200 Jahren ist. Ich glaube jedenfalls nicht, dass München jemals durch den Weltraum schweben wird. Wir werden in den nächsten Jahren vermehrt neue Dinge ausprobieren müssen, vor allem beim Verkehr. Man weiß da eben nicht genau, was funktioniert und was nicht. Einige Dinge kann man aber schon recht genau vorhersagen, das haben unsere Studien ergeben.
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