Rivalität Neuville und Mikkelsen: "Der Speed wird entscheiden"

Gute Freunde: Andreas Mikkelsen (li.) und Thierry Neuville (re.)


Im Hyundai-Werksteam gab in der WRC-Saison 2017 Thierry Neuville den Ton an. Während der Belgier um den WM-Titel kämpfte, hatten Dani Sordo und Hayden Paddon Schwierigkeiten und zeigten kaum Topleistungen. Deshalb verstärkte sich Hyundai im Herbst mit Andreas Mikkelsen, der die letzten drei Rallyes bestritt. In Australien führte der Norweger, bis er in einer Prüfung gleich zwei Reifenschäden hatte. Da er nur einen Ersatzreifen im Kofferraum hatte, war seine Siegchance vorbei.

Mikkelsen zeigte sein Potenzial. Ist er deshalb der richtige Partner für Neuville? "Von der Technik her ist es ein Plus, weil er mehrere Fahrzeuge gefahren ist", antwortet Neuville auf diese Frage von 'Motorsport-Total.com'. "Im Großen und Ganzen ist es sehr positiv, ihn im Team zu haben, denn er zählt zu den schnellsten Fahrern im Feld. Ich denke auch, dass es für die Motivation das Beste ist, das uns passieren konnte. Denn wenn jemand im eigenen Team schneller ist, dann motiviert es einen, es noch besser zu machen. Es wird ein harter Kampf, aber es wird uns beide pushen und natürlich auch das Team."

Neuville und Mikkelsen haben ein großes Ziel. Beide wollen 2018 Rallye-Weltmeister werden. Aber wenn beide um Siege kämpfen, könnten sie sich auch gegenseitig WM-Punkte wegnehmen. Ist dann Sebastien Ogier der lachende Dritte? "Schwierig zu sagen", meint Neuville. "Es kann auch eine Hilfe sein, wenn einer von uns die Überhand hat, weil der andere Probleme oder Ausfälle hatte. Dann kann man dem natürlich auch helfen. Das Ziel von uns beiden ist es natürlich um die WM zu kämpfen, und Ogier, Tänak und andere Fahrer zu schlagen."

Beide glauben: WM-Duell würde Freundschaft nicht belasten

Mikkelsen und Neuville sind seit Jahren gute Freunde. Beide leben in Monaco und verbringen auch abseits der Rallye-Pisten Zeit gemeinsam. Wenn beide im gleichen Team um den WM-Titel kämpfen, könnte die Freundschaft zerbrechen so wie einst bei Lewis Hamilton und Nico Rosberg? "Okay, die fahren zusammen auf der Strecke und das ist bei uns nicht der Fall", winkt Neuville ab. "Wir sind alleine auf der Strecke und der Schnellere wird gewinnen. Es wird nur der Speed entscheiden. Falls die Situation eintreten sollte, wird das Team hoffentlich beiden die gleichen Chancen geben. Ab dem Moment, denke ich, wird es keine Probleme geben."

Und auch Mikkelsen sieht die Thematik ähnlich: "Rallyes und Rundstreckenrennen sind anders. Auf der Rennstrecke fährst du direkt gegeneinander, und du kannst Unfälle mit dem anderen Fahrer haben. Man kann das Rennen des anderen Fahrers auch zerstören. Wenn im Rallye-Sport der andere schneller ist, dann hat er es besser gemacht. Das muss man respektieren. Deshalb glaube ich, dass es im Rallye-Sport nicht solche Rivalitäten gibt, weil wir nicht direkt miteinander auf den Prüfungen kämpfen. Wir sind alleine, und wer es besser macht, ist schneller."

Dass Hyundai nun zwei starke Fahrer hat, sieht Neuville im Kampf gegen die anderen Hersteller positiv: "Denn in diesem Jahr war ich im Team komplett alleine. Es war fast jedes Mal ein Ford auf dem Podium und ich musste mich alleine durchschlagen. Dass die Teamkollegen dem Ogier Punkte wegnehmen, kann nächstes Jahr auch helfen." Dass es innerhalb von Hyundai zu einer Rivalität kommen könnte, glaubt der Vizeweltmeister nicht: "Bei uns im Team werden alle Informationen ausgetauscht, jeder hat die gleiche Anzahl an Testtagen. Das war schon immer so. Es hat nie Probleme geben."

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