Ist es zu riskant, in chinesische Aktien zu investieren?

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Wichtige Punkte

  • China nimmt die Unternehmen in weiten Teilen der Wirtschaft genauer unter die Lupe.

  • Von Branchenriesen bis hin zu neuen Börsengängen gibt es kaum ein Unternehmen, das nicht überprüft wird.

  • Nicht jedes Unternehmen ist im Visier, aber Investoren sollten ihre chinesischen Aktien mit Bedacht auswählen.

Der Fall Evergrande letzte Woche zeigt, wie riskant chinesische Investitionen geworden sind und wie wichtig der chinesische Markt für die Weltwirtschaft ist. Die Nachricht, dass der Immobilienentwickler eine Zinszahlung in Höhe von 83 Millionen US-Dollar versäumt hatte, ging wie ein Schock um die Welt und ließ den Dow Jones Industrial Average (WKN:969420) über mehrere Tage um 900 Punkte abstürzen.

Pekings Beteuerungen, dass es die Krise eindämmen kann, scheinen die Märkte zwar beruhigt zu haben – der Dow hat inzwischen den gesamten verlorenen Boden wiedergewonnen -, aber die weitreichenden Maßnahmen der Regierung gegen weite Teile der chinesischen Wirtschaft werfen die berechtigte Frage auf, ob es sich lohnt, in China zu investieren.

Den Ball flach halten

Für kapitalistische Unternehmen, die in einem kommunistischen Land tätig sind, war es schon immer ein schwieriger Balanceakt. Doch mit dem wachsenden Einfluss der Unternehmen in einer sich abschwächenden chinesischen Wirtschaft übt Peking seine Kontrolle aus, um die Unternehmen genau daran zu erinnern, wer hier am Steuer sitzt.

Die ersten Anzeichen dieses Machtspiels zeigten sich im letzten Jahr, als der Gründer von Alibaba (WKN:A117ME), Jack Ma, die Unverfrorenheit besaß, die staatlichen Regulierungsbehörden dafür zu kritisieren, dass sie die Innovation unterdrücken. Die Reaktion kam prompt.

Der geplante Börsengang von Alibabas Ant Financial an den Märkten in Shanghai und Hongkong wurde zunächst auf Eis gelegt und dann zurückgezogen, nachdem die Aufsichtsbehörden „erhebliche Probleme“ bei der Notierung festgestellt hatten. Ma, der in der Öffentlichkeit sehr beliebt war, tauchte plötzlich unter, was Bedenken über seinen Verbleib aufkommen ließ.

Die Aufsichtsbehörden verhängten außerdem eine Geldstrafe von 500.000 Yuan (ca. 76.500 US-Dollar) gegen Alibaba, weil das Unternehmen es versäumt hatte, eine behördliche Genehmigung einzuholen, bevor es seine Beteiligung an der Kaufhauskette Intime Retail Group erhöhte.

Es folgten weitere Maßnahmen gegen Tech-Unternehmen. Ein geplanter Zusammenschluss zwischen Huya und Douyu International, der dem Huya-Mutterunternehmen Tencent einen dominanten Anteil am Markt für Livestream-Gaming verschafft hätte, wurde ebenfalls von den Aufsichtsbehörden genauer unter die Lupe genommen. Die Fusion wurde daraufhin im Juli aufgrund von kartellrechtlichen Bedenken abgesagt.

Ein sich ausbreitendes Unbehagen

Die Eingriffe in den Markt haben sich noch verstärkt, da die Regulierungsbehörden immer mehr versuchen, die Kontrolle wiederzuerlangen.

  • Unternehmen wie New Oriental Education & Technology und Gaotu Techedu, die Online-Bildung und Nachhilfe anbieten, wurde verboten, Gewinne zu erzielen. Die Aufsichtsbehörden schränkten auch ausländische Investitionen in ihre Aktien ein.

  • Die Taxi-Dienst-App Didi Chuxing wurde wegen angeblicher Cybersecurity-Probleme aus allen App-Stores des Landes verbannt, was die Aktie der Muttergesellschaft Didi Global abstürzen ließ.

  • Chinesische Unternehmen, die kürzlich an US-Börsen an die Börse gegangen waren, wie Full Truck Alliance, Kanzhun und UP Fintech Holding, wurden unter die Lupe genommen, vielleicht als Warnung für andere Unternehmen, die einen Börsengang in den USA erwägen.

  • Die Handelsminister erklärten, dass es in China „zu viele“ Elektroautohersteller gäbe und dass sie mit deren Konsolidierung beginnen würden.

  • Und vor kurzem hat Peking alle Kryptowährungstransaktionen verboten, um die chinesischen Verbraucher von privaten Finanzdienstleistern fernzuhalten, während es an der Entwicklung seiner eigenen digitalen Währung arbeitet.

Während diese weitreichenden Maßnahmen zu Recht die Begeisterung für diese Aktien dämpfen, sollten sich die Anleger darüber im Klaren sein, dass auch in den USA ansässige Unternehmen, die in hohem Maße von China abhängig sind, was Waren, Materialien und sogar Einnahmen angeht, gefährdet sind.

Geschäfte in China werden immer schwieriger

Die Weltklasse-Resortbetreiber Las Vegas Sands, MGM Resorts und Wynn Resorts haben unter den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie gelitten, weil Macau für Touristen und Besucher weitgehend gesperrt war.

Erst seit kurzem kehren die Menschen an den einzigen Ort in der Region China zurück, an dem Glücksspiel legal ist. Doch die monatlichen Einnahmen aus dem Glücksspiel bleiben gering, und jetzt werden die Lizenzen, die sie besitzen, erneuert, so dass sich die Dauer der Lizenz um die Hälfte verkürzen könnte, während sich der Markt für mehr einheimische Anbieter öffnet.

Sands, Wynn und Melco Resorts & Entertainment sind besonders anfällig für Änderungen der Konzessionen durch die Regulierungsbehörden, da sie zwei Drittel oder mehr der Einnahmen und Gewinne in Macao erzielen. Außerdem hat Sands vor kurzem das letzte seiner US-Häuser verkauft, um sich ganz auf die asiatischen Glücksspielmärkte zu konzentrieren.

MGM Resorts ist das Casino, das von diesen Veränderungen am wenigsten betroffen ist, weil es den Großteil seines Geldes immer noch in den USA verdient.

Ein riskantes Unterfangen

Da die Spannungen zwischen den USA und China weiter zunehmen und Peking die Grenzen seines Einflusses auf ausländischen Märkten testet, könnten sich amerikanische Unternehmen in der Zange außenpolitischer Ziele wiederfinden.

Für Investoren könnte China zu einem unsicheren und gefährlichen Markt werden. Auch wenn Unternehmen wie der Suchgigant Baidu oder der E-Commerce-Riese JD.com bei Peking in guten Händen zu sein scheinen, wird es schwierig herauszufinden, welches Unternehmen als nächstes auf eine Landmine treten könnte.

Ich würde nicht sagen, dass China eine No-Go-Zone für Investitionen ist, aber dieser Markt ist schon jetzt nur für Investoren mit einer großen Risikobereitschaft geeignet. Und selbst dann ist größere Vorsicht geboten: Risikofreudige China-Investoren sollten nur in die Unternehmen mit dem solidesten Ruf investieren.

Der Artikel Ist es zu riskant, in chinesische Aktien zu investieren? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, der möglicherweise nicht mit der "offiziellen" Empfehlungsposition eines The Motley Fool Premium-Beratungsdienstes übereinstimmt. Das Hinterfragen einer Investitionsthese - selbst einer eigenen - hilft uns allen, kritisch über Investitionen nachzudenken und Entscheidungen zu treffen, die uns helfen, klüger, glücklicher und reicher zu werden.

Dieser Artikel wurde von Rich Duprey auf Englisch verfasst und am 30.09.2021 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba Group Holding Ltd., Baidu, JD.com und Tencent Holdings. The Motley Fool empfiehlt New Oriental Education & Technology Group.

Motley Fool Deutschland 2021

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