Robbens Eigenwerbung setzt Bayern unter Druck

Johannes Fischer, Marcel Bohnensteffen, Nico Pommerenke
Arjen Robben sammelte in Wolfsburg viele Argumente für eine Vertragsverlängerung bei Bayern

Als Arjen Robben in Wolfsburg einen Strafstoß vergab, kam bei ihm eine bittere Erinnerung hoch. "Mein letzter verschossener Elfmeter", sagte der Niederländer, "war im Champions-League-Finale 2012".

Damals, im Endspiel gegen Chelsea, in der heimischen Arena. Robben trat in der Verlängerung vom Punkt an. Hätte er getroffen, wäre es vermutlich gar nicht erst zum Elfmeterschießen gekommen. Chelsea hätte nicht gewonnen. Und Bayern wäre eine der bittersten Niederlagen der Vereinsgeschichte erspart geblieben.

Diese Gedanken geisterten also durch Robbens Kopf, als Koen Casteels seinen Schuss an den Pfosten lenkte. Was Robben zu dem Zeitpunkt, Bayern lag in jener 55. Minute übrigens noch 0:1 hinten, noch nicht wissen konnte: Sein Fehlschuss sollte dieses Mal keine Rolle spielen.

Dass die Bayern das Spiel im Schlussspurt noch in einen  2:1-Sieg verwandelten, war indes sehr wohl Robbens Verdienst. 


Tor vorbereitet, Elfmeter herausgeholt

Zunächst bereitete er den Ausgleich Sandro Wagners vor, dann holte Robben den zweiten Strafstoß, den Robert Lewandowski in der Nachspielzeit zum Sieg verwandelte, höchstselbst heraus. 

Es waren nur die zwei prominentesten Leistungsnachweise, die seine Bedeutung für das Bayern-Spiel zeigten. Denn dieser Arjen Robben wartet ja noch immer auf ein Angebot zur Vertragsverlängerung.  

Der Niederländer möchte seine Karriere am liebsten in München beenden. Doch noch zieren sich die Bosse, ihm ein neues Arbeitspapier vorzulegen. Wenn man Robben in Wolfsburg beim Fußballspielen zugesehen hat, kann man das befremdlich finden. 


Auf 87 Ballkontakte kam er am Ende, von allen Zweikämpfen der Bayern-Stars bestritt er die meisten (30, davon 16 gewonnen). Er, der Außenstürmer, der den rechten Flügel noch immer rauf und runterflitzt wie eh und je.

Fast jeder Bayern-Angriff in der Volkswagen Arena lief über Robben. Er war an den meisten Torschüssen beteiligt (vier eigene, fünf Vorlagen). Dass Robben von der kollektiven Rotation seines Trainers ausgenommen war, dürfte kein Zufall gesehen sein. Im Gegensatz zu vielen Kollegen spielte er die vergangenen drei Pflichtspiele jeweils 90 Minuten durch.

"Wir gehen bis zur letzten Minute auf Sieg"

Und Robben ist jemand, der auch dann noch heiß läuft, wenn andere den Abpfiff herbeisehnen. "Es stimmt, wenn Thomas Müller sagt, dass das Team geil ist. Wir gehen bis zur letzten Minute auf Sieg", sagte er am Samstag nach dem Sieg.


Bis zur letzten Minute also. Bei der Energie, mit der Robben noch über den Rasen stürmt, sollte seine Zeit in München nach objektiven Befinden noch lange nicht abgelaufen sein.

Kenner trauen dem 34-Jährigen mindestens noch eine weitere Saison beim Rekordmeister zu, sollte er bis zum Sommer von Verletzungen verschont bleiben. 

Bleibt da nur noch der Makel mit den Elfmetern. Wobei das mit dem Makel auch so eine Definition für sich ist. "Also, ein Mal in sechs Jahren einen Elfmeter zu verschießen, kann passieren", befand Robben noch an Ort und Stelle. "Wenn du danach noch eine Torvorlage machst und einen Elfmeter herausholst, dann kann man zufrieden sein."

Wer will ihm in dieser Sache widersprechen? Zumal Bayern ja auch noch einen Spezialisten für Strafstöße hat. Robert Lewandowski verwandelte am Samstag seinen 17 Bundesliga-Elfmeter in Folge. Damit stellte er den Rekord eines gewissen Hans-Jörg Butt ein.

Dass dem früheren Leverkusen- und Bayern-Keeper noch jemand die Elfer-Domäne streitig machen würde, galt lange Zeit als ausgeschlossen.