Wie der „Robin Hood des Kleinanlegers“ seine Pferde verlor


Zuweilen komme es ihm vor, als wenn er ständig Feuer austreten müsse. So beschreibt der bekannte Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber seinen Alltag. Seit Jahrzehnten recherchiert er Finanzjongleuren, Bankrotteuren und Betrügern hinterher. Fuchsgruber ist im grauen Kapitalmarkt eine bekannte Größe. Vielen Opfern gilt er als „Robin Hood des Kleinanlegers“.

Seit einiger Zeit läuft es nicht mehr rund für den Privatschnüffler. Wie das Handelsblatt im Juli berichtet hat, ermitteln Staatsanwälte gegen Fuchsgruber wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Ex-Mandaten werfen dem Detektiv zudem vor, er nehme satte Honorare und liefere wenig Ergebnisse. Überdies legen Daten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform nahe, dass seine Detektei kurz vor der Pleite steht. Fuchsgruber hat die Vorwürfe kategorisch bestritten. Er glaubt an eine Intrige, die anonyme Heckenschützen gegen ihn anzettelten. Geschäftspartnern, die ihn angezeigt haben, unterstellt er selbst unlautere Motive.


Bei einer weiteren Unternehmung hat der Detektiv gerade eine deftige Bauchlandung hingelegt. In seinem Heimatort Ottweiler hat er bis Anfang des Jahres ein Gestüt betrieben. Auf dem Pachthof hielt er 18 Pferde, eigene und Tiere anderer Eigentümer. Die Zucht englischer Vollblütern für Galopp-Rennen kann ein einträgliches Geschäft sein. Doch Anwohnern fiel der dem Anschein nach schlechte Zustand der Pferde auf, die nur unregelmäßig gefüttert worden sein sollen. „Im Winter hat meine Frau Zusatzfutter und Wasser auf eine Koppel gebracht, um den Tieren zu helfen“, erzählt ein älterer Herr aus der Gegend.

Anfang 2016 schaltete sich die Amtstierärztin ein. Sie mahnte mehrfach an, dass Fuchsgruber die Versorgung seiner Tiere verbessern sollte. Wie das zuständige Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz in Saarbrücken auf Anfrage mitteilt, ließ der Detektiv keine Einsicht erkennen. Die Amtstierärztin habe schließlich durchgegriffen und im August zwei Stuten mit ihren Fohlen vom Hof geholt. Die Tiere hätten unter zuvor "erheblicher Vernachlässigung" gelitten. Im Dezember folgte dann der Paukenschlag: Die Amtstierärztin untersagte Fuchsgruber, Pferde zu halten. Alle Pferde wurden daraufhin vom Gestüt abtransportiert und die Tiere aus dem Besitz des Detektivs zwangsverkauft.


Mit dem Ende seiner Karriere als Pferdezüchter will sich Fuchsgruber nicht abfinden. Dem Handelsblatt schreibt er: „Ich bestreite nachdrücklich den Vorwurf, die Tiere vernachlässigt zu haben.“ Ihm liege ein Gutachten der Pferdeklinik St. Georg in Trier vor, dass Anfang des Jahres keine Anzeichen für eine Vernachlässigung der Tiere festzustellen gewesen sei. Fuchsgruber sieht eine Verschwörung am Werk. Die Vorwürfe basierten auf Zeugen, die bei Zucht und Handel mit Hunden Illegales getan hätten und geschützt werden sollten. Er habe zur Aufdeckung beigetragen, „was man wohl schon als ein Motiv für negative und belastende Aussagen gegen mich ansehen könnte“. Die Richter des Verwaltungsgerichtes vermochte er mit dieser Version nicht zu überzeugen. Der Detektiv prozessiert seit Januar gegen das Verbot. Nun hofft er noch auf das Oberverwaltungsgericht in Saarlouis.

Das Saarland hat der Wirtschaftsermittler inzwischen Richtung Düsseldorf verlassen. Die Amtstierärztin hatte bemängelt, dass auf dem Gestüt in Ottweiler zeitweise keine "sachkundige Person" vor Ort gewesen sei. Fuchsgruber sagt, er hätte qualifizierte Personen beschäftigt. Doch das habe sich als nicht praktikabel erwiesen, „sodass ich mich entschieden habe, selbst entsprechende Sachkundenachweise zu erwerben.“ In NRW will sich der „Robin Hood“ zum Pferdewirt fortbilden lassen.

KONTEXT

Haustier-Urteile

1999 - Katzen

Ein Katzenliebhaber setzt in zweiter Instanz einen eigenen Balkon-Ausgang für seine vier Stubentiger durch. Im August erstreitet er vor dem Münchner Landgericht ein Katzen-Ausschlupfloch in der Balkontür seiner Mietwohnung. Er darf sie auf eigene Kosten einbauen und muss sie beim Auszug wieder entfernen.

2004 - Papageien

Nachbarn eines Vogelfreundes, der 35 Papageien in seiner Wohnung hält, müssen dies nicht hinnehmen. Das entscheidet das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz Ende Januar. Die Nachbarn fühlten sich durch das Gekreische der Tiere gestört.

2004 - Katzen

Das Bayerische Oberste Landesgericht in München verhängt im September Stubenarrest gegen eine Katze. Die Richter gaben den Eigentümern einer Wohnanlage recht, die in der Hausordnung das Auslaufen von Haustieren auf ihrem Grundstück verbieten. Die Gefahr einer Verschmutzung der Anlage "liege nicht fern", so die Richter. Bei Ausgängen muss "Cora" künftig an die Leine.

2005 - Mini-Schweine

Mini-Schweine dürfen nach einem Urteil des Amtsgerichts München im Januar nur dann in einer Wohnung gehalten werden, wenn sie die Mitbewohner des Hauses nicht gefährden. Das schwarze Hausschwein einer Münchnerin hatte beim Spaziergang in einer Panikattacke zwei Menschen verletzt. Nun muss das Tier ausziehen.

2008 - Hunde

Ein Hartz IV-Empfänger hat keinen Anspruch auf eine größere Wohnung, wenn er einen Hund hält. Das entscheidet das Sozialgericht Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) Ende Mai. Wer ein Haustier besitze, könne weder ein höheres Arbeitslosengeld II noch ein größere Wohnung erhalten. Geklagt hatte eine Hundebesitzerin, die sich im Vergleich zu Hartz IV-Empfängern mit Kindern benachteiligt fühlte.

2010 - Giftschlangen

Gefährliche Wildtiere wie Schlangen sind in hessischen Privatwohnungen auch künftig nur mit einer Ausnahmegenehmigung erlaubt. Das entscheidet der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel Anfang März. Geklagt hatte ein Hobbyzüchter, der mit einer befristeten Genehmigung 132 Giftschlangen, darunter 35 Königskobras, für Forschungszwecke in seiner Wohnung hält.

2013 - Hunde und Katzen

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe muss am 20. März 2013 darüber verhandeln, ob ein generelles Verbot von Katzen und Hunden in Mietverträgen zulässig ist (Az.: VIII ZR 168/12).