RKI-Chef warnt vor Doppelbelastung durch Grippe und Corona

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Berlin (dpa) - Mit Blick auf Herbst und Winter hat der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) vor einer Doppelbelastung des Gesundheitssystems durch Grippe und Covid-19 gewarnt. 

Es gelte zu verhindern, dass zu viele Fälle der beiden Erkrankungen parallel versorgt werden müssen, sagte Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. «Wenn viele Covid-19- und viele Grippe-Erkrankte gleichzeitig auftreten, dann werden die Krankenhäuser massiv belastet.» Dies wäre auch gefährlich für andere Patienten, die die Krankenhausbetten benötigten. Ein solches Szenario lasse sich am besten mit Impfungen und dem Tragen von Masken, Abstand halten, Hygiene, Lüften und Nutzen der Corona-Warn-App vermeiden, betonte Wieler.

Es sei zwar grundsätzlich nicht vorhersehbar, wie schwer eine Grippewelle verlaufen werde, erklärte der RKI-Chef. Mit einer Zunahme der Covid-19-Fallzahlen sei allerdings zu rechnen. Beide Krankheiten seien insbesondere für ältere und chronisch Kranke ein Risiko. Die Grippe-Impfung wird in Deutschland bestimmten Gruppen wie über 60-Jährigen empfohlen - und Menschen, die etwa beruflich mit diesen Gruppen zu tun haben. Aber auch alle anderen könnten sich nach Rücksprache mit Ärzten impfen lassen, sagte Wieler. Die Corona-Impfung wird allen ab 12 Jahren empfohlen - der Chef der Gesundheitsbehörde rief erneut dazu auf, dieses Angebot wahrzunehmen.

Stiko bemängelt zu niedrigen Impfschutz

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, hat in der Pandemie vor zu wenig Grippeschutz bei Risikogruppen in Deutschland gewarnt. Bislang lägen die Grippe-Impfquoten auch gemessen an internationalen Empfehlungen zu niedrig, sagte Mertens am Mittwoch. Obwohl es in der vergangenen Grippesaison Verbesserungen gegeben habe, lägen die Influenza-Impfquoten bei Menschen über 60 leider nur bei 30 bis 40 Prozent. «Das ist wirklich zu wenig», sagte Mertens. Denn es könnte nach dem Ausbleiben in der vergangenen Saison nun eine stärkere Grippewelle geben.

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Grippeimpfungen werden neben Älteren unter anderem auch chronisch Kranken, Schwangeren, medizinischem Personal, pflegenden Angehörigen und Menschen empfohlen, die beruflich mit viel Publikumsverkehr zu tun haben. Es gebe dabei Hühnerei-basierte und Zellkultur-basierte Impfstoffe sowie einen Lebendimpfstoff, erläuterte Mertens. Das sei eine breite Palette. Bei Totimpfstoffen könne der Grippeschutz auch zeitgleich mit einer Corona-Impfung gegeben werden - dann in den linken und rechten Oberarm. Wie bei Covid-19 gehe es dabei um das Vermeiden von Klinikeinweisungen und Todesfällen. 

Für ältere Menschen gebe es zudem Grippeimpfstoffe mit Immunverstärkern und auch einen Hochdosis-Impfstoff, der 60 statt 15 Mikrogramm von jedem Influenzastamm enthalte. «Ältere Menschen reagieren nicht nur schlechter auf Covid-19-Impfungen, sondern auch auf die Influenzaimpfungen», sagte Mertens.

Aufforderung für weitere Impfungen

«Beim Impfen geht es nicht nur um Covid 19», betonte er. Auch alle anderen Impfungen müssten gemacht werden, neben dem Grippeschutz etwa auch die Kinderimpfungen. «Impfungen sind eine geniale und sehr bedeutende Errungenschaft der Medizin», sagte Mertens. «Um viele Infektionsprobleme zu lösen, hilft uns am Ende nur eine gute Impfung.»

Lothar Wieler (links) und Jens Spahn. (Bild: Pool/Getty Images)
Lothar Wieler (links) und Jens Spahn. (Bild: Pool/Getty Images)

Spahn: «Bitte lassen Sie sich gegen Grippe impfen»

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, sich in diesem Herbst besonders zahlreich gegen Grippe impfen zu lassen. Weil es in Deutschland im vergangenen Jahr infolge des teilweisen Lockdowns so gut wie keine Grippe gegeben hatte, sei das Risiko einer Grippewelle in diesem Jahr umso höher, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. «Bitte lassen Sie sich gegen Grippe impfen», sagte der Minister. «Genug Grippeimpfstoff ist vorhanden.»

27 Millionen Dosen Impfstoffdosen stünden zur Verfügung - «mehr als genug», sagte Spahn. Wegen früheren Bestellungen und einer früheren Behördenfreigabe seien die Impfstoffe in diesem Jahr auch früh verfügbar. So sei es möglich, «viel Leid und Tod» zu vermeiden. Eine Grippeimpfung ist besonders bei Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen empfohlen. Auch bei Menschen mit vielen Kontakten sei sie ratsam, sagte Spahn.

Erreicht werden solle erneut mindestens eine Größenordnung wie im vergangenen Jahr, als es 22 Millionen Grippeimpfungen gegeben habe. Üblicherweise seien es zwischen 15 und 18 Millionen Impfungen, so Spahn. Gerade im öffentlichen Personenverkehr seien auch weiter die Abstands- und Hygieneregeln anzuwenden - wie das Tragen von Masken. Spahn selbst hatte sich am Morgen gegen Grippe impfen lassen, wie er mitteilte.

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